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Lebensmittelbetrug Das Geschäft mit dem gefälschten Honig

Honig gehört zu den Lebensmitteln, die weltweit am häufigsten gefälscht werden. Das ist ärgerlich für Leute, die Honigbrötchen mögen. Aber vor allem ist es schlecht für die Umwelt.
Von Paula Josefine Küppers

Auf Honiggläsern im Supermarkt sieht man blühende Wiesen, Wälder und natürlich Bienen. Wer Honig kauft, möchte genau das haben, was durch diese Bilder vermittelt wird: ein natürliches Produkt, das von Honigbienen hergestellt worden ist. Tatsächlich kann man sich jedoch nicht sicher sein, dass das immer der Fall ist bei dem goldenen Sirup, der im Supermarkt als Honig verkauft wird. Als Fachleute europäischen Honig untersuchten, stellten sie fest: Mindestens eine von zehn Proben war mit Zucker gestreckt.

In Deutschland mögen viele Menschen gerne Honig. Im Durchschnitt isst hier jede Person ein Kilogramm pro Jahr. Damit gehört Deutschland zu den Meistern im Honigfuttern, in nur wenigen Ländern wird mehr von dem süßen Stoff gegessen. Die in Deutschland heimischen Bienen schaffen es nicht, so viel Honig herzustellen. Eine Honigbiene produziert in ihrem Leben nur zwei Teelöffel voll – und es dauert, bis Honig entsteht. Vorher müssen Bienen den flüssigen Nektar aus Blüten sammeln, in den Bienenstock tragen, ihn dort immer wieder umtransportieren und durch Flügelschlagen trocknen. Ernten können Imker den Honig hierzulande in der Regel nur wenige Male im Jahr.

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Weil in Deutschland nicht genug Honig hergestellt wird, wird sehr viel importiert. Acht von zehn Honiggläsern in den Supermärkten stammen aus dem Ausland. Jedoch wird in einigen Ländern die Produktion nicht so genau kontrolliert. Zum Beispiel in China, dem größten Honigproduzenten der Welt, schleudern viele Firmen den Honig zu früh aus den Waben. Er ist dann noch ganz flüssig, deshalb wird von Fälschern billiger Zuckersirup, zum Beispiel aus Mais oder Rüben, hinzugefügt. So viel, bis das Gemisch die richtige Konsistenz hat. Die kriminellen Firmen verkaufen den Honig-Zuckersirup-Mix als echten Honig weiter. Damit machen sie große Gewinne, denn das Gemisch ist viel günstiger herzustellen als echter Honig.

Viele Importeure verzichten darauf, Honig aus China zu kaufen. Sie wollen vermeiden, dass ihnen die gepanschte Mischung untergeschoben wird. In den USA gibt es eine Steuer auf chinesischen Honig, die ihn dreimal so teuer macht. Doch manche Firmen wenden einen Trick an: Der Honig wird zuerst in ein anderes Land gebracht, zum Beispiel nach Malaysia oder Russland. Von dort wird er dann weiterverkauft. Auf den Etiketten steht dann als Ursprungsland nicht China, so wird die Steuer umgangen.

Firmen versuchen, sich gegen den Betrug zu wehren, indem sie den importierten Honig in Laboren testen lassen. Dort wird zum Beispiel untersucht, wie viel Blütenstaub im Honig ist und wie seine chemische Struktur aussieht. Die Betrüger entwickeln aber immer neue Strategien, um bei den Labortests nicht aufzufliegen. Sie fügen zum Beispiel Blütenstaub hinzu oder filtern den Honig, sodass keine auffälligen Bestandteile mehr darin sind. Es ist schwer, Fälschungen zu erkennen.

Zuckersirup statt Honig zu essen ist zwar nicht schlimm für die Gesundheit. Aber etwas unter falschem Namen zu verkaufen ist Betrug. Man darf nicht darüber täuschen, was in Lebensmitteln enthalten ist. Besonders Menschen mit Allergien sind darauf angewiesen, dass in Produkten das enthalten ist, was auf der Packung steht. Deshalb gibt es in Deutschland Gesetze, wie Lebensmittel beschriftet werden müssen. Was die Honigpanscher machen, verstößt dagegen.

Bis Honig entsteht, haben Bienen viel Arbeit: Der gesammelte Nektar wird im Bienenstock immer wieder geschluckt und ausgespuckt.

Bis Honig entsteht, haben Bienen viel Arbeit: Der gesammelte Nektar wird im Bienenstock immer wieder geschluckt und ausgespuckt.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Noch schlimmer sind die Folgen, die der Honigbetrug auf die Umwelt hat. Den gefälschten Mischhonig kann man im Supermarkt sehr günstig kaufen. Immer weniger Menschen greifen zum teuren, richtig produzierten Honig. Für viele Imker und Imkerinnen lohnt sich die aufwendige Bienenhaltung dadurch nicht mehr, sie verdienen zu wenig Geld. Das Problem ist, dass Honigbienen mittlerweile auf Menschen angewiesen sind. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie finden zu wenig Nahrung, weil immer mehr Flächen bebaut sind. Außerdem werden in der Landwirtschaft Mittel eingesetzt, die Bienen schaden können. Und auch die Veränderung des Klimas sorgt für Schwierigkeiten.

Für Wildbienen in der freien Natur ist es schwer geworden zu überleben. Um Honigbienen kümmern sich Imker und Imkerinnen, sie sorgen dafür, dass die Bienen genügend abwechslungsreiche Nahrung finden und nicht von Schädlingen heimgesucht werden. Gibt es weniger Imker, gibt es also auch weniger Honigbienen.

Dabei sind Wild- und Honigbienen für uns Menschen lebenswichtig. Ein großer Teil der Pflanzen für unsere Lebensmittel wächst nur, weil die Pflanzen von Bienen bestäubt werden. Dazu zählen zum Beispiel Äpfel, Erdbeeren, Kaffee und Raps, aus dem Margarine und Bratöl gemacht werden. Weil Menschen sich ohne die Arbeit der Bienen nur noch sehr einseitig ernähren könnten, gehören die Insekten in Deutschland neben Schweinen, Rindern und Geflügel zu den wichtigsten Nutztieren.

Deshalb ist es nötig, dem Bienensterben entgegenzuwirken. Wer genug Geld hat, kann im Supermarkt zum Beispiel darauf achten, woher der Honig stammt, und den teureren aus Deutschland kaufen. Am besten von Imkerinnen und Imkern aus der Region. So kann man sich sicher sein, dass im Honigglas ausschließlich Honig ist.

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 12/2022.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version wurde nicht zwischen Honigbienen und Wildbienen unterschieden. Außerdem stand dort, dass es vier Monate dauert, bis der Honig geerntet werden kann. Diese Angabe bezieht sich nur auf neu angelegte Bienenstöcke. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

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