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Handball-Profi Uwe Gensheimer "Ich würde gern noch einen großen Titel gewinnen"

Uwe Gensheimer ist Kapitän der Handballnationalmannschaft. Vor der EM erklärt er Dein-SPIEGEL-Kinderreportern, welche Übungen er nicht mag, wie seine Achillessehne geflickt wurde und wann er Babyöl für die Hände braucht.
Redaktionelle Begleitung: Marco Wedig

Dein SPIEGEL: Wie bist du zum Handball gekommen?

Uwe Gensheimer: Als ich fünf Jahre alt war, haben mich andere Kids zum Handball mitgenommen. Ich bin dann dabeigeblieben. Zu Hause durfte ich früher allerdings nicht in der Wohnung mit dem Ball spielen. Also habe ich Socken zusammengesteckt und sie mit meinem Kumpel auf den Wäscheständer geworfen, das war dann unser Tor.

Du hast zuletzt drei Jahre in Paris gespielt. Sprichst du jetzt perfekt Französisch?

Nicht perfekt, aber ich komme sehr gut klar. Die Vier, die ich nach der 11. Klasse auf dem Zeugnis hatte, habe ich aufgebessert.

Was ist dein Ziel für die EM?

Im vergangenen Januar waren wir bei der Weltmeisterschaft im Halb­finale. Es hat richtig viel Spaß gemacht, das Turnier in Deutschland zu spielen. Da wollen wir noch ­einen draufsetzen und ein bisschen besser werden. Aber der Konkurrenzkampf ist schon sehr groß. Beim Handball können in den letzten Minuten Kleinigkeiten das Spiel entscheiden. Und so wird es bei der EM wohl auch wieder sein.

Bei der WM 2019 drehte Uwe Gensheimer richtig auf. Er warf 56 Tore und war einer der besten Spieler des Turniers. Doch für den WM-Titel reichte es nicht.

Bei der WM 2019 drehte Uwe Gensheimer richtig auf. Er warf 56 Tore und war einer der besten Spieler des Turniers. Doch für den WM-Titel reichte es nicht.

Foto: Soeren Stache/ dpa

Was war dein schönstes Erlebnis mit der Nationalmannschaft?

Die Olympischen Spiele in Rio. Als ich bei der Eröffnungsfeier ins Stadion eingelaufen bin und alle Flaggen der Welt dort hängen sah, dachte ich: Wow, jetzt bin ich Teil des größten Sport-Events der Welt, das in alle Länder übertragen wird. Und dann konnten wir dort auch noch die Bronze-Medaille ­holen. Das war schon was ganz ­Besonderes.

Welche Übung im Training magst du gar nicht?

Lauftraining.

Uwe zeigte Bele und Silas seine Wurftechnik.

Uwe zeigte Bele und Silas seine Wurftechnik.

Foto: Martin Pötter/ SchreiberPötter

Viele Handballer schmieren sich Harz auf die Hände, damit der Ball besser haftet. Kannst du überhaupt noch ohne "Backe" spielen?

Ja, aber nicht so gut. Wenn du jeden Tag mit Harz trainierst, dann eignest du dir eine bestimmte Wurfbewegung an. Wenn ich jetzt ohne Harz aufs Tor werfen würde, würde der Ball wahrscheinlich drübergehen.

Was ist dein Rezept zum Entfernen des Harzes von Hand und Ball?

Babyöl für die Hände, die Bälle müssen die Jugendspieler sauber machen.

Du warst schon mehrmals schwer verletzt. Merkst du heute noch was von den Verletzungen?

Das Übelste war ein Achillessehnen-Riss am linken Fuß. Davon merke ich zum Glück nichts mehr. Wenn ihr hier anfasst, spürt ihr, wie sehr die Sehne verstärkt wurde. Die Ärzte haben eine andere Sehne genommen und die um die verletzte Sehne herumgewickelt. Ansonsten sind meine Sprunggelenke wegen verschie­dener Bänderrisse ziemlich mitgenommen. Das ist im Alltag manchmal schon blöd. Letztens bin ich im Urlaub umgeknickt, weil da eine kleine Unebenheit im Boden war. Da ist mir glatt der Kinderwagen, den ich geschoben habe, umgekippt. Zum Glück ist nichts passiert.

Hast du vor einem Spiel manchmal Angst, dich zu verletzen?

Es wäre der falsche Weg, wenn ich jetzt mit angezogener Handbremse spielen würde. Ich weiß, dass Verletzungen zu unserem Sport dazugehören. Aber Angst habe ich nicht.

Wie weit würdest du gehen, ein wichtiges Spiel zu Ende zu bringen, obwohl du starke Schmerzen hast oder sogar verletzt bist?

Wir trainieren unser ganzes Leben lang, damit wir was erreichen, deswegen ­gehen wir schon sehr weit. Wir über­treiben es aber nicht. Doping ist in ­unserem Sport nicht vorherrschend. Dazu ist unser Sport zu vielschichtig. Ein körperlicher Vorteil bringt dich im Spiel nicht viel weiter. Wichtiger ist es, im Kopf schnell Entscheidungen zu treffen.

Was verdienst du eigentlich?

Also … wir verdienen schon so viel, dass wir sehr gut davon leben und ein bisschen was zur Seite legen können. Aber wir haben noch nicht ausgesorgt, wenn wir mit Mitte dreißig aufhören. Dann brauchen wir noch einen Job.

Ist das viel oder wenig im Vergleich zu einem Profi-Fußballer?

Im Vergleich zu einem Profi-Fußballer ist es sehr wenig. Im Vergleich zu anderen Sportlern, die auch einen sehr hohen Aufwand betreiben, ist es eher viel.

Bele spielt Handball, seit sie sechs war. Ihr Team ist die Hamburger Spielgemeinschaft HTS / BW96. Weil Bele so schnell ist, spielt sie auf derselben Position wie Uwe: Linksaußen. Silas lebt in Limburgerhof. Das ist in der Nähe von Mannheim, wo die Rhein-Neckar Löwen zu Hause sind. Silas ist ein Fan der Mannschaft. Er selbst spielt aber lieber Tischtennis.

Bele spielt Handball, seit sie sechs war. Ihr Team ist die Hamburger Spielgemeinschaft HTS / BW96. Weil Bele so schnell ist, spielt sie auf derselben Position wie Uwe: Linksaußen. Silas lebt in Limburgerhof. Das ist in der Nähe von Mannheim, wo die Rhein-Neckar Löwen zu Hause sind. Silas ist ein Fan der Mannschaft. Er selbst spielt aber lieber Tischtennis.

Foto: Martin Pötter / SchreiberPötter

Was ist dein größter Wunsch?

Sportlich oder privat?

Sportlich.

Ich würde gerne noch einen großen Titel mit der Nationalmannschaft gewinnen.

Dieses Interview erschien in "Dein SPIEGEL" 01/2020.

Nach dem Interview durften die beiden Kinder-Reporter selbst ran: Ein paar Bälle landeten im Tor. Uwe ist eben kein Torhüter, sondern Torjäger.

Nach dem Interview durften die beiden Kinder-Reporter selbst ran: Ein paar Bälle landeten im Tor. Uwe ist eben kein Torhüter, sondern Torjäger.

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