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Für Kinder erklärt Warum Moore unheimlich wichtig sind

Moore sind gruselig. Angeblich können Menschen sogar in ihnen versinken. Stimmt das? Die Wahrheit ist: Moore sind nützlich für Pflanzen und Tiere – und wichtig für den Kampf gegen den Klimawandel.
Von Patrick Blume

Oft wabert Nebel, der Boden ist nie wirklich fest, und alte Geschichten erzählen von Geistern, die im Moor hausen. Ja, manchmal kommt ein Opfer zu Tode, auf grausige Weise: von klebrigen Pflanzen gefangen und von Säften langsam aufgelöst – klingt gespenstisch.

Lauert im Moor auf Opfer: Rundblättriger Sonnentau. Wenn ein Insekt an den klebrigen roten Tentakeln hängen bleibt, rollt sich das Blatt ein, und das Tier wird langsam zersetzt.

Lauert im Moor auf Opfer: Rundblättriger Sonnentau. Wenn ein Insekt an den klebrigen roten Tentakeln hängen bleibt, rollt sich das Blatt ein, und das Tier wird langsam zersetzt.

Foto: Naturfoto Honal/ Getty Images

In Wirklichkeit ist das der Lauf der Natur: Bei den Opfern handelt es sich um kleine Insekten, bei dem Killer um eine unscheinbare Pflanze namens Rundblättriger Sonnentau. Die hat an ihren Blättern klebrige Tentakel, an denen sich gelegentlich ein Insekt verfängt. Das Blatt der Pflanze rollt sich dann langsam um das zappelnde Opfer, bis das Tier von den Verdauungssäften der Pflanze langsam zersetzt wird.

Dein SPIEGEL: Die Fußball-WM in Katar
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»Hast du mal daran gedacht, die WM zu boykottieren?« Das ist eine der Fragen, die zwei Kinderreporter von »Dein SPIEGEL« dem Fußballnationalspieler Leon Goretzka vor dem Turnierstart in Katar stellten. Goretzka sprach mit ihnen auch über die Chancen der Nationalelf und die zunehmende Belastung für die Spieler. Warum Katar die Weltmeisterschaft ausrichten darf, obwohl das Land die Menschenrechte verletzt, erklärt ein weiterer Text. Das Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk. Eltern können das Heft auch online kaufen:

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Normalerweise aber leben im Moor vor allem harmlose und oft wunderschön bunte Vögel, Blumen und Schmetterlinge. Aber keine Geister.

Klar, der feuchte dunkelbraune Boden kann sich unheimlich anfühlen, wenn er unter den Gummistiefeln schmatzt. "Torf" wird diese Masse genannt. Sie besteht aus den Resten abgestorbener Pflanzen. Der Torf kann Feuchtigkeit speichern wie ein Schwamm. Deshalb ist das Moor so matschig.

Hier gedeihen Pflanzen, die sich auf diese besondere Umwelt spezialisiert haben: vor allem Torfmoose, Wollgras sowie einige seltene Orchideen - und natürlich der fleischfressende Sonnentau.

Moore sind aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Da sie aus abgestorbenen Pflanzen bestehen, ist in ihnen sehr viel Kohlenstoff gespeichert. Der sollte da am besten auch drinbleiben, denn das Gas Kohlendioxid (CO₂), in dem sich Kohlenstoff befindet, ist ja eine der wichtigsten Ursachen des Klimawandels. Solange der Torf nass ist, bleibt der darin gespeicherte Kohlenstoff, wo er ist. Alles, was man tun muss, ist also, die Moore in Ruhe zu lassen.

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Allerdings haben die Menschen oft andere Pläne: Viele Moore wurden trockengelegt, um dort Straßen zu bauen oder Felder und Viehweiden anzulegen. An vielen Orten wird der Torf auch gezielt abgebaut. Er wird zu Pflanz- und Blumenerde verarbeitet.

Wenn das Wasser verschwindet, beginnen winzige Lebewesen, den trockenen Torf zu zersetzen, so ähnlich wie bei einem Komposthaufen. Dabei wird der gespeicherte Kohlenstoff zu Kohlendioxid und gelangt in die Luft.

Um Äcker, Weiden und Bauland zu gewinnen, wurden in Deutschland mehr als 95 Prozent der Moore trockengelegt. Gräben leiten das Wasser ab. An manchen Orten wird der getrocknete Moorboden (Torf) abgebaut, um daraus Pflanzerde für Salat und Gemüse oder Blumenerde zu machen.

Um Äcker, Weiden und Bauland zu gewinnen, wurden in Deutschland mehr als 95 Prozent der Moore trockengelegt. Gräben leiten das Wasser ab. An manchen Orten wird der getrocknete Moorboden (Torf) abgebaut, um daraus Pflanzerde für Salat und Gemüse oder Blumenerde zu machen.

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Ein entwässertes Moor in der Größe eines Fußballfelds entlässt jedes Jahr so viel CO₂ in die Luft wie ein mittelgroßes Auto, das einmal um die Welt fährt. Jedes Jahr stoßen trockengelegte Moore weltweit ungefähr doppelt so viel CO₂ aus wie alle Flugzeuge zusammen. Und das oft über viele Jahrzehnte. Moore gehören zu den größten Kohlenstoffspeichern der Welt.

Moorforscher und Klimaexperten fordern deshalb, dass keine Moore mehr trockengelegt werden. Dass die alten, längst ausgetrockneten, wieder geflutet werden. Denn das ist die gute Nachricht: Sobald der Torf wieder unter Wasser steht, bleibt auch der Kohlenstoff wieder im Boden. Und die seltenen Pflanzen und Tiere können wieder eine Heimat finden.

Naturschützer lassen also alte Entwässerungsgräben zuschütten, sie bauen Stauwerke, um den Wasserabfluss zu verringern. Mit etwas Glück und viel Zeit kann sich so wieder ein fast natürliches Moor entwickeln.

Dieser Mensch wurde vor rund 2000 Jahren in einem Moor in Schleswig-Holstein bestattet. An den meisten Orten hätten Insekten und Bakterien die Leiche längst vollständig zersetzt. Doch im wassergetränkten Moorboden fehlt solchen Lebewesen buchstäblich die Luft zum Atmen. Deshalb sind Moorleichen oft sehr gut erhalten.

Dieser Mensch wurde vor rund 2000 Jahren in einem Moor in Schleswig-Holstein bestattet. An den meisten Orten hätten Insekten und Bakterien die Leiche längst vollständig zersetzt. Doch im wassergetränkten Moorboden fehlt solchen Lebewesen buchstäblich die Luft zum Atmen. Deshalb sind Moorleichen oft sehr gut erhalten.

Foto: CHRISTOPH KELLER / VISUM

Einen Teil der Moorflächen können die Menschen auch im nassen Zustand weiter nutzen. Für die Bauern wäre das jedoch eine Umstellung: Auf feuchtem Moorboden kann man beispielsweise keinen Mais anbauen – und schwere Traktoren würden ständig stecken bleiben. Aber Bauern könnten auch Schilf ernten, aus dem dann umweltfreundliche Dämmstoffe für Häuser gemacht würden.

Kein Bauer müsste übrigens Angst haben, dass er im Moor versinkt und im Matsch untergeht, bis nicht einmal seine Hand mehr zu sehen ist. Das ist nur ein altes Märchen. Wissenschaftler haben längst bewiesen, dass ein Mensch zwar ein Stück weit einsinken kann – aber er nicht komplett untergeht.

Dieser Artikel erschien in "Dein SPIEGEL" 05/2020.

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