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Social-Media-Stars Lisa und Lena »Warum sind ausgerechnet wir berühmt geworden?«

Millionen Menschen folgen Lisa und Lena auf TikTok und Instagram. Mit den Kinderreporterinnen sprachen die Zwillinge darüber, wie sie mit 13 Jahren zu Stars wurden – und was sie nie posten würden.
Redaktionelle Begleitung: Antonia Bauer

Dein SPIEGEL: Ihr habt kürzlich eure erste TV-Sendung moderiert, »TickTack Zeitreise«. In welche Zeit würdest du gern reisen, Lena?

Lena: Ich würde gern in die Achtziger reisen und verrückte, bunte Klamotten anziehen.

Dein SPIEGEL: Und du, Lisa?

Lisa: Mich interessiert die Zeit, in der Jesus gelebt hat.

Dein SPIEGEL: Das sind ja sehr unterschiedliche Zeitreise-Ziele. Uns ist aufgefallen, dass ihr meist zusammen angesprochen werdet – als wärt ihr eine Person und hättet eine Meinung.

Lisa: Ich habe mich gefreut, dass ihr uns die Frage einzeln gestellt habt. Das passiert nicht oft, obwohl wir zwei Menschen mit eigenen Persönlichkeiten sind. Aber vielen fällt es schwer, das zu sehen. Wenn ich alleine auf der Straße erkannt werde, sind die Leute total verwirrt, dass es mich in einzeln gibt.

Lena: Es ist gar nicht lange her, dass wir auch privat oft verwechselt wurden, zum Beispiel in der Schule oder unter Bekannten. Das war für mich echt schwierig. Wenn ich Lisa genannt wurde, dachte ich: »Na toll, jetzt wissen sie nicht mal, wer ich bin.« Früher haben wir uns gleich gekleidet. Heute sieht man an Haaren und der Kleidung, wer wer ist.

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Dein SPIEGEL: Warum sind viele Menschen so fasziniert von Zwillingen?

Lisa: Wir hören ständig: »Ich wollte auch immer einen Zwilling haben!« Ich denke, durch die ganzen Zwillingsfilme ist eine Wunschvorstellung entstanden.

Lena: Man hat eine beste Freundin von Geburt an eingebaut. Das stimmt auch, es ist supercool. Wir können uns aber auch so fetzen, dass andere denken: »Die verstehen sich nie wieder.« Doch innerhalb von fünf Minuten ist alles wieder gut. Das verwirrt die Menschen um uns herum. Mit unseren anderen Geschwistern klären wir Meinungsverschiedenheiten, aber zwischen uns beiden ist es oft einfach wieder okay, ohne dass wir darüber reden – wir haben ein stilles Einverständnis.

Von TikTok zu TickTack: Lisa und Lena haben seit Beginn des Jahres eine eigene TV-Sendung. In »TickTack Zeitreise mit Lisa & Lena« (bei KIKA und SWR) gehen die beiden auf Reisen in die Vergangenheit, die Themen reichen von Fotografie über Gleichberechtigung bis hin zu Mode oder Schule.

Von TikTok zu TickTack: Lisa und Lena haben seit Beginn des Jahres eine eigene TV-Sendung. In »TickTack Zeitreise mit Lisa & Lena« (bei KIKA und SWR) gehen die beiden auf Reisen in die Vergangenheit, die Themen reichen von Fotografie über Gleichberechtigung bis hin zu Mode oder Schule.

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Dein SPIEGEL: Ihr habt mit 13 euer erstes Video gepostet, in dem ihr zu einem Song die Lippen bewegt. Ein nettes Video, aber eigentlich ist es gar nicht so außergewöhnlich – nur dass ihr euch extrem ähnlich seht. Was glaubt ihr, warum hatte es so einen großen Erfolg?

Lena: Wir haben keine Ahnung und fragen uns das auch – ich konnte nicht mal den Text zu dem Song! Das war auf Musical.ly, eine damals neue Plattform, die total angesagt war.

Lisa: Wir haben sie nur durch Zufall entdeckt, weil wir Amerikanern gefolgt sind, die dort Profile hatten. Wir stellen uns heute noch die Frage: Warum sind ausgerechnet wir berühmt geworden?

Dein SPIEGEL: Heute gehört ihr zu den größten deutschen Social-Media-Stars. Rund 17 Millionen Follower schauen eure Videos. Wie habt ihr mit damals 13 Jahren festgelegt, worüber ihr posten wollt?

Lisa: Als wir merkten, dass es richtig losgeht, haben wir uns mit unseren Eltern an einen Tisch gesetzt und Regeln überlegt. Wir haben ganz viel darüber geredet, ob wir diesen Weg überhaupt gehen wollen. Man gibt das private Leben ein Stück weit auf. Aber wir entscheiden sehr genau, was wir teilen und was nicht. Wir haben einmal ein Video mit unserer Schwester gepostet. Sie hat so viel Hate abbekommen, weil die Leute eifersüchtig waren, dass wir das Video gelöscht haben. Wir wollten alle nicht, dass sie mit reingezogen wird.

Dein SPIEGEL: Ihr habt darüber gesprochen, dass ihr adoptiert seid, aber haltet zum Beispiel eure Freundschaften und eure Familie geheim. Wie habt ihr eure Grenzen festgelegt?

Lena: Unsere Familie, unsere Freunde und unsere Beziehungen gehen keinen was an, unser Wohnort auch nicht. Außerdem achten wir auf die Lieder: Alles, was anzügliche Texte oder Schimpfwörter hat, benutzen wir nicht. Wir wollen auch nicht zu viel Haut zeigen. Ich denke, wir haben eine Vorbildfunktion für junge Mädchen, die uns folgen. Man darf nie vergessen: Alles, was man ins Internet stellt, bleibt dort. Selbst wenn ich ein Selfie in einer Story poste, werden 1000 Screenshots davon gemacht. Was postet ihr denn?

Kaitlyn: Ich habe ein privates Profil auf TikTok. Dort folgen mir nur Freunde. Ich mache manchmal Videos, aber achte darauf, nur Trends mitzumachen, bei denen ich mich nicht zeigen muss. Ich will nicht, dass mich jemand erkennt.

Neela: Ich habe Instagram und TikTok, ich poste aber nicht, sondern sehe mir nur die Sachen von anderen an. Ich nehme nur Follower-Anfragen an, wenn ich die Person auch im echten Leben kenne.

Lisa: Behaltet euch die Privatsphäre bei. Ich sehe auf TikTok manchmal Videos von jüngeren Kids, die zu Musik mit total krassen Texten tanzen. Wenn ich sehe, dass einige offenkundig gar nicht wissen, welche Texte sie eigentlich singen, finde ich das schlimm. Man weiß nicht, wer sich die Videos anschaut, und macht sich verletzlich.

Lena: Früher haben wir unseren Eltern die Videos immer gezeigt und wollten, dass sie sich das erst mal anschauen.

Dein SPIEGEL: Seid ihr mittlerweile abgehärtet gegenüber negativen Kommentaren?

Lena: Wenn mich jemand nicht gut findet, ist mir das egal. Hier rein, da raus. Den Leuten geht es meist nicht gut, deswegen beschimpfen sie andere. Da muss man eher Mitleid haben.

Dein SPIEGEL: Nach einiger Zeit habt ihr euch von TikTok verabschiedet und den Account gelöscht. Warum habt ihr das damals so entschieden?

Lisa: Damals wurde Musical.ly verkauft, es wurde zu TikTok. Wir hatten seinerzeit den weltweit größten Account und waren damit so was wie die Gesichter der App. Wir haben festgestellt, dass die App immer gefährlicher und sexueller wurde, damit waren wir nicht einverstanden. Wir wussten ja, dass auch Kinder wegen uns TikTok nutzen.

Dein SPIEGEL: Danach habt ihr den Account aber wieder geöffnet.

Lisa: Lena musste mich nach einem Jahr überreden zurückzukommen. Wir sind in Kontakt mit den Leuten von TikTok getreten und haben gefragt, was sich geändert hat. Vielleicht sind nicht alle Punkte so, wie wir sie uns wünschen würden, aber wir versuchen, dort einen Unterschied zu machen und zu zeigen, dass Social Media auch toll und positiv sein können.

Dein SPIEGEL: Worauf achtet ihr nun?

Lisa: Wir wollen Teenager unterstützen, ihre eigene Identität zu finden, und zeigen, dass man sich selbst akzeptieren sollte.

Dein SPIEGEL: Lisa, du hast dich voriges Jahr taufen lassen und das auch auf Instagram gezeigt. Was hat dir die Taufe bedeutet?

Lisa: Wir sind christlich aufgewachsen, und mir war wichtig, dass ich mich nicht nur taufen lasse, weil meine Eltern mir den Glauben mitgegeben haben, sondern weil ich es selbst entschieden habe. Die Taufe war krass und sehr schön. Nach dem letzten Jahr mit allen Hochs und Tiefs wusste ich: Ich bin bereit.

Dein SPIEGEL: Wie lebst du Religion im Alltag?

Lisa: Ich lese gern in der Bibel. Viele denken, es sei ein langweiliges Buch mit lauter Regeln. Aber darin gibt es viele Lebensweisheiten, so viel Cooles. Ich höre gern christliche Musik wie Worships und gehe in die Jugendgruppe.

Dein SPIEGEL: Wie war es, dass Lisa etwas getan hat, Lena – und du nicht?

Lena: Ich habe mich auch taufen lassen, aber nichts davon gepostet. Ich finde es cool, dass Lisa darüber redet, für mich ist es etwas Privates.

Dein SPIEGEL: Ihr habt die Schule eurer Karriere wegen nach der neunten Klasse beendet. Wie schwierig war es, sich danach selbstständig einen Arbeitsalltag zu organisieren?

Lisa: Manchmal braucht man jemanden, der sagt: »Hey Lisa, steh bitte auf, und mach deine Aufgaben.« Jetzt kümmern wir uns um vieles selbst. Das ist gar nicht so leicht. Ich glaube, Lena, für dich ist es jetzt auch noch schwieriger, weil du ausgezogen bist, oder?

Lena: Auf jeden Fall. Ich halte mich für einen bequemen Menschen: Habe ich die Möglichkeit, lange zu schlafen, mache ich das auch. Ich habe heute angefangen, eine To-do-Liste zu führen, um mich besser zu organisieren. Was wir machen, sieht vielleicht nicht immer danach aus, aber es steckt viel Arbeit dahinter.

Dein SPIEGEL: Wir sind 13 und 12 Jahre alt und seit einiger Zeit bei Instagram und TikTok angemeldet. Welche Ratschläge würdet ihr uns geben?

Lena: Macht keine Trends mit, die nicht zu euch passen. Passt wirklich, wirklich mit Fremden auf: mit wem ihr schreibt, was ihr von euch preisgebt. Glaubt nicht alles, was im Internet steht, vieles ist Fake. Informiert euch lieber richtig.

Lisa: Ich habe eine Screentime für mich eingerichtet. Überlegt mal, ihr wärt jeden Tag zwei Stunden auf Social Media. Wie viel Lebenszeit euch verloren ginge!

Lena: Social Media sind auch super: Man kann über seinen Tellerrand schauen, Sprachen lernen, Kulturen kennenlernen. Abonniert das, was euch guttut. Meine Startseite ist voll von Koch- und Nähvideos.

Lisa: Follower und Likes sind nicht alles. Lebensfreude entsteht aus anderen Dingen. Gerade wenn man jünger ist, hat man vielleicht den Wunsch, bekannt zu werden. Es ist toll, aber glücklich macht es nicht. Ihr seid auch jetzt schon cool, und viele Leute mögen euch.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 04/2022.

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