Szene aus »Germany´s Next Topmodel«: Wer bestimmt eigentlich, was schön ist?
Szene aus »Germany´s Next Topmodel«: Wer bestimmt eigentlich, was schön ist?
Foto: Christoph Hardt / Geisler-Fotopress / picture alliance / dpa

Für Kinder erklärt Was ist eigentlich schön?

Makellose Haut, perfektes Lächeln, sportlicher Körper: Das gilt heutzutage als schön. Doch das war nicht immer so. Hier erklären wir, wie sich das Verständnis von Beauty im Laufe der Zeit gewandelt hat.
Von Antonia Bauer

Im Mittelalter zupften sich Frauen in Europa die Augenbrauen weg. In Japan färbte man sich die Zähne schwarz. Klingt seltsam und würde heute nicht mehr als schön gelten. Doch ist das wirklich befremdlicher als die Schönheitsideale, die wir kennen? In Korea kaufen Menschen sich teure Cremes, um ihre Haut aufzuhellen, in Deutschland Cremes, um ihre Haut gebräunter erscheinen zu lassen. Es gibt Operationen, die den Po vergrößern, und Trainingsprogramme, die versprechen, ihn zu verkleinern. Wer bestimmt eigentlich, was schön ist?

Dein SPIEGEL: Die Fußball-WM in Katar
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»Hast du mal daran gedacht, die WM zu boykottieren?« Das ist eine der Fragen, die zwei Kinderreporter von »Dein SPIEGEL« dem Fußballnationalspieler Leon Goretzka vor dem Turnierstart in Katar stellten. Goretzka sprach mit ihnen auch über die Chancen der Nationalelf und die zunehmende Belastung für die Spieler. Warum Katar die Weltmeisterschaft ausrichten darf, obwohl das Land die Menschenrechte verletzt, erklärt ein weiterer Text. Das Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk. Eltern können das Heft auch online kaufen:

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Zu allen Zeiten gab es Ideale vom perfekten Körper. In Gemälden und Skulpturen aus der jeweiligen Zeit kann man Hinweise darauf finden. Vor ungefähr 400 Jahren, zur Zeit des Barocks, galten füllige Körper als attraktiv. Die Künstler damals malten Männer und Frauen nicht schlank und sportlich, sondern mit Bauch und Rundungen. Das sollte zeigen: Die Menschen auf den Bildern können sich gutes Essen leisten und verfügen über einen gewissen Wohlstand.

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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

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Julian Kumar / Godong / picture alliance / dpa

Wenn man in die Geschichte eintaucht, fällt eine Sache auf: Es gilt immer das als Ideal, was man nicht so einfach haben kann. Ein fülliger Körper ist dann erstrebenswert, wenn in einer Gesellschaft viele Menschen Hunger leiden. Das kommt daher, dass man früher hauptsächlich vom Aussehen auf den Gesundheitszustand schließen musste: Bekommt der Mensch genug zu essen? Kann diese Frau Kinder bekommen und stillen? Ist der Mann stark und kann noch lange für die Familie da sein?

Heute ist das nicht mehr so einfach. Egal ob dick, dünn, mit vielen Muskeln oder schmal – ein gesunder Körper kann viele unterschiedliche Formen haben. Trotzdem blieb der Gedanke, dass Schönheit und Gesundheit miteinander verknüpft seien. Ein Beispiel: Aus jeder Werbung und allen Magazinen strahlt einen das gleiche Lächeln an: weiße, blitzblanke und gerade Zähne.

Dass nur ein Gebiss als schön gilt, das alle Zähne vorweisen kann, hat sich über lange Zeit durchgesetzt. Doch mittlerweile wurde das Ideal übertrieben, Zähne sollen auch strahlend weiß und perfekt geformt sein. Mit Gesundheit hat das nicht mehr viel zu tun, natürliche gesunde Zähne sind nicht leuchtend weiß und ganz gerade. Viele Menschen lassen sich ihr Gebiss aufhellen und begradigen. Es ist gerade so, als ob sich alle darauf geeinigt hätten, genau dieses und nur dieses Lächeln schön zu finden.

Das Wissen darüber, was schön ist, erwirbt man wie alle anderen Regeln der Gesellschaft auch. Sie werden durch Medien und das Umfeld – also Familie, Freunde, Bekannte – vermittelt: In der Werbung wollen alle schlank sein, makellose Haut ist erstrebenswert, Männer haben Muskeln und so weiter. Man schließt sich dem an, was die Masse mitträgt.

Doch wie sollen Kinder und junge Leute lernen, den eigenen Körper zu nehmen, wie er ist, wenn die Welt um sie herum nach unerreichbaren Idealen strebt? Die Drogerien stehen voller Anti-Pickel-, Anti-Spliss-, Anti-alles-Produkte. Eltern erzählen, sie würden nun Diät halten, haben zwei Wochen schlechte Laune und essen dann wieder Pizza, aber mit sichtlich schlechtem Gewissen statt mit Freude. In der Werbung ist beinahe jedes Foto nachbearbeitet, und Filter auf TikTok oder Instagram lassen das Gesicht symmetrisch und die Haut porenlos erscheinen.

In der Werbung und auf TikTok sieht man makellose Haut. Die ist jedoch meist nachbearbeitet. Rechts die ebenso schöne Wirklichkeit, die man leider seltener sieht.

In der Werbung und auf TikTok sieht man makellose Haut. Die ist jedoch meist nachbearbeitet. Rechts die ebenso schöne Wirklichkeit, die man leider seltener sieht.

Foto: Khosrork / iStockphoto / Getty Images

Diese Filter sind gefährlich. Sich mit volleren Lippen, neuer Augenfarbe und veränderter Gesichtsform zu sehen lässt möglicherweise das Gefühl zurück, das eigene echte Gesicht wäre nicht schön genug. Um dem Bild im Handy ähnlicher zu sehen, gehen manche Menschen sogar zum plastischen Chirurgen. Filter, die das Gesicht aussehen lassen wie nach einer Operation, sind nun zwar größtenteils verboten. Solche, die etwa die Haut makelloser erscheinen lassen, gibt es jedoch noch.

Dabei sind die meisten Schönheitsideale unrealistisch. Wespen haben Wespentaillen, Menschen nicht. Babys haben Babyhaut, Teenager nicht. Es gibt genauso viele unterschiedliche Nasen, Knie, Haarstrukturen und Augenbrauen, wie es Menschen gibt. Pickel sind normal. Dellige Haut auch.

Zu lernen, sich zu akzeptieren, wie man ist, braucht Übung. Körperliche Schönheit hat sehr viel damit zu tun, sich mit den Augen anderer zu sehen. Die wenigsten Menschen lernen, nicht nur ihre äußere Hülle wahrzunehmen, sondern auch all das, was sie zu bieten haben. Ihre Klugheit, ihren Humor, ihr »Harry Potter«-Spezialwissen oder ihre Fähigkeit, Freundschaften zu schließen. Man muss sich gar nicht schön finden. Es geht im Leben nicht darum, sich zu quälen, weil man nicht die Figur hat, von der die Medien einem sagen, dass man sie haben müsste. Es reicht schon, freundlich mit sich zu sprechen und nett zu sich selbst zu sein.

Dieser Text erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2022.

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