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Medienpädagoge über Gaming-Gefahren »Das hat etwas von Glücksspiel«

Kostenfallen, Suchtgefahr, fiese Kommentare – beim Gaming können viele Probleme entstehen. Der Medienpädagoge Daniel Heinz verrät, was Kinder dagegen tun können.
Ein Interview von Marco Wedig

Dein SPIEGEL: Free2Play ist eine sehr beliebte, aber auch oft kritisierte Game-Mechanik. Was hat es damit auf sich?

Heinz: Der Vorteil an Free2Play-Spielen ist, dass sie zunächst gratis spielbar sind. Aber mit der Zeit entstehen Kosten für bestimmte Gegenstände oder Outfits, die mal mehr, mal weniger hartnäckig im Spiel angepriesen werden. Problematisch sind solche Free2Play-Spiele immer dann, wenn irgendwann die anfangs häufig vorkommenden Erfolge immer weniger werden oder gar nicht mehr eintreten – es sei denn, man kauft zum Beispiel ein besonderes Schwert. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn man sich in einem Wettbewerb befindet, wenn diejenigen, die zahlen einen Vorteil gegenüber denjenigen haben, die nicht zahlen. Das nennt man dann Pay2Win.

Dein SPIEGEL

Welche Videospiele lohnen sich wirklich? In der neuen Ausgabe gibt »Dein SPIEGEL« 16 Empfehlungen. Außerdem: Woran erkenne ich ein gutes Game? Und wie entsteht eigentlich ein Computerspiel? All diese Fragen werden im Heft beantwortet. Die aktuelle Ausgabe ist im Zeitschriftenhandel erhältlich. Eltern können das Heft auch online bestellen:

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Dein SPIEGEL: Wie kann ich als Gamerin oder Gamer Kostenfallen vermeiden?

Heinz: Als Erstes muss man sich klarmachen, dass fünf Prozent der Spielerinnen und Spieler von Free2Play-Titeln die restlichen 95 Prozent mitbezahlen. Da muss man sich fragen, ob man zu diesen fünf Prozent gehören möchte. Zudem sollte man sich vor dem Installieren eines Spiels informieren: Kann ich dieses Game wirklich kostenfrei nutzen? Kann man in dem Spiel auch Erfolg haben, ohne dass man Geld investiert? Wie hoch ist der Vorteil, der durch In-Game-Käufe entsteht? Es hilft auch, In-Game-Käufe in den Handy-Einstellungen standardmäßig abzuschalten oder Zahlungsdaten auf der Konsole nicht zu hinterlegen. So schützt man sich vor dem eigenen Missgeschick. In unseren Spieletestergruppen hören wir immer wieder von Kindern, dass sie versehentlich In-App-Käufe getätigt haben. Das passiert vor allem dann, wenn Spiele schlecht designt sind.

So schützt du dich vor ungewollten In-App-Käufen

ab iOS 12: >Einstellungen >Bildschirmzeit >Beschränkungen >Beschränkungen aktivieren >Käufe im iTunes & App Store >In-App-Käufe >Nicht erlauben

bis iOS 11: >Einstellungen >Allgemein >Einschränkungen >Einschränkungen aktivieren >In-App-Käufe

im Google Play Store: >Einstellungen >Nutzersteuerung >Authentifizierung für Käufe erforderlich >Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät

Dein SPIEGEL: Ist eigentlich immer bekannt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, durch einen In-Game-Kauf beispielsweise ein bestimmtes Schwert zu bekommen?

Heinz: Überwiegend sind diese sogenannten Drop-Rates nicht bekannt. Das hat etwas von Glücksspiel. Und wir wissen ja alle, dass Glücksspiel süchtig machen kann. In vielen Games wird das Öffnen eines bestimmten Packs oder einer Lootbox zudem so inszeniert wie bei einem Glücksspielautomaten, zum Beispiel durch virtuelles Feuerwerk. Das kann den Reiz verstärken, noch mehr zu kaufen.

Dein SPIEGEL: Also sind bestimmte Spiele tatsächlich darauf angelegt, süchtig zu machen?

Heinz: Das will ich den Entwicklern nicht direkt unterstellen. Die wollen natürlich die Produktionskosten eines Spiels wieder einspielen. Bestenfalls wollen sie auch Gewinne erwirtschaften. Deswegen haben die Entwickler von Free2Play-Titeln ein Interesse daran, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche ihr Taschengeld in solchen Games versenken. Daher ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche aufeinander aufpassen. Wenn man sieht, dass ein Freund oder eine Freundin viel Geld verschleudert, sollte man ihn oder sie darauf ansprechen.

Dein SPIEGEL: Wie merke ich, wenn ich zu viel zocke?

Heinz: Zunächst mal ist es ganz normal, dass einen ein gutes Game fasziniert. Aber wenn über einen längeren Zeitraum die Schulnoten schlechter werden, die Freunde vernachlässigt und andere Hobbys verdrängt werden – dann sollte man sich Gedanken machen. Auch hier ist es wieder so, dass man betroffene Freundinnen und Freunde ansprechen sollte: »Hey, du hängst nur noch in ›Fortnite‹ ab, lass uns doch mal wieder was anderes machen.«

Dein SPIEGEL: Wie gehe ich mit beleidigenden oder anzüglichen Kommentaren um?

Heinz: Hier empfehle ich drei Schritte: Erstens sollte man die entsprechenden Kommentare sichern. Am besten macht man einen Screenshot. Zweitens kann man diesen dann dem Dienstbetreiber schicken, um die beleidigende Person zu melden. Drittens sollte man diese Person blockieren. Außerdem kann man durch Gegenrede klarmachen, dass man mit fiesen Kommentaren nicht einverstanden ist. Wir alle müssen uns für eine stressfreie Online-Umgebung einsetzen. Das bedeutet, dass man sich online gegenüber anderen freundlich verhält. Denn hinter jedem Avatar steckt ein Mensch.

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