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Toni Kroos gibt Fußball-Tipps »Ein Pass ist eine technische Ausführung, kein großes Geheimnis«

In der aktuellen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« verraten 14 Sportprofis ihre Tricks. Hier erzählt Toni Kroos, welche Lektion ihm in der Jugend am meisten geholfen hat und warum ausreichend Schlaf so wichtig ist.
Ein Interview von Marco Wedig

Schon bevor dieser ganze Mist mit dem Virus losging, hatten sich junge Menschen zu wenig bewegt. Doch die Pandemie machte es noch schlimmer: Kinder saßen zu Hause rum und starrten auf Bildschirme. Während des zweiten Lockdowns verbrachten sie so im Durchschnitt 222 Minuten pro Tag. Das Problem ist: Wer sich zu wenig bewegt, wird schneller krank und fühlt sich öfter mal unglücklich.

Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der neuen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier spricht Toni Kroos, 32, einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten. Mit Real Madrid steht er am Samstag im Finale der Champions League.

Dein SPIEGEL: In der Jugend wurdest du viele Jahre von deinem Vater Roland trainiert. Was war die wichtigste Lektion, die er dir mitgegeben hat?

Kroos: Dass man mit viel Training und ständigem Wiederholen bestimmte Techniken perfektionieren kann, die Ballannahme zum Beispiel. Die habe ich viele Tausend Mal geübt. Das war auch mal zäh und hat genervt. Aber ich profitiere noch heute davon. Die Ballannahme beherrsche ich so gut, dass ich mich nicht mehr darauf konzentrieren muss. So bin ich im Kopf etwas freier. Während ich den Ball annehme, kann ich schon schauen, was um mich herum passiert, wo die nächste Anspiel-Station ist. Der Fußball ist so schnell, dass jeder kleine Zeitvorteil von großer Bedeutung ist.

Dein SPIEGEL: Mit 17 wurdest du von der Bayern-Jugend zu den Profis hochgezogen. Plötzlich saßest du mit Oliver Kahn in der Kabine – ganz schön einschüchternd. Wie findet man sich in einer neuen Mannschaft zurecht?

Kroos: Natürlich solltest du nicht erwarten, dass jetzt alle nach deiner Pfeife tanzen. Versuch, dich in die Gruppe einzugliedern. Das heißt nicht, dass du mit allen befreundet sein musst. Es ist ganz normal, dass man mit dem einen gut und mit dem anderen weniger gut zurechtkommt. Man sollte sich auch nicht verstellen. Sei du selbst. Wichtig ist, dass man die Sachen, die man kann, dem Team zur Verfügung stellt. Am Ende geht es nicht darum, allein zu glänzen, sondern als Mannschaft erfolgreich zu sein. Wenn du dich reinhängst, wirst du schnell akzeptiert und respektiert.

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Dein SPIEGEL: Du bist ein begnadeter Pass-Spieler. Was ist das Geheimnis eines perfekten Passes?

Kroos: Ein Pass ist eine technische Ausführung, kein großes Geheimnis. Ein normaler Innenseitpass hat wenig Effet, ein Vollspannpass mit Unterschnitt hat einen Rückdrall. Und ein Pass mit dem Außen- oder Innenrist gibt dem Ball einen seitlichen Drall. All diese Varianten erfordern unterschiedliche Fußhaltungen, Technik also. Und die kann man immer trainieren. Da sind wir wieder beim ersten Punkt: wiederholen, wiederholen, wiederholen. Natürlich kommt es auch auf die Schärfe an, mit der man den Pass spielt. Ist er zu leicht gespielt, kann ein Gegenspieler dazwischenkommen. Ist er zu fest gespielt, kann der Mitspieler den Ball nicht kontrollieren. Auch das lässt sich trainieren. Mit der Zeit entwickelt man dann ein Gefühl dafür, welcher Pass in welcher Situation der richtige ist.

Dein SPIEGEL: Wie schafft man es, gegen schnellere Gegenspieler zu bestehen?

Kroos: Im zentralen Mittelfeld, wo ich spiele, sind nicht so viele Sprints gefragt wie zum Beispiel als Außenverteidiger. Auf meiner Position gibt es dafür meist nicht den Raum. Bei mir geht es eher darum, schnell im Kopf zu sein. Sollte ich trotzdem mal in die Situation kommen, dass ein schnellerer Spieler mit dem Ball auf mich zuläuft, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Ich versuche, dem Laufduell aus dem Weg zu gehen. Dafür stelle ich mich ganz tief, sodass der Gegner möglichst wenig Platz in meinem Rücken hat. Zweitens: Ich versuche herauszubekommen, wohin der Gegner läuft oder passt, sodass ich durch ein gutes Stellungsspiel schneller dort sein kann.

Was brauchst du, Toni Kroos?

Zur Orientierung haben wir alle 14 für unsere Titelgeschichte interviewten Sport-Profis auch gefragt: Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie viel Kraft, Konzentration, Mut, Ausdauer und Kreativität brauchst du für deine Sportart? So hat Toni Kroos geantwortet.

Illustration: Rahel Süßkind

Was brauchst du?

Kraft: 7

Konzentration: 7

Mut: 8

Ausdauer: 7

Kreativität: 8

Dein SPIEGEL: Du hast voriges Jahr die »Toni Kroos Academy« gegründet. Was ist die Idee dahinter?

Kroos: Ich will Kindern auf der ganzen Welt die Möglichkeit geben, mit mir zu trainieren. Die Erfahrungen, die ich in meiner Karriere gemacht habe, will ich an sie weitergeben. Die Kinder brauchen dafür nur einen Ball und ein Handy. Denn die Trainingsübungen und Erfahrungsberichte sind alle in einer App zu finden. Ich suche die Übungen selbst raus, schreibe die ganzen Kapitel und stelle passende Spielszenen dazu.

Dein SPIEGEL: Und wer all die Übungen gemacht hat, ist reif für Real Madrid?

Kroos: Nein, das ist nicht das Versprechen. Alle kriegen die Chance, auf ihrem Niveau den nächsten Schritt zu machen.

In seiner App »Toni Kroos Academy« zeigt der Fußballprofi verschiedene Übungen, etwa um die Ballannahme zu verbessern.

In seiner App »Toni Kroos Academy« zeigt der Fußballprofi verschiedene Übungen, etwa um die Ballannahme zu verbessern.

Foto: Toni Kroos Academy

Dein SPIEGEL: In einem Video, das in der App zu finden ist, redest du vom Schlafen. Was hat das mit Spitzensport zu tun?

Kroos: Schlaf ist unfassbar wichtig für die Erholung. Es gibt zwar alle möglichen Hilfsmittel, die dazu beitragen können – Protein-Shakes, Eisbäder und so weiter. Aber die beste Erholung ist immer noch: ausreichend Schlaf. Wenn man viel trainiert hat oder wenn am nächsten Tag ein Spiel ansteht, ist es einfach nicht gut, noch bis 4 Uhr morgens Playstation zu spielen.

Dein SPIEGEL: Noch ein letzter Rat für junge Fußballspielerinnen und -spieler?

Kroos: Es muss immer so bleiben, dass du morgens aufstehst und dich auf den Fußball freust. Wenn diese Lust irgendwann nicht mehr da ist, ist es kein gutes Zeichen. Bei jedem Spiel oder Training solltest du dich fragen: Warum habe ich angefangen, Fußball zu spielen? Weil mir das Spiel unfassbar viel Spaß macht. Da hast du noch nicht dran gedacht, dass du dem Trainer gefallen oder irgendwelche Titel gewinnen musst. Natürlich ist es gut, wenn irgendwann der Ehrgeiz dazukommt, die Spiele zu gewinnen. Aber die Lust am Spiel ist nicht zu ersetzen. Ich bin überzeugt davon, dass du nur dann eine gute Leistung abrufen kannst, wenn du Spaß daran hast.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 06/2022.

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