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Lilly Stoephasius gibt Skateboard-Tipps »Im Wettbewerb habe ich 45 Sekunden, um abzuliefern«

In der aktuellen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« verraten 14 Sportprofis ihre Tricks. Hier erzählt Lilly Stoephasius, was sie beim Ballett fürs Skateboarden gelernt hat und wie Anfänger ihre Achsen einstellen sollten.
Protokoll: Marco Wedig

Schon bevor dieser ganze Mist mit dem Virus losging, hatten sich junge Menschen zu wenig bewegt. Doch die Pandemie machte es noch schlimmer: Kinder saßen zu Hause rum und starrten auf Bildschirme. Während des zweiten Lockdowns verbrachten sie so im Durchschnitt 222 Minuten pro Tag. Das Problem ist: Wer sich zu wenig bewegt, wird schneller krank und fühlt sich öfter mal unglücklich.

Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der neuen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier spricht die 14-jährige Skaterin Lilly Stoephasius. Im vergangenen Jahr trat sie für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio an.

»Meine Sportlehrerin hat mich mal gefragt, welchen Sport ich in der Freizeit mache. ›Ich fahre Skateboard‹, habe ich gesagt. Und sie hat mich komisch angeguckt. Skateboarden wird oft weniger als Sport, sondern mehr als ein Treffen von Kiffern und Trinkern angesehen. Ja, das gibt es auch. Aber es gibt eben auch den professionellen Sport. Ich hoffe, dass der mehr Wertschätzung bekommt. Dass Skateboarden jetzt olympisch ist, könnte dabei helfen.

Skateboarden sieht mühelos aus, kann aber sehr anstrengend sein. Wenn ich in einem Wettbewerb mitfahre, habe ich 45 Sekunden, um abzuliefern. Etwa alle zwei Sekunden mache ich einen Trick. Dazwischen pumpe ich viel. Das heißt, ich verlagere beim Fahren mein Gewicht, um Schwung zu holen. Das alles kostet Kraft. Nach den 45 Sekunden zittern meine Beine. Konzentration ist auch wichtig: Wenn eine Rolle deines Skateboards einen Zentimeter zu weit vorne ist, funktioniert der ganze Trick nicht. Du fällst hin. Und wenn du beim Fallen unkonzentriert bist, tust du dir womöglich auch noch weh.

Dein SPIEGEL: 33 Bastel- und Spieletipps
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Wenn man aber einmal gelernt hat, wie man sicher fällt, ist Skateboarden nicht besonders gefährlich. Es kommt zwar zu unkontrollierten Stürzen, aber die gibt es beim Fußball oder Basketball auch. Anfang des Jahres bin ich aufs Gesicht gestürzt. Dabei habe ich einen Schneidezahn verloren und musste am Mund genäht werden, aber nach einer Woche stand ich wieder auf dem Brett. Angst habe ich also nicht. Wenn du jung bist, hast du keine Sperre im Kopf wie ältere Menschen, die bei neuen Tricks öfter mal gehemmt sind.

Ich habe mit fünf Jahren mit dem Skaten angefangen. Davor habe ich Ballett gemacht. Die Körperkontrolle – zu wissen, welchen Muskel ich wie bedienen muss – hilft mir auch auf dem Brett. Auch das Pirouetten-Drehen, das ich vom Ballett kenne, hilft mir beim Skateboarden. So weiß ich in der Drehung meist, wo ich bin und wie schnell ich mich drehe. Das kommt mir zum Beispiel beim ›360‹ zugute. Bei dem Trick drehe ich mich in der Luft einmal um die eigene Achse. Was sonst noch hilft? Kniebeugen. Die macht der Coach der Nationalmannschaft oft mit uns, um die Beine zu trainieren.

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So funktioniert der »Ollie«

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Beim Einstellen der Skateboard-Achsen muss jeder selbst herausfinden, was für ihn gut ist. In meiner Disziplin hilft es, wenn sie etwas weicher sind, damit ich in der Bowl besser Kurven fahren kann. Für Anfänger sollten sie aber nicht zu weich eingestellt sein, sonst ist das Board zu wackelig.

Vor zwei oder drei Jahren gab es einen richtigen Skateboard-Boom, auch auf TikTok. Da kamen viele Neue in die Skate-Halle. Dort kann es am Anfang etwas einschüchternd sein. Ich hatte früher auch ein bisschen Angst vor den vielen Leuten, die zugucken. Aber Skateboarder sind sehr nette Menschen. Man denkt vielleicht, sie wären abweisend. Das stimmt aber nicht. Auf mich kommen oft Anfänger zu, die nach Tipps fragen. Ich helfe dann gerne. Bei den Wettkämpfen gibt es auch kein großes Konkurrenzdenken. Wir freuen uns füreinander, wenn jemand einen krassen Lauf gemacht hat. Und als bei Olympia die beste Skaterin dreimal gestürzt ist und es nur auf den vierten Platz schaffte, haben wir sie auf Händen hinausgetragen.

In den USA gibt es viel mehr und bessere Skateparks. Dort ist das Skaten auch schon total gleichberechtigt. Deutschland hinkt hinterher. Hier ist es immer noch eher ein Männer- und Jungssport, was ich gerne ändern würde.

Bisher hat es noch keine Frau geschafft, einen ›720‹ zu landen. Das wäre mein Traum. Bei dem Trick dreht man sich in der Luft zweimal um die eigene Achse. Ich bin schon ziemlich gut in solchen Drehungen. Aber bei diesem Trick geht es auch darum, sich zu trauen: Man braucht eine sehr hohe Rampe. Und man dreht sich über den Rücken, das heißt, man sieht nicht, wohin man rotiert.

Überfliegerin: Lilly Stoephasius macht einen ›Backside Air‹.

Überfliegerin: Lilly Stoephasius macht einen ›Backside Air‹.

Foto: Verena Brüning / Dein SPIEGEL

Mein Lieblingstrick ist der ›Backside Air‹. Man kann ihn in sehr vielen Varianten ausführen, und er sieht immer gut aus. Außerdem ist es einfach ein cooles Gefühl, zwei Meter hoch durch die Luft zu segeln.«

Dieses Protokoll erschien in »Dein SPIEGEL« 06/2022.

Was brauchst du, Lilly Stoephasius?

Zur Orientierung haben wir alle 14 für unsere Titelgeschichte interviewten Sport-Profis auch gefragt: Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie viel Kraft, Konzentration, Mut, Ausdauer und Kreativität brauchst du für deine Sportart? So hat Lilly Stoephasius geantwortet.

Foto: Illustration: Rahel Süßkind

Was brauchst du?

Kraft: 7

Konzentration: 10

Mut: 8

Ausdauer: 9

Kreativität: 10

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