Diese Unterschrift zählt: In Frankreich unterzeichnen deutsche Offiziere den von den Siegermächten vorgelegten Vertrag zur Kapitulation Deutschlands.
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Für Kinder erklärt Wie der Zweite Weltkrieg in Europa endete

Vor 75 Jahren ergab sich die deutsche Armee ihren Gegnern. Warum ist dieser Tag von so großer Bedeutung? Und wie ging es nach dem Krieg weiter? "Dein SPIEGEL" erklärt's.
Von Alexander Smoltczyk

Der 8. Mai 2020 wird sich vermutlich nicht unterscheiden von den anderen Tagen der schlimmen Corona-Krise, die wir in den letzten Monaten erlebt haben. Doch an diesem Tag sollten wir ausnahmsweise feiern: und zwar den Tag der Befreiung Deutschlands. Denn vor 75 Jahren, genau am 8. Mai 1945, war der Zweite Weltkrieg zu Ende.

Die deutsche Armee ergab sich ihren Gegnern, ohne Bedingungen zu stellen, sie kapitulierte. Schließlich hatte sie den Krieg angefangen und viele Länder verwüstet. Die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion waren die Sieger.

Dein SPIEGEL: Armut und Reichtum – für Kinder erklärt
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Überall in Europa waren Städte durch Bomben zerstört, auch in Deutschland. Es fuhren keine Züge, die Fabriken, Schulen, U-Bahnen waren kaputt, ganze Stadtteile waren nur noch Ruinen. Millionen Menschen waren ums Leben gekommen. Millionen hatten ihre Heimat verloren.

Wie sollte es jetzt weitergehen? Der deutsche Diktator Adolf Hitler hatte das Land in diesen Krieg geführt. Die letzten Tage des Krieges hatte er sich in einem Bunker in Berlin versteckt. Als er erkannte, dass der Krieg verloren war, brachte er sich um.

Es ist vorbei: Deutsche Soldaten (rechts) ergeben sich am 8. Mai 1945 in Berlin den russischen Siegern.

Es ist vorbei: Deutsche Soldaten (rechts) ergeben sich am 8. Mai 1945 in Berlin den russischen Siegern.

Foto: ZENTRAL BILD

Hitler war tot, seine Regierung war abgesetzt. Alles musste neu aufgebaut werden. Aber die Menschen in den zerstörten Städten waren müde. Sie waren froh, überhaupt am Leben zu sein. Sie hofften, dass die Sieger keine Rache üben, sondern ihnen helfen würden, ein neues und friedliches Deutschland aufzubauen.

Die Erwachsenen waren wie betäubt. Viele hatten bis zuletzt an den Sieg geglaubt. Die Kinder waren froh, keine Angst mehr vor den Bomben haben zu müssen. Endlich konnten sie draußen spielen und nachts durchschlafen. Vielleicht würden bald auch die Schulen wieder aufmachen. Die amerikanischen Soldaten warfen ihnen Schokolade und Kaugummis zu.

Es war einmal eine Stadt: Vielerorts gibt es nach Kriegsende nur noch Ruinen. Hier räumen Frauen in Berlin Schutt beiseite.

Es war einmal eine Stadt: Vielerorts gibt es nach Kriegsende nur noch Ruinen. Hier räumen Frauen in Berlin Schutt beiseite.

Foto: KEYSTONE FRANCE / LAIF

Viele Männer waren noch vermisst oder in Kriegsgefangenschaft, weil sie als Soldaten für Hitler gekämpft hatten. Über drei Millionen von ihnen waren in den letzten Jahren des Krieges von russischen Soldaten gefangen genommen worden und lebten in Lagern weit im Osten des riesigen Landes, in Sibirien. Erst nach und nach kehrten sie in den folgenden Jahren heim.

Die Frauen übernahmen jetzt auch schwere körperliche Arbeiten. Sie räumten den Kriegsschutt auf, sie klopften Ziegelsteine sauber, damit man sie wieder verwenden konnte. Man nannte sie "Trümmerfrauen". Für die Arbeit gab es Gutscheine, für die man Lebensmittel bekam. Denn zu kaufen gab es nichts. Ganz langsam erst kam das Leben wieder in Gang.

Die Berlinerinnen säubern Ziegelsteine, die sie verwerten wollen, um die Stadt wieder aufzubauen.

Die Berlinerinnen säubern Ziegelsteine, die sie verwerten wollen, um die Stadt wieder aufzubauen.

Foto: ULLSTEIN BILD

In den ersten Wochen des Friedens waren alle unterwegs. Befreite Gefangene aus den Lagern schlugen sich zu Fuß oder auf Pferdekarren nach Hause durch. Überall hingen Zettel, mit denen Leute nach ihren Verwandten suchten.

Die vier Siegermächte erlaubten die Gründung von Parteien. Wer sich in der Nazi-Zeit schuldig gemacht hatte, musste einen Fragebogen ausfüllen und sich verteidigen. In Nürnberg wurde ein großes Gerichtsverfahren vorbereitet gegen die Verantwortlichen des Krieges und der Diktatur. Die Verbrechen der Nazis sollten vor Gericht kommen. Überlebende Juden und andere Häftlinge erzählten von den furchtbaren Taten, von den Vernichtungslagern der Nazis. Die Gerichtsprozesse dauerten mehrere Jahre. Die Kriegsverbrecher wurden streng bestraft, manche wurden zum Tode verurteilt, andere viele Jahre eingesperrt.

Endlich konnte man wieder lesen, was man wollte. Die Siegermächte erlaubten auch die Gründung von freien Zeitungen und Zeitschriften. Unter Hitler hatten die Medien nur seine Lügen verbreitet. 1945 erschien erstmals die "Süddeutsche Zeitung", 1947 das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

Endlich musste man keine Angst mehr haben, etwas Falsches zu sagen. Im Herbst 1945 öffneten die Schulen wieder, auch wenn viele Gebäude noch zerstört waren. Es gab die ersten Konzerte und Theateraufführungen. Überall wurde gehämmert und Schutt weggeschaufelt. Niemand wollte mehr an den Krieg denken. Jetzt begann die Nachkriegszeit. Und auch wenn es schon so lange vorbei ist, leben wir immer noch darin.

Dieser Artikel erschien in "Dein SPIEGEL" 05/2020.

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