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Giulio Piscitelli / contrasto / laif

Für Kinder erklärt Wie ist die Lage in der Ukraine?

Es ist der 41. Tag des Krieges. Mehr als vier Millionen Menschen sind aus der Ukraine geflohen, seit russische Truppen das Land am 24. Februar angegriffen haben. Wie wir Kindern helfen können, die Situation zu verstehen.
Von Claudia Beckschebe, Alexandra Klaußner und Marco Wedig

Was passiert gerade in der Ukraine?

Die russischen Truppen sind immer weiter in die Ukraine vorgedrungen und haben auch einige Städte eingenommen. Manche Fachleute sagen: langsamer, als sich der russische Präsident Putin das vorgestellt hat. Russland sagt: Alles läuft nach Plan. Was aber auf jeden Fall stimmt: Es sterben Tausende Menschen – nicht nur Kämpfende aus der Ukraine und Russland, auch Unbeteiligte. Und es werden Menschen angegriffen, die auf Wegen flüchten, die als sogenannte Fluchtkorridore von beiden Seiten als sicher ausgewiesen worden sind.

Zu dem großen menschlichen Leid, das der Krieg verursacht, kommen die Schäden, die die Angriffe an Gebäuden hinterlassen. Städte sind zerstört, viele Gegenden sind von der Versorgung mit Strom abgeschnitten, Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser.

Vom Komiker zum Kriegspräsidenten
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besucht einen verwundeten Soldaten in einem Kiewer Krankenhaus.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besucht einen verwundeten Soldaten in einem Kiewer Krankenhaus.

Foto: Ukrainian Presidency / Handout / picture alliance / dpa

Wolodymyr Selenskyj ist in diesen Tagen überall zu sehen: in den Nachrichten, auf Social Media, in verschiedenen Parlamenten, zum Beispiel im Deutschen Bundestag. Der ukrainische Präsident wirbt um Unterstützung für sein Land, etwa durch Waffenlieferungen. Oft zeigt er sich in der Hauptstadt Kiew, auf offener Straße oder beim Besuch eines verwundeten Soldaten. Die Botschaft: Seht her, ich bin noch hier, ich bleibe standhaft. So stärkt er die Kampfmoral der ukrainischen Truppen. Das mag ein Grund dafür sein, dass sie den russischen Einmarsch bislang vielerorts eindämmen konnten. Russlands Präsident Wladimir Putin will Selenskyj stürzen, unter anderem weil dieser ­einen seiner Freunde unter Hausarrest setzen ließ. Doch Putin scheint Selenskyj unterschätzt zu haben. Vielleicht glaubte er, Selenskyj würde fliehen, sobald die Ukraine an­gegriffen wird. Auch im eigenen Land hielten einige Selenskyj für ­einen schwachen Politiker. Schließlich war er als Fernseh-Komiker bekannt, ­bevor er Präsident wurde. Mit seinem entschlosse­nen Auftreten als Kriegs­präsident hat er alle überrascht. Viele halten ihn für einen Helden. Doch manches kann man auch kritisch sehen, zum Beispiel seine Entscheidung, 18- bis 60-jährige Männer nicht aus dem Land zu lassen, weil sie die Ukraine verteidigen sollen.

Wie ist die Lage in Russland?

Wladimir Putin hat den Menschen in Russland verboten, den Krieg, den er angefangen hat, Krieg zu nennen. Es handle sich um eine »militärische Sonderoperation«, um Menschen in der Ukraine zu schützen und zu befreien, sagt er. Wer den Einsatz als Krieg bezeichnet, dem drohen bis zu 15 Jahre Haft. Wer demonstriert, wird festgenommen. Schon mehreren Tausend Russinnen und Russen ist genau das passiert.

Der russische Präsident Wladimir Putin unterdrückt die freie Meinungsäußerung in seinem Land

Der russische Präsident Wladimir Putin unterdrückt die freie Meinungsäußerung in seinem Land

Foto: Mikhail Klimentyev / Kreml / REUTERS

Es gibt nach wie vor sehr viele Menschen in Russland, die das Vorgehen ihres Präsidenten und auch den Krieg in der Ukraine gut finden. Denn Putin will Russland wieder mächtiger machen. Die Beliebtheit Putins kommt auch daher, dass die Menschen Informationen bekommen, die nicht stimmen, zum Bei­spiel aus den Nachrichten. Journalistinnen und Journalisten dürfen nicht frei berichten.

Dein SPIEGEL: 14 Sport-Profis verraten ihre Tricks
Foto: Dein SPIEGEL

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Putin hat mit seinen Atomwaffen gedroht. Was sind das für Waffen? Und ist ihr Einsatz wirklich wahrscheinlich?

Diese Waffen haben eine sehr große Sprengkraft. Manche können eine ganze Stadt zerstören. Zudem verursacht die radioaktive Strahlung, die bei der Explosion freigesetzt wird, lang­fristige Schäden. Verstrahlte Menschen können an Blutkrebs erkranken, und der Erdboden wird verseucht. Nur zweimal in der Geschichte wurden Atombomben im Krieg eingesetzt. Die Zerstörung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wäh­rend des Zweiten Weltkriegs war so schlimm, dass es bislang nie wieder ein Land gewagt hat, Atomwaffen zu benutzen. Sie sind zur Abschreckung da. Putin will damit Angst verbreiten. Es ist – so sagen es viele Expertinnen und Experten – aber sehr unwahrscheinlich, dass er seine schweren Atomwaffen einsetzt, um Ziele in Europa oder in den USA anzugreifen. Putin müsste dann damit rechnen, dass auch sein Land im Gegenzug mit Atomwaffen beschossen wird. Das kann nicht in seinem Interesse sein.

Welche Strafen haben andere Länder gegen Russland verhängt?

In der Europäischen Union und den USA wurde Russland der Zugang zu Geld gesperrt. Auch die Bevölkerung innerhalb Russlands bekommt die wirtschaftlichen Strafen zu spüren. Das russische Geld hat stark an Wert verloren. Das bedeutet: Einkäufe sind teurer, und Ersparnisse schrumpfen. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Geschäfte in Russland geschlossen. In Supermärkten gibt es viele Dinge nicht mehr zu kaufen. Außerdem hat die Europäische Union eine Liste mit superreichen Russen, sogenannten Oligarchen, erstellt, die Putin nahestehen. Sie dürfen nicht mehr in die EU einreisen und haben derzeit keinen Zugriff mehr auf Teile ihres Vermögens.

So wie diese Fast-Food-Filiale bleiben viele Läden westlicher Unternehmen in Russland derzeit geschlossen

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Foto: Maxim Shipenkov / epa

Aber der Konflikt und die Strafen sind nicht nur für Russland problematisch: Russland ist einer der weltgrößten Lieferanten für Erdgas, das zum Heizen genutzt wird. Viele Länder, auch Deutschland, sind Käufer. Jetzt wird darüber beraten, wie es in Zukunft laufen soll, damit die Abhängigkeit von Russland weniger groß ist. Denn wer abhängig ist, ist auch erpressbar: Zwischenzeitlich forderte Putin, dass »sein« Gas nur noch in russischem Rubel bezahlt werden dürfe.

Die meisten Länder der Weltgemeinschaft sind dagegen, dass Putin gegen die Ukraine Krieg führt. Allein steht Putin aber nicht da. Als wichtigster Verbündeter Russlands gilt China.

Welche Folgen hat der Krieg für den Rest der Welt?

Bislang gibt es in Europa eine große Bereitschaft, Geflüchtete aus der Ukra­i­ne aufzunehmen. Aber natürlich ist es auch eine große Herausforderung, so viele Menschen dabei zu unterstützen, sich anderswo zurechtzufinden, eine neue Sprache zu erlernen und sich ein neues Leben aufzubauen. Was das bedeutet, wird sich langfristig zeigen.

Außerdem werden normalerweise aus Russland und aus der Ukraine sehr viel Öl, Gas, Weizen und Mais an andere Länder geliefert. Jetzt gibt es weniger davon zu kaufen, deshalb steigen die Preise. Und darunter leiden vor allem Menschen und Länder mit wenig Geld. Dadurch verschärft der Krieg in der Ukraine zum Beispiel die Hungerkrise anderswo. Besonders schlimm ist die Situation in afrikanischen Ländern wie Somalia. Dort herrscht Dürre, die Felder vertrocknen. Durch ausbleibende Nahrungsmittellieferungen werden die Menschen dort noch weniger zu essen haben, die Situation ist ganz schlimm.

Wegen einer möglichen Gasknappheit hat die deutsche Regierung die erste von drei Warnstufen des Gas-Notfallplans aktiviert. Es gibt nun ein Team, das die Lage beobachtet und überlegt, was man tun kann, falls aus Russland kein Gas mehr geliefert werden sollte. Das wäre ein großes Problem für die Wirtschaft, zum Beispiel für Autohersteller, die dann keine Autos mehr bauen könnten. Das wäre für die Firmen schlecht, aber auch für die Menschen, die dort angestellt sind: Viele von ihnen würden ihre Arbeit verlieren. Denn sollte es wirklich zu wenig Gas geben, wäre die Energieversorgung von Krankenhäusern und privaten Haushalten nicht mehr sichergestellt.

Wie geht es für die ­Menschen weiter, die ihre Heimat ­ver­lassen mussten?

Zehneinhalb Millionen ukrainische Menschen sind auf der Flucht. Die meisten von ihnen sind innerhalb des Landes geflohen, aber bereits vier Millionen Menschen haben die Ukra­ine verlassen. Die meisten sind nach Polen und in andere Nachbarländer ge­flohen. Wie viele Menschen aus der Ukraine nach Deutschland gekommen sind, weiß man nicht: Bisher wurden mehr als eine Viertelmillion Menschen gezählt. Aber da an den Grenzen nicht kontrolliert wird und sich nicht jeder sofort anmelden muss, sind es sicher mehr.

Am Berliner Hauptbahnhof kommen täglich Tausende Geflüchtete an, darunter auch viele Kinder

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Foto: Filip Singer / epa

Wer sich in Deutschland anmeldet, kann sich eine Arbeit suchen oder Sozialleistungen bekommen. Dann gibt es zum Beispiel Geld für Lebensmittel und eine Wohnung. Kinder dürfen in die Kita und zur Schule ­gehen. Und wer krank ist, kann einen Arzt aufsuchen.

Was kann ich tun?

Du kannst mit anderen gemeinsam Spenden sammeln, ihr könnt zu Demonstrationen gehen oder in der Familie überlegen, ob ihr Geflüchtete bei euch zu Hause aufnehmen wollt. Und es gibt noch etwas sehr Wichtiges, was du tun kannst: Wenn ein Kind aus der Ukraine in deine Klasse kommt, in eine Wohnung nebenan zieht oder im Park mitspielen möchte: Sei freundlich. Aber das versteht sich von selbst, oder?

Übrigens ist es keine gute Idee, sofort zu fragen, was jemand auf der Flucht erlebt hat. Lieber abwarten, ob jemand von selbst erzählt, und bis ­dahin über andere Sachen reden. Ihr spielt beide gern Fußball? Superthema. Falls das mit der Unterhaltung schwierig wird: Es gibt Apps, die übersetzen. Und etwas gemeinsam zu spielen geht auch ohne viele Worte.

Dieser Artikel erscheint in »Dein SPIEGEL« 05/2022 – ab dem 12. April am Kiosk erhältlich.

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