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Marie Lang gibt Kickbox-Tipps »Ich wurde durch den Sport deutlich selbstbewusster«

Zwanzigmal wurde sie Weltmeisterin, heute Abend bestreitet sie ihren letzten Kampf. Kurz vor dem Karriereende erzählt Kickboxerin Marie Lang in »Dein SPIEGEL«, warum ihr Sport auch für Kinder geeignet ist.
Protokoll: Jonas Kraus

Schon bevor dieser ganze Mist mit dem Virus losging, hatten sich junge Menschen zu wenig bewegt. Doch die Pandemie machte es noch schlimmer: Kinder saßen zu Hause rum und starrten auf Bildschirme. Während des zweiten Lockdowns verbrachten sie so im Durchschnitt 222 Minuten pro Tag. Das Problem ist: Wer sich zu wenig bewegt, wird schneller krank und fühlt sich öfter mal unglücklich.

Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der Ausgabe 06/2022 von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier spricht die 20-malige Kickbox-Weltmeisterin Marie Lang, 35, die am 1. Juli 2022 das letzte Mal in den Ring steigt.

»Mit 16 Jahren bin ich mit einer Freundin zum ersten Mal zum Kickboxen gegangen. Alleine hätte ich mich das wohl nicht getraut, ich hatte damals überhaupt kein Selbstbewusstsein. Wir haben uns dann die Kampfschule angeschaut und waren überrascht. Es gibt ja immer das Vorurteil, dass in Kampfschulen nur brutale Schläger rumlaufen und die Zähne am Boden liegen. Aber das war überhaupt nicht so – und das ist auch heute nicht so. Wir wurden da sehr freundlich aufgenommen, alle waren supernett zu uns.

Dein SPIEGEL: 14 Sport-Profis verraten ihre Tricks
Foto: Dein SPIEGEL

Dreimal pro Woche sollten Kinder so richtig ins Schwitzen kommen, empfiehlt die WHO. Wer sich daran hält, fühlt sich besser, nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Aber Sport ist mehr als nur Fitness. Sport ist Teamwork, Wettbewerb, Horizonterweiterung. Und am Ende macht es auch einfach Spaß, einen neu erlernten Skateboardtrick das erste Mal zu stehen, einen perfekten Pass zu spielen oder die Gegnerin beim Judo auf die Matte zu schmeißen. Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der Ausgabe 06/2022 von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier kann man das Heft online bestellen:

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Anders als beim normalen Boxen darf man beim Kickboxen auch mit den Füßen zutreten. Aber die Tritte lernt man erst später. Zu Beginn geht es darum, die herkömmlichen Boxtechniken zu üben. Das Wichtigste dabei ist, immer die Deckung oben zu behalten, also die Hände vor dem Gesicht. Das schützt den Kopf vor den Schlägen des Gegners, ist aber gar nicht so einfach, weil die Arme nach ein paar Minuten ziemlich schwer werden. Dann lernt man einfache Schläge wie den ›Jab‹, also einen geraden Schlag mit der Führhand, das ist die schwächere Hand. Bei Rechtshändern also die linke.

Was brauchst du, Marie Lang?

Zur Orientierung haben wir alle 14 für unsere Titelgeschichte interviewten Sport-Profis auch gefragt: Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie viel Kraft, Konzentration, Mut, Ausdauer und Kreativität brauchst du für deine Sportart? So hat Marie Lang geantwortet.

Was brauchst du?

Kraft: 6

Konzentration: 10

Mut: 9

Ausdauer: 8

Kreativität: 7

Auch ganz wichtig: die Beinarbeit. Beim Kickboxen prügelt man nicht stumpf aufeinander ein, sondern man ist immer in Bewegung. Ein Schritt vor, einer zur Seite, einer zurück. Kickboxen ist wie Fangen spielen. Man versucht, den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Erst wenn man diese Grundlagen beherrscht, kommen die Tritte dazu. Das kann dann ganz schön fordernd werden für den Kopf, weil man immer an viele Sachen denken muss: ausweichen, schlagen, treten, Deckung oben behalten.

Man muss übrigens keine Angst haben, dass man nach jedem Training mit blauen Flecken oder einer gebrochenen Nase heimkommt. Alle Kämpfer tragen im Training eine Schutzausrüstung, und eine gute Kampfschule achtet darauf, dass man nicht gegen Gegner kämpft, die deutlich stärker sind. Außerdem üben wir viel ohne Gegner. Die Schritt-Schlag-Tritt-Folgen können wir auch vor dem Spiegel oder mit einem Boxsack trainieren. Das geht auch prima zu Hause! Mir hat Kickboxen das Leben enorm erleichtert. Ich wurde durch den Sport deutlich selbstbewusster. Auch weil ich weiß, dass ich mich jederzeit selbst verteidigen kann. Wir Kickboxer sind keine brutalen Schläger, die jemanden verprügeln wollen. Aber ich könnte mich heute wehren, wenn mich auf der Straße jemand angreifen würde.«

Dieses Protokoll erschien in »Dein SPIEGEL« 06/2022.

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