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Patrick Runte/ Dein SPIEGEL

Fynn Kliemann im Kinder-Interview "Ich kann gar nicht gut handwerkern"

Fynn Kliemann ist YouTuber, Musiker und selbst ernannter Heimwerkerking. Mit den Kinderreportern Neo, 9, und Nia, 13, sprach er über das Leben auf dem Land - und darüber, dass "Kann ich nicht" eine billige Ausrede ist.
Redaktionelle Begleitung: Claudia Beckschebe

Dein SPIEGEL: Warum wohnst du auf dem Land?

Fynn Kliemann: Ich bin in Zeven geboren und kam nie wirklich weg. Früher wollte ich nach Hamburg ziehen. Aber jetzt finde ich es hier besser. Man kann Moped fahren, Sachen in die Luft jagen und ist viel freier. In einer Stadt hat man Nachbarn, muss nachts ruhig sein. Ich möchte aber nachts laut sein und eine Motorsäge benutzen können. Im Kliemannsland geht das.

Dafür brauchst du einen ganzen Hof?

Klar! Ich bin hier ja auch nicht alleine. Das Kliemannsland ist ein Ort, wo es kreative Leute gibt, die viele Dinge können, wir helfen einander. Wir haben gut ausgestattete Werkstätten und jede Menge Zeug: Metall, Schrott, Holz. Dieser Ort lebt davon, dass Menschen zusammenkommen, die gute Ideen haben und Lust, sie umzusetzen. Oder auch schlechte Ideen – aber Bock!

Dein SPIEGEL: Auf der Flucht
Foto: Dein SPIEGEL

Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute: 100 Millionen, schätzt UNHCR. Fast die Hälfte dieser unfassbar großen Zahl an Menschen sind Kinder und Jugendliche. Warum ist das so? Und was erleben Mädchen und Jungen dabei? »Dein SPIEGEL« erklärt Fluchtursachen und lässt Kinder zu Wort kommen, die ihre Heimat verlassen haben. Das Heft mit der Titelgeschichte ist im Handel verfügbar, ausgewählte Texte gibt es online. Hier können Eltern die aktuelle Ausgabe online kaufen:

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Ist irgendetwas mal richtig schiefgegangen?

Hier geht fast alles schief! Das sieht man ja in unseren Videos: Es funktioniert nie auf Anhieb. Ständig geht was in die Hose, bricht zusammen oder fackelt ab. Aber dann bauen wir das eben um, bis es irgendwann funktioniert.

Hast du dich schon verletzt?

Mir passiert fast nie was, zum Glück. Beim Schweißen kokele ich mir manchmal ein bisschen Haut weg. Klar, das ist nicht cool, aber das ist auch nicht so schlimm.

Das Kliemannsland ist ein Hof mit Werkstätten, Wiesen, einem selbst angelegten Teich und viel Platz zum Bauen.

Das Kliemannsland ist ein Hof mit Werkstätten, Wiesen, einem selbst angelegten Teich und viel Platz zum Bauen.

Foto: Patrick Runte/ Dein SPIEGEL

Wie kommst du auf deine Ideen?

Meistens geht es um die Lösung eines Problems. Wir brauchen irgendwas. Dann wird nachgedacht. Wie kann man das machen, ohne viel Geld zu bezahlen? Ein Beispiel: Hier arbeiten viele Leute. Das ist anstrengend, da will man sich mal duschen. Deshalb bauen wir einen alten Stall um. Wir haben schon neue Dachfenster eingesetzt, Beton gegossen und angefangen, Duschen zu bauen. Keiner von uns weiß vorher, wie das geht. Wir machen viele Fehler, aber dabei lernt man, das macht Spaß.

Wie viele Ideen hast du pro Tag?

Zwischen einer und einer Million. Aber eine habe ich immer mindestens.

Warum kannst du so gut handwerkern?

Ich kann gar nicht gut handwerkern. Was ich mache, kann eigentlich jeder – ein Loch bohren oder was zusammenschweißen. Man muss es bloß tun. Die meisten Leute haben Schiss, mal was auszuprobieren, was kaputtzumachen oder schweres Werkzeug in die Hand zu nehmen. Ich eben nicht. Ich überschätze mich regelmäßig, und deswegen funktioniert das ganz gut.

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Was kannst du gar nicht?

Grundsätzlich kann ich alles, glaube ich. Das ist eine Lebenseinstellung. Es gibt nichts, was man nicht lernen kann. Sätze wie "Das ist nichts für mich" oder "Kann ich nicht" sind billige Ausreden. Es ist viel besser zu sagen: "Da setz ich mich jetzt dran, und dann verstehe ich das!"

Du machst so viele Sachen. Wann schläfst du?

Nachts, ein bisschen. Ich fange früh an und höre sehr spät auf. Aber ich finde das nicht schlimm. Dazwischen habe ich eigentlich nur Spaß.

Neo geht eigentlich in die 3. Klasse der Grundschule Sternschanze. Dass die Schule zurzeit ausfällt, findet Neo langweilig, ihm fehlen seine Klassenkameraden. Mittags verabredet er sich oft mit einem Freund zum Handydaddeln – natürlich getrennt voneinander zu Hause. Auch ihm fehlt das Fußballtraining. Neo kickt für den SC Sternschanze. Jetzt fällt das Training aus, deshalb dreht Neo auf dem Fahrrad Runden. Nia ist in der 7. Klasse der Stadtteilschule am Hafen. Sie sieht einen Vorteil im Lernen zu Hause: Man schafft mehr. Nia ist immer ziemlich schnell mit ihren Aufgaben fertig. Sie vermisst das Fußballtraining. Nia spielt für den FC St. Pauli, meist Innenverteidigung oder Mittelfeld. Jetzt trainiert sie daheim Kniebeugen, Liegestütze, geht laufen. Von der Langeweile lenkt sie sich außerdem mit Backen ab. Nia macht Torten und Kuchen.

Neo geht eigentlich in die 3. Klasse der Grundschule Sternschanze. Dass die Schule zurzeit ausfällt, findet Neo langweilig, ihm fehlen seine Klassenkameraden. Mittags verabredet er sich oft mit einem Freund zum Handydaddeln – natürlich getrennt voneinander zu Hause. Auch ihm fehlt das Fußballtraining. Neo kickt für den SC Sternschanze. Jetzt fällt das Training aus, deshalb dreht Neo auf dem Fahrrad Runden. Nia ist in der 7. Klasse der Stadtteilschule am Hafen. Sie sieht einen Vorteil im Lernen zu Hause: Man schafft mehr. Nia ist immer ziemlich schnell mit ihren Aufgaben fertig. Sie vermisst das Fußballtraining. Nia spielt für den FC St. Pauli, meist Innenverteidigung oder Mittelfeld. Jetzt trainiert sie daheim Kniebeugen, Liegestütze, geht laufen. Von der Langeweile lenkt sie sich außerdem mit Backen ab. Nia macht Torten und Kuchen.

Foto: Patrick Runte/ Dein SPIEGEL

Du hast schon zwei CDs aufgenommen. Hast du dir das auch selbst beigebracht?

Was aufnehmen kann jeder, macht ihr doch auch gerade mit eurem Aufnahmegerät. Aber klar, man muss da ein bisschen dran rumfrickeln, das mache ich nachts. Da sitze ich im Tonstudio. Ich mache schon mein ganzes Leben gern Musik. Es hat Jahre gedauert, bis ich gut geworden bin.

Warum gibt es deine CDs nicht im Laden zu kaufen?

Wenn eine Plattenfirma CDs produziert, werden diese CDs in alle Läden geliefert, und dann – kauft die keiner. Kann ja passieren. Die Läden wollen aber Geld verdienen, also reduzieren sie den Preis der CDs. Sie landen auf dem Grabbeltisch. Das finde ich schrecklich. Es geht ja um Musik. Da hat jemand Liebe reingesteckt. Wenn die CDs dann immer noch niemand kauft, werden sie einfach weggeschmissen. Das ist ein überholtes System.

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Wie kann man es besser machen?

Indem man nur so viele Exemplare von einer CD herstellt, wie gekauft werden. So habe ich es gemacht. Die Leute, die sich für meine Musik interessieren, konnten verbindlich vorbestellen. So wusste ich genau, wie viele CDs ich machen muss.

Dürfen eigentlich auch Kinder ins Kliemannsland kommen?

Hier wird die ganze Zeit geackert, da passiert auch mal was. Wenn ihr euch was absägen würdet beim Basteln, wäre das meine Schuld. Weil ich nicht aufgepasst habe, obwohl ihr minderjährig seid. Deshalb muss man mindestens 18 sein, wenn man hier werkeln will. Aber wenn wir Flohmarkt oder andere Veranstaltungen machen, könnt ihr alle gerne vorbeikommen.

Dieses Interview erschien in "Dein SPIEGEL" 06/2020.

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