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Geschichte des Rassismus Was Kinder über die Sklaverei in den USA wissen müssen

Rund 390.000 afrikanische Menschen gelangten als Sklaven in die USA. Unter welchen Bedingungen sie dort leben mussten und welche Folgen das für die heutige Zeit hat, erklären wir hier.
Von Marco Wedig

Wenn in den USA heute Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen, dann demonstrieren sie nicht nur, weil der Afroamerikaner George Floyd in Polizeigewahrsam starb. Sie demonstrieren auch gegen den Rassismus, der eine 400 Jahre alte Geschichte hat. Diese Geschichte begann mit der Sklaverei.

Seit dem 16. Jahrhundert legten europäische Siedler große Plantagen in Nord-, Mittel- und Südamerika an. Das waren Landwirtschaftsbetriebe, in denen auf riesigen Feldern Tabak, Zuckerrohr und später auch Baumwolle angebaut wurden. Um diese Plantagen zu bewirtschaften, brauchten die Siedler viele billige Arbeitskräfte. Diese kamen überwiegend aus Westafrika – dort wurden Menschen gefangen genommen oder von Sklavenhändlern gekauft, wie eine Handelsware auf Schiffe geladen und unter Deck verfrachtet.

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Warum demonstrieren zurzeit so viele Menschen gegen Rassismus? Was ist überhaupt Rassismus? Und was können Kinder dagegen tun? All diese Fragen werden in der Titelgeschichte der Ausgabe 08/2020 von "Dein SPIEGEL" beantwortet. "Dein SPIEGEL" ist das Nachrichten-Magazin für junge Leserinnen und Leser ab acht Jahren. Die aktuelle Ausgabe ist im Zeitschriftenhandel erhältlich. Eltern können das Heft auch online bestellen:

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Die Überfahrt über den Atlantik dauerte mindestens einen Monat. Viele starben, bevor sie Amerika erreichten. Manche sprangen ins Meer, weil sie nicht als Sklaven leben wollten. Rund 390.000 afrikanische Menschen gelangten auf diesem fürchterlichen Weg nach Nordamerika.

Wer die Überfahrt überstanden hatte, wurde auf Märkten wie Vieh angepriesen und verkauft. Starke junge Männer und gesunde junge Frauen, die viele Kinder bekommen konnten, waren besonders wertvoll. Fortan mussten die Sklaven von frühmorgens bis spätabends harte Arbeit leisten. Sie bekamen keinen Lohn. Eigenes Land durften sie nicht erwerben.

Die Sklaven waren das Eigentum der Besitzer. Selbst die Kinder, die in der Sklaverei geboren wurden, gingen in das Eigentum der Weißen über. Wer nicht tat, was der Besitzer verlangte, wurde ausgepeitscht oder sogar gehängt. Manchen Sklaven gelang die Flucht in die Freiheit, etwa der um 1820 geborenen Harriet Tubman.

Wenigen gelang es freizukommen, Harriet Tubman zum Beispiel.

Wenigen gelang es freizukommen, Harriet Tubman zum Beispiel.

BETTMANN / GETTY IMAGES

Nun hielten sich jedoch die Plantagenbesitzer für gebildete Leute und gute Christen. Wie konnten sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass sie andere Menschen quälten und ausbeuteten? Viele Weiße redeten sich ein, dass sie ihren schwarzen Bediensteten etwas Gutes täten, indem sie für ihren Lebensunterhalt sorgten. Sie deuteten sogar Bibelstellen als Rechtfertigung für die Sklaverei.

Sie begründeten die Versklavung aber auch damit, dass schwarze Menschen einer anderen "Rasse" angehören würden. Heute wissen wir, dass es keine Menschenrassen gibt. Aber früher war diese Denkweise weitverbreitet. Es gab sogar eine Art Wissenschaft, die diese Theorie beweisen sollte. Danach waren schwarze Menschen besonders gut zu körperlicher Arbeit fähig. Anspruchsvollere Arbeiten sollten Weißen vorbehalten bleiben.

Der Südstaatler Albert Pike verteidigte die Sklaverei. Deshalb wurde in Washington, D. C., kürzlich ein Denkmal von ihm gestürzt.

Der Südstaatler Albert Pike verteidigte die Sklaverei. Deshalb wurde in Washington, D. C., kürzlich ein Denkmal von ihm gestürzt.

Foto: MEDIAPUNCH / ACTION PRESS

Das Ende der Sklaverei zeichnete sich ab, als sich die US-amerikanischen Bundesstaaten im Norden mit denen im Süden zerstritten. Den Menschen im Norden erschien die Sklaverei zunehmend unmenschlich. Im Süden lagen jedoch die großen Plantagen, auf denen Sklaven arbeiteten. Die weißen Südstaatler hatten also ein Interesse daran, weiter Sklaven zu beschäftigen, um ihren Reichtum nicht zu verlieren. Bald spalteten sich die Südstaaten von den Nordstaaten ab und nannten sich die Konföderierten Staaten von Amerika.

Es kam schließlich zum Krieg zwischen dem Norden und dem Süden – dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Am Ende gewann der Norden, und die Sklaverei wurde 1865 in den USA endgültig abgeschafft. Doch in den Köpfen lebte der Rassismus weiter. Und die rund 40 Millionen Afroamerikaner, die überwiegend von Sklaven abstammen, bekommen die Folgen bis heute zu spüren.

Dieser Artikel erschien in "Dein SPIEGEL" 08/2020.

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