Foto: Dylan Martinez / REUTERS

Weitspringerin Malaika Mihambo »Olympia – das ist mein nächstes Ziel«

Malaika Mihambo ist Welt- und Europameisterin im Weitsprung. Die Kinderreporter Thies und Greta haben mit ihr über ihren neuen Trainer, Meditation und die Olympischen Spiele in Tokio gesprochen.
Redaktionelle Begleitung: Pelle Kohrs

Dein SPIEGEL: Wann hast du gemerkt, dass du gut darin bist, weit zu springen?

Mihambo: Als ich mit Leichtathletik angefangen habe. Ich war damals acht Jahre alt und bin bei Wettkämpfen immer auf den ersten Plätzen gelandet.

Dein SPIEGEL: Als Kind hast du auch Ballett, Turnen und Judo ausprobiert. Warum hat dir Leichtathletik besser gefallen?

Mihambo: Die anderen Dinge haben mir auch Spaß gemacht. Vor allem Judo fand ich interessant, weil man dort immer viele neue Techniken lernt. Mir hat aber nicht gefallen, dass man sich körperlich angreifen muss. Bei Leichtathletik kämpft man auch gegeneinander, aber ohne sich berühren zu müssen. Das ist mir lieber.

Dein SPIEGEL: Hast du auch andere Disziplinen ausprobiert?

Mihambo: Ja, Hürdenlauf und Hochsprung mochte ich immer sehr gern. Mit 1,70 Metern bin ich aber zu klein für Hochsprung. Deswegen habe ich mich irgendwann nur noch auf Weitsprung konzentriert. Darin war ich auch immer am besten.

Dein SPIEGEL: Auf der Flucht
Foto: Dein SPIEGEL

Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute: 100 Millionen, schätzt UNHCR. Fast die Hälfte dieser unfassbar großen Zahl an Menschen sind Kinder und Jugendliche. Warum ist das so? Und was erleben Mädchen und Jungen dabei? »Dein SPIEGEL« erklärt Fluchtursachen und lässt Kinder zu Wort kommen, die ihre Heimat verlassen haben. Das Heft mit der Titelgeschichte ist im Handel verfügbar, ausgewählte Texte gibt es online. Hier können Eltern die aktuelle Ausgabe online kaufen:

Bei Amazon bestellen 

Bei meine-zeitschrift.de bestellen 

Dein SPIEGEL: 2019 bist du Weltmeisterin geworden. Wie hat sich das angefühlt?

Mihambo: Das war unglaublich. Nach meinem Sprung habe ich direkt Gänsehaut bekommen, weil ich so glücklich war und es gar nicht fassen konnte, was mir da gerade gelungen ist.

2019 wurde Malaika in Katar Weltmeisterin.

2019 wurde Malaika in Katar Weltmeisterin.

Foto: Wang Lili / Xinhua / imago images
Bei dem Wettkampf sprang sie so weit wie noch nie. Bis heute sind die 7,30 Meter von damals ihre persönliche Bestleistung.

Bei dem Wettkampf sprang sie so weit wie noch nie. Bis heute sind die 7,30 Meter von damals ihre persönliche Bestleistung.

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Dein SPIEGEL: Du bist damals in deinem dritten Versuch 7,30 Meter weit gesprungen. Vorher lagst du lange auf den hinteren Plätzen zurück. Wie hast du es geschafft, ruhig zu bleiben?

Mihambo: Das war nicht so einfach, weil es ein sehr schwieriger Wettkampf war. Vor lauter Aufregung konnte ich mich gar nicht richtig konzentrieren. Deswegen habe ich vor dem dritten Sprung meine Augen geschlossen, mich voll auf meine Atmung fokussiert und versucht, alles auszublenden. Dann bin ich einfach losgelaufen.

Dein SPIEGEL: Stimmt es, dass du fünfmal die Woche meditierst?

Mihambo: Ja, Training für den Kopf ist wichtig. Beim Meditieren geht es darum, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren und alles andere für einen Moment zu vergessen. Das ist nicht nur im Sport hilfreich, sondern auch im sonstigen Leben, zum Beispiel bei Prüfungen.

Dein SPIEGEL: Was steht außerdem so auf deinem Trainingsplan?

Mihambo: Ganz schön viel. Ich muss Kraft, Sprint und Sprung trainieren. Nur die Ausdauer ist für mich nicht so wichtig, weil es im Weitsprung darum geht, nur einmal Vollgas zu geben. Deswegen trainiere ich auch nur einmal am Tag, dafür dann aber sehr intensiv. Das ist so anstrengend, dass ich nachts neun Stunden Schlaf zur Erholung brauche.

Dein SPIEGEL: Wie hat sich dein Training durch Corona verändert?

Mihambo: Ich trainiere jetzt meistens allein. Normalerweise ist man zusammen mit anderen Athletinnen in einer Gruppe, das geht zurzeit aber leider nicht.

Greta und Thies, beide 11, haben Malaika Mihambo, 27, per Video-Konferenz interviewt. Greta besucht die fünfte Klasse und macht selbst Leichtathletik. Weitsprung ist ihre Lieblingsdisziplin. Thies geht ebenfalls in die fünfte Klasse. Er spielt gern Handball.

Greta und Thies, beide 11, haben Malaika Mihambo, 27, per Video-Konferenz interviewt. Greta besucht die fünfte Klasse und macht selbst Leichtathletik. Weitsprung ist ihre Lieblingsdisziplin. Thies geht ebenfalls in die fünfte Klasse. Er spielt gern Handball.

Foto: Pelle Kohrs

Dein SPIEGEL: Hier in Deutschland hattest du 16 Jahre lang denselben Trainer. Im Herbst wechselst du zu einem Trainer in die USA. Wieso?

Mihambo: Weil ich etwas Neues ausprobieren möchte. Ich hatte bisher immer dieselben Leute um mich herum, und auch das Training war immer das gleiche. Um mich noch weiter zu verbessern, muss sich jetzt mal etwas verändern.

Dein SPIEGEL: Auch andere erfolgreiche deutsche Leichtathletinnen trainieren lieber in den USA. Woran liegt das?

Mihambo: Ich weiß nicht, wie es bei den anderen ist. Aber mich reizt daran nicht nur das Sportliche, sondern auch die Erfahrung drumherum. Ich freue mich darauf, mal in einem anderen Land zu wohnen, eine andere Sprache zu sprechen und neue Menschen kennenzulernen.

Dein SPIEGEL: Dein neuer Trainer heißt Carl Lewis. Früher war er selbst Weitspringer und hat neunmal bei Olympia gewonnen. Was möchtest du noch erreichen?

Mihambo: Ich bin Europa- und Weltmeisterin geworden. Aber die Olympischen Spiele habe ich noch nicht gewonnen. Das ist mein nächstes Ziel.

Dein SPIEGEL: Glaubst du, dass die Olympischen Spiele in Tokio dieses Jahr trotz Corona stattfinden?

Mihambo: Ja, ich denke schon. Die Pläne dazu werden immer konkreter. Es wurde auch schon organisiert, wer wann anreist und welche Hygieneregeln es geben wird. Ich mache mir da also keine Sorgen.

Dein SPIEGEL: Es steht aber noch nicht fest, ob Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt sein werden. Kannst du dich ohne lautes Gejubel besser konzentrieren?

Mihambo: Nein, im Gegenteil. Vor Publikum kann man sich noch besser auf den Wettkampf einlassen. Wenn ich in einem Stadion angefeuert werde, verleiht das meinen Beinen Energie.

Dein SPIEGEL: Weißt du schon, was du nach deiner Karriere als Sportlerin machen willst?

Mihambo: Mir ist das Thema Umweltschutz wichtig. Ich studiere Umweltwissenschaften, damit ich viel darüber lernen kann. Später würde ich gern in einem Bereich arbeiten, der der Umwelt etwas Gutes tut.

Dein SPIEGEL: Machst du heute schon etwas für den Umweltschutz?

Mihambo: Ja, ich fahre viel Fahrrad, vermeide Plastik und ernähre mich vegetarisch. Als Sportlerin sitze ich aber auch viel im Flugzeug, weil ich Wettkämpfe auf der ganzen Welt habe. Das ist nicht so gut für die Umwelt. Nach meiner Karriere möchte ich das viele Reisen vermeiden.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 07/2021.

Dein SPIEGEL – Das Nachrichten-Magazin für Kinder
Foto: Dein SPIEGEL

Liebe Eltern,

Kinder wollen die Welt verstehen. Sie interessieren sich für Natur, Menschen und Technik. Sie stellen Fragen. Und sie geben sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Darum gibt der SPIEGEL für junge Leserinnen und Leser ab acht Jahren ein eigenes Nachrichtenmagazin heraus.

»Dein SPIEGEL« erscheint jeden Monat neu und bietet spannende, verständlich geschriebene Geschichten aus aller Welt, Interviews und News aus Politik und Gesellschaft. Für noch mehr Spaß sorgen Comics, Rätsel und kreative Ideen zum Mitmachen.

Informationen und Angebote
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.