Foto: Michael Schwarz / ddp

Tierforschung Wie man Leoparden fängt

Ruben Portas erforscht Leoparden in Namibia. Der Nachwuchs-Farmer Henner hilft ihm dabei. Sie folgen den Spuren der Raubkatzen, stellen Fallen auf – und benötigen viel Geduld.
Von Annika Brohm

Die Leopardin ist in die Falle getappt. Es ist Samstagmorgen, Henner und Ruben fahren im Geländewagen durch den Busch. Die beiden wollen die Raubkatze untersuchen, mit einem GPS-Sender ausstatten und danach wieder freilassen. Der Weg führt über holprige Schotterpfade, vorbei an Dornbüschen und ein paar Springböcken. Am Rand eines trockenen Flussbetts halten Henner und Ruben an. Nicht weit von hier haben sie die Falle aufgestellt. Und tatsächlich: Man kann die Leopardin fauchen hören.

Henner lebt auf einer Farm in Namibia , rund 50 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Windhuk. Seine Familie bewirtschaftet eine Fläche von mehr als 16.000 Hektar. Es dauert eine Stunde, um von dem einen bis zum anderen Ende zu fahren. Hier leben viele Tiere, etwa Rinder, Pferde, Antilopen und Raubkatzen.

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»Wo Menschen und Wildtiere zusammenleben, entstehen oft Konflikte«, erklärt Ruben Portas vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Ljubljana. Seit fünf Jahren erforscht Ruben Leoparden auf Farmen in Namibia. Er will unter anderem herausfinden, wo sie sich aufhalten und anderen Tieren auflauern.

Leoparden erbeuten manchmal auch Nutztiere wie Kälber. Für Viehzüchter wie Henners Vater sind das große Verluste. Einige Farmer fangen die Leoparden deshalb – und erschießen sie. Aber Henners Familie möchte das nicht.

»Die Leoparden haben schon immer hier gelebt«, sagt Henner. »Das wollen wir nicht ändern.« Stattdessen wollen sie mithilfe von Forschenden wie Ruben mehr über die Raubkatzen erfahren. Denn wenn die Farmer wissen, wo die Leoparden ihr Revier haben, können sie ihre Rinder auf einem anderen Teil der Farm weiden lassen. Die Leoparden machen dann Jagd auf wilde Beutetiere, zum Beispiel Warzenschweine.

Am Rand des trockenen Flussbetts nähern sich Henner und Ruben langsam der Falle. Mit einem Gewehr betäubt der Forscher die Leopardin. Sie warten, bis die Narkose einsetzt. Dann tragen sie das Tier auf einen Behandlungstisch im Schatten des Geländewagens. Konzentriert vermessen sie die Großkatze. Knapp 35 Kilogramm Gewicht vermerkt Henner auf einem Zettel, Alter: etwa vier Jahre.

Dann legt Ruben der Leopardin ein GPS-Halsband um. So kann das Team die Raubkatze selbst aus der Ferne verfolgen. »Jeden Morgen prüfen wir die Daten und sehen, was die Leoparden gemacht haben«, erklärt Ruben. Linien auf einer digitalen Karte zeigen den Forschenden, wie sich die Raubkatzen bewegen. Wenn ein Leopard mit GPS-Halsband tagsüber lange an einem Punkt geblieben ist, heißt das meistens, dass er sich ausruht. Nachts kann es bedeuten, dass er einem Tier auflauert. Oder bereits Beute gemacht hat und frisst. »Mit diesem Wissen können wir den Viehhaltern und den Leoparden helfen«, sagt Ruben.

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Den Raubkatzen auf der Spur

Foto: InterMuc Project

Wenige Wochen später sind Henner und Ruben wieder unterwegs. Diesmal wollen sie alle sechs Fallen auf der Farm für den nächsten Fang vorbereiten. Ihre erste Station ist wieder ein Flussbett, nicht weit vom Farmhaus entfernt. Im Sand hat Henner schon oft Leoparden-Spuren entdeckt. »Hier muss ein Männchen unterwegs sein«, sagt er. Das erkennt er an der Größe der Pfotenabdrücke.

Es sei gar nicht so einfach, eine Raubkatze zu fangen, sagt Henner. »Leoparden sind schlau und werden schnell misstrauisch.« Damit es trotzdem gelingt, haben die Forschenden lange an den Fallen herumgetüftelt. Auf den ersten Blick sehen die Fallen aus wie einfache Gitterboxen. Dahinter steckt aber eine ausgefeilte Konstruktion. Lichtschranken und Kameras reagieren sofort bei auffälligen Bewegungen.

Die Sensoren befestigt das Team auf Schulterhöhe eines ausgewachsenen Leoparden. »So verhindern wir, dass wir andere oder zu junge Tiere fangen«, sagt Ruben. Wenn alles auf einen Leoparden hindeutet, schließen sich die seitlichen Gitter. Kurz darauf schickt ein Mini-Computer eine SMS an die Forschenden: Hier sitzt etwas in der Falle, bitte überprüfen.

Die Technik funktioniert – jetzt fehlen nur noch die Köder. Henner nimmt ein paar alte Fleischstücke in die Hand. Langsam lässt er sie über den Sand schleifen, von der Falle bis zur nächsten Wasserstelle. Ein fauliger Geruch breitet sich aus. Hinter der Falle legt Ruben zusätzlich Knochen aus. Dann bedecken sie die Falle mit trockenen Gräsern und Büschen, bis sie kaum noch auffällt.

Am Ende eines langen Tages haben Henner und Ruben alle Fallen vorbereitet. Nun müssen sie warten. Auf der Farm gibt es für Henner aber immer etwas zu tun. Zum Beispiel Rinder füttern, Quadbike fahren oder ausreiten. Ein besseres Leben kann er sich nicht vorstellen. Für Henner kommt nur ein Beruf infrage: »Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich Farmer werden, wie mein Vater«, sagt er, »und natürlich mit Forschern arbeiten.«

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2021.

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