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Julia Steinigeweg / Dein SPIEGEL

SPD-Chef Lars Klingbeil Ihre Bildschirmzeit am Handy? »Tagesdurchschnitt 5 Stunden, 23 Minuten. Urrrgs!«

Immer erreichbar und mit Online-Hetze konfrontiert: Als SPD-Bundesvorsitzender hängt Lars Klingbeil viel am Smartphone. Wie er die Entlastungspakete der Bundesregierung bewertet – und warum Streit gut für die Demokratie ist.
Redaktionelle Begleitung: Claudia Beckschebe

Dein SPIEGEL: Was machen Sie als Parteivorsitzender?

Klingbeil: Ich mache den Job zusammen mit meiner Kollegin Saskia Esken. Wir sind zu zweit an der Spitze. Als Chefs kümmern wir uns zum Beispiel darum, im Fernsehen, im Radio und in der Zeitung zu sagen, was die SPD will und was die SPD denkt. Wir entwickeln neue Ideen für die Zukunft der Partei. Wir sind auch dafür zuständig, Parteiveranstaltungen in ganz Deutschland zu besuchen und dort mit unseren Mitgliedern zu sprechen.

Dein SPIEGEL: Sie haben schon ganz schön Karriere gemacht bei der SPD. Welcher Job kommt denn als Nächstes?

Klingbeil: Ich bin großer Fan vom FC Bayern München. Vielleicht werde ich ja mal Vereins-Chef? Im Ernst: Ich bin 44 Jahre alt und der jüngste Parteivorsitzende, den die SPD je hatte. Und darauf bin ich sehr stolz. Den Job will ich jetzt erst mal machen.

Dein SPIEGEL: Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?

Klingbeil: Um die 85 Stunden. Ich fange früh um 7 an, und abends geht es oft bis 22, 23 Uhr. Und ich arbeite meistens an sechs von sieben Tagen.

Dein SPIEGEL: Die Fußball-WM in Katar
Foto: Dein SPIEGEL

»Hast du mal daran gedacht, die WM zu boykottieren?« Das ist eine der Fragen, die zwei Kinderreporter von »Dein SPIEGEL« dem Fußballnationalspieler Leon Goretzka vor dem Turnierstart in Katar stellten. Goretzka sprach mit ihnen auch über die Chancen der Nationalelf und die zunehmende Belastung für die Spieler. Warum Katar die Weltmeisterschaft ausrichten darf, obwohl das Land die Menschenrechte verletzt, erklärt ein weiterer Text. Das Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk. Eltern können das Heft auch online kaufen:

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Dein SPIEGEL: Kennen Sie Ihre Bildschirmzeit am Handy?

Klingbeil: Ja, aber da gucke ich nicht so gern drauf. Ich hoffe immer, sie wird weniger, aber leider wird sie immer mehr.

Dein SPIEGEL: Was zeigt sie gerade an?

Klingbeil: Tagesdurchschnitt 5 Stunden, 23 Minuten. Urrrgs!

Dein SPIEGEL: Das ist viel...

Klingbeil: Stimmt. Wenn ich mal Urlaub mache, lege ich dieses Handy aber zur Seite. Ich habe ein zweites Handy, mit einer Nummer, die nur meine engsten Mitarbeitenden, der Bundeskanzler und meine Familie haben. Für sie will ich rund um die Uhr erreichbar sein.

Lars Klingbeil, 44, ist auch Abgeordneter. Im Parlament sagt er seine Meinung am Rednerpult.

Lars Klingbeil, 44, ist auch Abgeordneter. Im Parlament sagt er seine Meinung am Rednerpult.

Foto: Fotostand / Reuhl / picture alliance / dpa

Dein SPIEGEL: Bekommen Sie viel Hate?

Klingbeil: Online ist es mehr geworden, seit ich Parteichef bin. Auf der Straße kommt es selten vor, dass mich jemand anspricht und beschimpft. Ich hatte auch schon Drohbriefe in der Post. So etwas melde ich natürlich der Polizei.

Dein SPIEGEL: Als Bundespolitiker muss man ziemliche Opfer bringen. Lange Arbeitszeiten, Hass ertragen...

Klingbeil: So schlimm sehe ich das nicht. Natürlich muss man fleißig sein und sehr viel arbeiten – das weiß man aber auch, wenn man sich darauf einlässt. Und von den Bürgerinnen und Bürgern gibt es ja nicht nur Anfeindungen. Viele Menschen wollen gern ins Gespräch kommen und sich ehrlich über Politik austauschen. Das macht Spaß und passiert auch mal in meiner Freizeit. Man spricht mich an, wenn ich privat als Lars auf einem Konzert bin oder mit meiner Frau in einem Restaurant sitze. Daran musste ich mich erst gewöhnen.

Dein SPIEGEL: Worüber ärgern Sie sich als Politiker?

Klingbeil: Vor Kurzem kam heraus, wie AfD-Politiker sich darüber unterhalten haben, dass sie hoffen, die Energiekrise möge richtig dramatisch werden und dass möglichst viele Menschen darunter richtig leiden. Die rechten AfD-Leute wollen nicht das Beste für Deutschland, sondern das Gegenteil. Sie wollen das Land kaputt machen. Und sie hoffen, dass die unzufriedenen Bürgerinnen und Bürger dann künftig der AfD ihre Stimme geben. Darüber kann ich mich tagelang sehr aufregen.

Als Parteivorsitzender der SPD gehört es zu Klingbeils Job, sich mit den Vorsitzenden der anderen Regierungsparteien in politischen Fragen abzustimmen. Auf diesem Foto ist er mit Christian Lindner (FDP) und Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen) zu sehen. Die SPD, die FDP und Bündnis 90/Die Grünen regieren zusammen Deutschland.

Als Parteivorsitzender der SPD gehört es zu Klingbeils Job, sich mit den Vorsitzenden der anderen Regierungsparteien in politischen Fragen abzustimmen. Auf diesem Foto ist er mit Christian Lindner (FDP) und Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen) zu sehen. Die SPD, die FDP und Bündnis 90/Die Grünen regieren zusammen Deutschland.

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Dein SPIEGEL: Im vergangenen Jahr haben Sie geholfen, den Koalitionsvertrag zwischen den drei Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP abzuschließen. Welche Schulnote geben Sie der Bundesregierung in Bezug auf die gesetzten und die erreichten Ziele?

Klingbeil: Mit den gesetzten Zielen bin ich sehr zufrieden. Da vergebe ich eine Zwei plus. Aber kaum war die Regierung im Amt, kam die nächste Corona-Welle, dann der Ukraine-Krieg, jetzt die Energiekrise. Es mussten schwierige Entscheidungen getroffen werden, und es gab Probleme, die man überhaupt nicht voraussehen konnte. Für die bisher erreichten Ziele vergebe ich also eine Drei plus.

Dein SPIEGEL: Und wie läuft es mit der Zusammenarbeit? Mit wem streiten Sie?

Klingbeil: Ich hatte vor Kurzem eine Meinungsverschiedenheit mit Robert Habeck, dem Wirtschaftsminister. Aber wir haben uns vertragen. Streits gehören dazu in einer Demokratie.

Die Kinderreporter: Johann (links) und Balthazar, beide 13, kommen aus Berlin und sind schon seit der Kita befreundet. Beide spielen in ihrer Freizeit Cello – aber nicht zusammen, denn sie wohnen in unterschiedlichen Stadtteilen von Berlin. Balthazar besucht die 8. Klasse des Canisius-Kollegs in Berlin-Mitte. Johann geht in die 8. Klasse des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin-Schmargendorf. Beide Jungs lieben auch Fußball – genau wie Lars Klingbeil.

Die Kinderreporter: Johann (links) und Balthazar, beide 13, kommen aus Berlin und sind schon seit der Kita befreundet. Beide spielen in ihrer Freizeit Cello – aber nicht zusammen, denn sie wohnen in unterschiedlichen Stadtteilen von Berlin. Balthazar besucht die 8. Klasse des Canisius-Kollegs in Berlin-Mitte. Johann geht in die 8. Klasse des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin-Schmargendorf. Beide Jungs lieben auch Fußball – genau wie Lars Klingbeil.

Foto: Julia Steinigeweg / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: In den vergangenen Wochen sind viele Dinge teurer geworden. Essen zum Beispiel, Schulsachen, die Energiepreise steigen. Wie hilft die Politik, damit unsere Eltern das noch alles bezahlen können?

Klingbeil: Wir haben uns verschiedene Entlastungen überlegt. Im September gab es für jeden, der arbeitet, 300 Euro vom Staat, um die gestiegenen Energiepreise abfedern zu können. Wir tun auch etwas dafür, dass der Strompreis sinkt. Der Staat nimmt Geld von den Firmen, die hohe Gewinne mit dem teuren Strom gemacht haben, und gibt es an die Kundinnen und Kunden zurück. Das ist eine Art Umverteilung. Davon profitieren auch eure Eltern.

Dein SPIEGEL: Müssen wir Sorge haben, im Winter zu frieren, weil wir nicht genug Gas und Öl zum Heizen haben?

Klingbeil: Die Gasspeicher Deutschlands sind gut gefüllt. Und jeder kann mithelfen, zu Hause Energie zu sparen. Wir werden nicht frieren müssen.

Dein SPIEGEL: Können die von der Politik geplanten Entlastungen denn alles auffangen, oder wird es trotzdem ein schwieriger Winter?

Klingbeil: Wir werden nicht alles auffangen können. Die steigenden Preise werden erst mal bleiben. Leute, die viel Geld verdienen, können das verkraften. Wirklich schwierig sind steigende Preise für Menschen mit sehr geringem Einkommen und für Rentnerinnen und Rentner. Denen müssen wir helfen. Und das tun wir auch.

Dein SPIEGEL: Was passiert, wenn viele fürchten, sich das Leben nicht mehr leisten zu können?

Klingbeil: Es wird Menschen geben, die hart betroffen sein werden. Aber Deutschland ist ein starkes Land, hat viel Geld. Wir werden alles tun, damit niemand leidet. Es kann unsere Gesellschaft stark machen, wenn wir zusammenhalten, solidarisch sind und dabei auch das Land erneuern.

Dein SPIEGEL: Wie meinen Sie das?

Klingbeil: Ich meine zum Beispiel die Veränderung der Energieversorgung. Wenn wir nicht mehr abhängig sind von Russlands Gas, sondern komplett auf erneuerbare Energien setzen, also etwa auf Sonne und Wind, ist das auch besser fürs Klima. Und am Ende steht Deutschland sogar besser da, als es heute der Fall ist.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2022.

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