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Kinder erzählen Wie haben sich Freundschaften durch Corona verändert?

Freunde machen das Leben schöner – aber wie bleibt man in Kontakt und gut befreundet, wenn man sich lange Zeit gar nicht oder kaum treffen kann? Wir haben fünf Kinder gefragt.

Johannes, 13, aus Neckargemünd

Gute Freunde sind immer für einen da, besonders wenn man traurig ist. Und wenn man etwas unternehmen will, aber das ging ja in den ersten Corona-Monaten nicht. Also haben wir viel online gespielt, meistens "Minecraft", jeder für sich zu Hause, zu dritt oder zu viert. Dazu haben wir parallel telefoniert. So konnten wir wenigstens Kontakt halten. Manchmal haben wir uns auch getroffen, aber immer mit Abstand. Das war erst schwierig, wir wussten gar nicht, wie das gehen soll. Beim Fußballspielen zum Beispiel haben wir nur noch Freistöße und Elfmeter-Schießen gemacht, damit wir uns nicht berühren. Ich finde es blöd, dass wir uns vor den Ferien nicht näherkommen konnten. Wir hatten gar nicht mehr so viel Spaß, das nervte.

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Mia, 11, aus Ismaning

Eine Freundin muss irre lustig sein, damit wir rumalbern können. Sie soll Geheimnisse für sich behalten und da sein, wenn man Rat braucht. Manchmal verstehen Freunde und Freundinnen einen besser als die eigenen Eltern. Es ist blöd und sehr seltsam, wenn man sich nicht treffen darf. Wir hatten eine Telefongruppe und haben uns verabredet, um uns wenigstens per Video zu sehen. Dass wir nichts unternehmen konnten, hat mich sehr gestört. Dafür hat meine Cousine jeden Tag angerufen, und inzwischen sind wir viel dicker befreundet als vorher.

Was sich auch verändert hat, ist, dass ich mich mehr mit meiner kleinen Schwester Louisa beschäftigt habe. Sie ist erst sieben. Wir haben uns weniger gestritten und überhaupt mehr mit der Familie gemacht, sind spazieren gegangen, haben Spiele gespielt. Es war sehr schön, mehr Zeit miteinander zu verbringen.

Mila, 13, aus Zürich in der Schweiz

Guten Freunden kann man alles sagen. Nichts ist peinlich, weil man sich vertraut. Für mich war es ziemlich schwer, sich wegen Corona nicht treffen zu können. Wir haben viel über WhatsApp geschrieben und telefoniert. Am Telefon kann man wenigstens die Stimme hören und unmittelbar reagieren, aber es ist trotzdem nicht dasselbe. Meine Freundschaften haben aber trotzdem alle gehalten. Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten, da machen ein paar Wochen nichts aus. Im Gegenteil, wenn man sich wiedersieht, freut man sich umso mehr. Vielleicht sind wir sogar noch enger zusammengerückt. Man merkt einfach, wie wichtig einem die anderen sind.

Lucy, 11, aus Kaiserslautern

Freunde und Freundinnen sollten hilfsbereit sein und Humor haben, damit man Spaß miteinander hat. Aber sie sollten einen niemals auslachen! In den ersten Corona-Wochen habe ich meine Freundinnen sehr vermisst. Inzwischen kann ich wenigstens eine Freundin auch wieder richtig treffen. Wenn wir zu mehreren unterwegs sind, fahren wir Fahrrad. Manche Freunde waren nicht mehr so aktiv, weil sie immer drinnen bleiben mussten. Besonders die Jungs, die spielten dauernd Videospiele. Eine Freundin kann ich seit Corona erst mal gar nicht mehr treffen, weil die Eltern sich zerstritten und getrennt haben. Sie sind weggezogen. Die Corona-Zeit war einfach zu stressig für sie.

Juri, 12, aus Berlin

Freundschaft heißt, sich zu vertrauen und gegenseitig zu helfen. Wenn man Streit hat, hält ein guter Freund trotzdem zu einem. Ein Freund ist jemand, auf den man zählen kann. Er ist auf deiner Seite und unterstützt dich. Auch wenn wir uns wegen Corona lange nicht treffen konnten, habe ich das Gefühl, dass wir noch näher zusammengerückt sind.

Als wir uns nicht treffen konnten, haben wir jeden Tag gechattet und abends Video-Anrufe gemacht. Aber es war nicht dasselbe. Wenn man sich nicht sieht, lacht man weniger. Es ist anstrengender und langweiliger. Dann gibt es lange Pausen, und irgendwann verabschiedet man sich. Die Langeweile fand ich am schlimmsten. Das ist jetzt endlich vorbei. Inzwischen können wir wieder baden und im Park rumhängen. Ich bin echt froh.

Diese Protokolle erschienen in "Dein SPIEGEL" 09/2020.

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