Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Karl Lauterbach im Kinder-Interview »Wenn sich die Mutanten ausbreiten, haben wir eine neue Pandemie«

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist auch Wissenschaftler. Er weiß eine Menge über Viren und setzt sich für strenge Corona-Schutzmaßnahmen ein. Warum, darüber sprach er mit den »Dein SPIEGEL«-Kinderreportern.
Redaktionelle Begleitung: Claudia Beckschebe

Dein SPIEGEL: Sie sind einer der wenigen Politiker, die sich mit Viren auskennen. Hören Ihre Kollegen auf Sie?

Lauterbach: Ich bin Epidemiologe und kann mich über mangelnden Einfluss nicht beklagen. Aber das bedeutet auch: Ich muss mir immer absolut sicher sein, dass richtig ist, was ich sage. Ich muss gut recherchieren.

Dein SPIEGEL: Wenn Sie König von Deutschland wären – was liefe anders?

Lauterbach: Ich würde dafür sorgen, dass wir mehr Corona-Impfstoff hätten. Im Moment ist es noch zu wenig. Und wir haben nur drei Werke in Europa, die diese Impfstoffe herstellen.

Karl Lauterbach ist Politiker und sitzt für die Partei SPD im Bundestag. Er ist aber auch Mediziner und Epidemiologe. Das heißt, er kennt sich als Wissenschaftler sehr gut mit Viren und ihrer Verbreitung aus. Die Kinderreporter interviewten Herrn Lauterbach per Video-Chat.

Karl Lauterbach ist Politiker und sitzt für die Partei SPD im Bundestag. Er ist aber auch Mediziner und Epidemiologe. Das heißt, er kennt sich als Wissenschaftler sehr gut mit Viren und ihrer Verbreitung aus. Die Kinderreporter interviewten Herrn Lauterbach per Video-Chat.

Dein SPIEGEL: Eine zweite Infektionswelle war vorhersehbar. Weshalb stecken sich seit Oktober 2020 trotzdem so viele Menschen an?

Lauterbach: Leider haben zu viele die Gefahr der zweiten Welle unterschätzt – auch Wissenschaftler. Es ist Winter. Die Menschen verbringen mehr Zeit drinnen. Aerosole übertragen sich in Innenräumen leichter. Außerdem haben wir nicht schnell genug erkannt, wie entscheidend Schulen und Firmen für die Virus-Ausbreitung sind. Beides sind Orte, wo viele Leute zusammenkommen. Das hätten wir früher einschränken müssen.

Dein SPIEGEL: Wann ist Corona vorbei, Herr Drosten?
Foto: Dein SPIEGEL

Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin hat schon viele Interviews gegeben, aber das, was Bero und Jakob, beide neun Jahre alt, von ihm wissen wollten, wurde er wahrscheinlich so noch nicht gefragt. Die Kinderreporter wollten unter anderem erfahren, ob er das Coronavirus schön findet, wie Wissenschaftler streiten und was er tun würde, wenn er im Kampf gegen die Pandemie eine Sache allein entscheiden könnte. Das ganze Interview ist in der neuen Ausgabe des Kinder-Nachrichten-Magazins »Dein SPIEGEL« zu lesen, hier kann man das Heft online bestellen:

Bei Amazon bestellen 

Bei meine-zeitschrift.de bestellen 

Dein SPIEGEL: In den Bundesländern gelten unterschiedliche Regeln. Warum gibt es nicht einheitliche Verhaltensregeln für Deutschland?

Lauterbach: Das liegt an unserem politischen System, dem Föderalismus. Der sorgt dafür, dass die Bundesregierung bei einigen Themen nicht bestimmen, sondern nur Empfehlungen geben kann. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer entscheiden dann selbst, wie sie die Regeln bei sich im Land umsetzen. Es ist enttäuschend, wie zögerlich da manche sind.

Mit Maske im Bundestag: Kanzlerin Angela Merkel berät sich mit Karl Lauterbach.

Mit Maske im Bundestag: Kanzlerin Angela Merkel berät sich mit Karl Lauterbach.

Foto: Emmanuele Contini/ imago images

Dein SPIEGEL: Jetzt sind die Regeln noch mal verschärft worden. [Anmerkung der Redakion: Das Interview fand Ende Januar statt.] Wird das die Infektionszahlen deutlich senken?

Lauterbach: Die Infektionszahlen werden sinken. Ob wir sie genug senken können, um zu verhindern, dass die neuen gefährlichen Corona-Varianten sich hierzulande ausbreiten, werden die nächsten Wochen zeigen.

Dein SPIEGEL: Was macht die Virus-Mutante aus England so gefährlich?

Lauterbach: Sie ist viel ansteckender als die bisherige Corona-Variante. Hätte man zwei Schulklassen, von denen die 6a mit der bisherigen Variante und die 6b mit der englischen Mutante infiziert wäre, hätte die 6a einen Monat später eine weitere Klasse angesteckt. Die 6b aber hätte sechs bis acht weitere Schulklassen infiziert! Die Variante aus England ist fast wie ein anderes Virus zu sehen. Würde sie sich ausbreiten, hätten wir eine neue Pandemie.

Dein SPIEGEL: Und was weiß man über die südafrikanische Mutante?

Lauterbach: Studien haben gezeigt, dass genesene Menschen sich wahrscheinlich erneut mit der Variante anstecken können. Und es könnte sein, dass die Impfung schwächer wirkt. Das ist sehr besorgniserregend.

Gute Lernbedingungen in der Pandemie? Na ja. Nicht sehr viele Kinder haben einen so gut ausgestatteten Arbeitsplatz für sich allein daheim.

Gute Lernbedingungen in der Pandemie? Na ja. Nicht sehr viele Kinder haben einen so gut ausgestatteten Arbeitsplatz für sich allein daheim.

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Dein SPIEGEL: Was können die Schulen besser organisieren?

Lauterbach: Den digitalen Unterricht. Das Digitale beschränkt sich oft darauf, dass Kinder Aufgaben zu Hause ausdrucken, ausfüllen, Fotos davon hochladen und dem Lehrer schicken. Das ist kein richtiger Unterricht. Es müssen Lern-Plattformen für echten Unterricht genutzt werden. Die kann man auch nach der Pandemie verwenden, zum Beispiel für die Hausaufgaben-Betreuung.

Dein SPIEGEL: Was ist mit dem Wechselmodell?

Lauterbach: Im Moment sind wir in einer so akuten Phase der Pandemie, dass nur Schulschließungen richtig sind. Aber danach wäre das Wechselmodell sehr sinnvoll. Dann wäre nur die halbe Klasse jeweils in der Schule. Damit ließe sich die Zahl der Ansteckungen in der Schule um ungefähr zwei Drittel reduzieren, also sehr stark. Gab es das Wechselmodell an eurer Schule?

Dein SPIEGEL: Nein, noch nicht. Zwischen den Schließungen trugen wir Masken, hielten Abstand und haben alle 20 Minuten gelüftet.

Lauterbach: So gibt es leider nach wie vor ein hohes Infektionsrisiko. Haben sich bei euch in der Schule Kinder angesteckt?

Dein SPIEGEL: In der Parallelklasse. Das war nicht schön. Aber nur zu Hause zu lernen ist auch anstrengend. Was können wir tun, damit der Alltag so schnell wie möglich normal wird?

Lauterbach: Die Schutzregeln durchhalten. Ich glaube, dass es erst zum Sommer wieder wirklich gut wird. Jetzt werden wir noch ein paar schwere Monate haben.

Die Kinderreporter: Jesper und Anton, beide 12, leben in Frankfurt am Main und haben sich beim Handball kennengelernt. Das Training in ihrem Verein FTG findet zurzeit nicht statt. Aber die beiden wohnen nah beieinander und üben zu zweit draußen im Park oder auf dem Sportplatz. Eigentlich besuchen sie auch dieselbe Schule, lernen aber natürlich momentan zu Hause. Außer ihren Familien treffen sie nur einander.

Die Kinderreporter: Jesper und Anton, beide 12, leben in Frankfurt am Main und haben sich beim Handball kennengelernt. Das Training in ihrem Verein FTG findet zurzeit nicht statt. Aber die beiden wohnen nah beieinander und üben zu zweit draußen im Park oder auf dem Sportplatz. Eigentlich besuchen sie auch dieselbe Schule, lernen aber natürlich momentan zu Hause. Außer ihren Familien treffen sie nur einander.

Foto: DeinSPIEGEL

Dein SPIEGEL: Was ist mit den Leuten, die sich nicht an die Regeln halten, sogar Partys feiern? Werden die bestraft?

Lauterbach: Partys sind total rücksichtslos. Wer erwischt wird, wenn es eine richtig große Party ist, muss bis zu 25.000 Euro Strafe zahlen. Leider werden die allermeisten nicht erwischt. Das ist ungerecht gegenüber denen, die wollen, dass der Lockdown erfolgreich ist.

Dein SPIEGEL: Es gibt Leute, die Covid-19 für eine Erfindung oder für ungefährlich halten. Was denken Sie darüber?

Lauterbach: Manche wollen die Gefahr nicht wahrhaben, weil sie mit den Schutzmaßnahmen nicht einverstanden sind. Dabei wissen sie es eigentlich besser. Oder es sind Leute, die komplett verblendet sind, Verschwörungsmythen anhängen und sich gar nicht erst richtig informieren wollen. Die gute Nachricht ist: Die sind nicht in der Überzahl.

Dein SPIEGEL: Werden wir die Pandemie je los?

Lauterbach: Wir werden die Pandemie langfristig los, weil die Impfungen gegen die meisten Mutanten helfen werden. Es wird aber auch immer wieder neue Mutationen geben, dann muss man die Impfungen verändern. Zurzeit werden Verfahren entwickelt, womit man die Veränderungen der Impfstoffe beschleunigen kann. Dann braucht man für einen neuen Impfstoff nicht mehr ein Jahr, sondern nur etwa sechs Wochen.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 03/2021.

Dein SPIEGEL – Das Nachrichten-Magazin für Kinder
Foto: Dein SPIEGEL

Liebe Eltern,

Kinder wollen die Welt verstehen. Sie interessieren sich für Natur, Menschen und Technik. Sie stellen Fragen. Und sie geben sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Darum gibt der SPIEGEL für junge Leserinnen und Leser ab acht Jahren ein eigenes Nachrichtenmagazin heraus.

»Dein SPIEGEL« erscheint jeden Monat neu und bietet spannende, verständlich geschriebene Geschichten aus aller Welt, Interviews und News aus Politik und Gesellschaft. Für noch mehr Spaß sorgen Comics, Rätsel und kreative Ideen zum Mitmachen.

Informationen und Angebote