Sophie Scholl (1921 - 1943)
Sophie Scholl (1921 - 1943)
Foto: George (Jürgen) Wittenstein / AKG

Für Kinder erklärt Wer war Sophie Scholl?

Eine junge Frau sieht, dass Unrecht geschieht, und beschließt, etwas zu unternehmen: Sophie Scholl wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Eine Sache können wir heute noch von ihr lernen.
Von Antonia Bauer

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 geboren, sie wäre also in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Sie ist aber nur 21 Jahre alt geworden, denn sie wurde von den Nationalsozialisten getötet. Sophie und ihre Geschwister wuchsen in der Zeit des Nationalsozialismus auf. Auf den Straßen hoben die Menschen die Hand zum Hitlergruß, die Nazis nahmen Juden den Besitz weg und brachten sie in Lager. Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Sinti und Roma, politische Gegner – alle, die vermeintlich anders waren, wurden verfolgt, viele wurden ermordet.

Sophies Bruder Hans ist selbst bisexuell, verliebt sich also in Jungs und Mädchen. Als herauskommt, dass er eine Beziehung mit einem anderen Mann hat, muss er mehrere Wochen in Haft. Sophie und ihre Geschwister erfahren von den grausamen Verfolgungen jüdischer Familien. Sophie kommen Zweifel an dem, was sie in der Schule gelernt hat. Auch ihre Eltern üben immer wieder Kritik an Hitler. Heimlich, denn wer etwas gegen die Nazis sagt, muss mit harten Strafen rechnen.

Sophie erkennt, dass das, was die Nazis tun, falsch ist, und fragt sich: Wieso unternimmt denn niemand etwas dagegen?

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Als Sophie zum Studieren nach München zieht, schließt sie sich dem Freundeskreis ihres Bruders Hans an. Die Gruppe nennt sich »Weiße Rose«, sie liest viel, auch verbotene Bücher, und trifft sich zum Diskutieren. Die Bücher helfen den Studierenden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sind sich einig: Man muss etwas gegen die Grausamkeiten tun.

Sophies Bruder Hans Scholl und sein Freund Alexander Schmorell verfassen im Sommer 1942 vier Flugblätter, auf denen sie Hitler kritisieren und andere auffordern, sich gegen den Diktator und seine Leute zu wehren. Sie fertigen heimlich jeweils 100 Stück an und schicken sie an ausgewählte Münchner Adressen, darunter viele Gelehrte und Professoren. Besonders von den Gebildeten erwarten sie Unterstützung.

»Einer muss doch schließlich mal damit anfangen. Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie es nicht, es auszusprechen.«

Sophie Scholl

Politische Flugblätter zu verteilen – und dann noch solche gegen Hitler – ist jedoch im Nationalsozialismus streng verboten. Jeder ist verpflichtet, sie bei der Polizei abzugeben. Die Flugblätter werden auch von etwa jedem dritten der Empfänger gemeldet. Trotzdem macht die Gruppe weiter und druckt Flugblätter. Sie weiß, dass auch andere gegen Hitler sind, aber niemand sich traut, etwas zu sagen.

Am 18. Februar 1943 treten Hans und Sophie aus ihrer Wohnung in München und machen sich auf den Weg zur Universität. Sie tragen einen schweren Koffer, er ist randvoll mit Flugblättern. Gegen elf Uhr kommen sie im Gebäude an, es ist still, die Studierenden sind noch in Vorlesungen.

Die Geschwister legen die Flugblätter vor den Hörsälen aus. Eigentlich wollen die beiden durch den Hinterausgang verschwinden, da kehren sie noch mal um, ein Stapel ist noch übrig.

Sophie und Hans legen die Blätter in das oberste Stockwerk. Sophie gibt dem Stapel einen Schubs, die Blätter fallen herunter. In diesem Moment öffnen sich die Türen, die jungen Leute kommen aus den Vorlesungen. Sophie und Hans drehen sich um und wollen fliehen – doch sie werden vom Hausmeister festgehalten.

Es wird berichtet, dass beide ganz ruhig gewesen sein sollen. Dabei wusste Sophie, dass auf das, was sie getan hatten, die Todesstrafe stand. Sie wehrte sich nicht. Damals war ein Leben nicht viel wert – das war es ja genau, wogegen die Gruppe protestierte.

Hans und Sophie werden sofort verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Hans will alle Schuld auf sich nehmen, aber Sophie lässt das nicht zu. Schon wenige Tage später wird ihnen der Prozess gemacht. Der Vorsitzende des Gerichts ist ein gefürchteter Mann, der dafür bekannt ist, in Verhandlungen die Angeklagten niederzubrüllen. Und nun steht Sophie vor ihm. Mutig entgegnet sie ihm: »Einer muss doch schließlich mal damit anfangen. Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie es nicht, es auszusprechen.« Das Gericht verkündet das Todesurteil für die Geschwister, weitere Helfer aus der Gruppe werden später auch verurteilt.

»So ein herrlicher, sonniger Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt werden«, schreibt Sophie am 22. Februar 1943 in ihr Tagebuch. Wenige Stunden später ist sie tot.

Was können wir heute von Sophie lernen? Vielleicht hielten Millionen Menschen das, was Hitler und seine Leute taten, für Unrecht, aber sie taten nichts. Die meisten aus Angst um ihr Leben, andere, weil es einfacher war. Sophie Scholl und die anderen aus der Gruppe der »Weißen Rose« nicht. Sie wehrten sich und setzten sich für andere ein, weil sie davon überzeugt waren, das Richtige zu tun.

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 05/2021.

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