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Für Kinder erklärt Wie man Verschwörungstheorien erkennt

Im Internet behaupten manche Leute, dass das Coronavirus absichtlich in die Welt gesetzt wurde. Solche Ideen nennt man Verschwörungstheorien. Warum sind sie so gefährlich?
Von Alexandra Klaußner

Was ist überhaupt eine Verschwörungstheorie?

Manchmal schließen sich Leute heimlich zusammen, um gemeinsam eine böse Tat zu begehen, eine gefährliche Lüge in die Welt zu setzen oder ganz allgemein anderen zu schaden. Ein solcher Zusammenschluss heißt Verschwörung. Es hat in der Geschichte immer wieder Verschwörungen gegeben – aber oft vermuten Menschen auch dort eine Verschwörung, wo gar keine ist.

Zum Beispiel bei der ersten bemannten Mondlandung 1969: Bis heute glauben viele Leute, die habe nie stattgefunden. Die US-amerikanische Regierung habe die Landung in einem Studio gefilmt, unter anderem, um die Bevölkerung von Problemen abzulenken. Diesen Glauben, dass hinter den augenscheinlichen Tatsachen eine verborgene Wahrheit steht, nennt man eine Verschwörungstheorie.

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Im Falle der Mondlandung ist es extrem unwahrscheinlich, dass so ein Geheimnis mehr als 50 Jahre lang gewahrt werden kann – schon weil so viele Leute als Verschwörer an der Planung einer "gefälschten" Landung hätten beteiligt werden müssen. Aber die Idee hält sich hartnäckig.

Wurde die Mondlandung in einem Studio gefilmt? Menschen glauben das unter anderem, weil die Fahne flattert, es aber auf dem Mond keinen Wind gibt. Verkürzt erklären Wissenschaftler das so: Die Fahne bewegt sich, weil der Stab sich bewegt hat. Wegen der geringen Schwerkraft schwingt die Fahne langsamer und länger, als sie es auf der Erde täte.

Wurde die Mondlandung in einem Studio gefilmt? Menschen glauben das unter anderem, weil die Fahne flattert, es aber auf dem Mond keinen Wind gibt. Verkürzt erklären Wissenschaftler das so: Die Fahne bewegt sich, weil der Stab sich bewegt hat. Wegen der geringen Schwerkraft schwingt die Fahne langsamer und länger, als sie es auf der Erde täte.

Foto: Neil Armstrong/ NASA/ REUTERS

Warum gibt es Verschwörungstheorien?

Verschwörungstheorien bieten meist einfache Erklärungen und jemanden, der Schuld hat. Derzeit sind zum Beispiel viele Menschen wegen der Corona-Pandemie verunsichert und überlegen sich Erklärungen für die schwierige Situation. Es wäre ja auch wirklich praktisch, wenn man jemanden für das Corona-Chaos verantwortlich machen könnte. Stünde der Schuldige fest, könnte man ihn stoppen, und die Krise wäre vorbei.

Welche Verschwörungstheorien gibt es?

Es gibt viele, und das auch schon sehr lange. Aber seit das Internet von immer mehr Menschen genutzt wird, verbreiten sich Verschwörungstheorien viel leichter und schneller. Auch zum Coronavirus gibt es verschiedene. Ein Beispiel: Der Milliardär Bill Gates habe das Coronavirus erfunden, um alle Menschen zwangsweise impfen zu lassen. Bei der Impfung bekomme jeder einen Mikrochip eingesetzt. Mit dem wolle Bill Gates die Menschen kontrollieren. Puh. Diese Idee vermischt einige Ängste und Sorgen. Richtig ist: Bill Gates und seine Frau Melinda haben eine Stiftung, die viel Geld für die Entwicklung von Impfstoffen spendet. Und es gibt von der Stiftung geförderte Projekte, die den Einsatz von Mikrochips erforschen. Aber das hat nichts miteinander zu tun.

Sprühen Flugzeuge chemische Stoffe in die Luft, um Menschen zu vergiften oder das Klima zu beeinflussen? Es gibt keine Beweise dafür, dass den Abgasen Stoffe beigesetzt sind, die Übles bewirken. Die Streifen entstehen, wenn heißer Wasserdampf aus den Abgasen auf kalte Luft trifft. Sie bestehen aus Wassertropfen oder Eiskristallen – wie Wolken.

Sprühen Flugzeuge chemische Stoffe in die Luft, um Menschen zu vergiften oder das Klima zu beeinflussen? Es gibt keine Beweise dafür, dass den Abgasen Stoffe beigesetzt sind, die Übles bewirken. Die Streifen entstehen, wenn heißer Wasserdampf aus den Abgasen auf kalte Luft trifft. Sie bestehen aus Wassertropfen oder Eiskristallen – wie Wolken.

Foto: Federico Gambarini/DPA

Wer verbreitet Verschwörungstheorien?

Leute, die wirklich daran glauben und andere Menschen zu ihrer Überzeugung bekehren wollen. Leute, die damit ein politisches Ziel erreichen wollen. Und Leute, die damit Geld verdienen wollen. Die Gründe mischen sich aber auch. Wenn jemand an eine Verschwörungstheorie glaubt und auf YouTube in Videos darüber spricht, merkt er vielleicht irgendwann, dass er mit Werbung in den Videos Geld verdienen kann.

Ein Hut aus Alufolie kam vor vielen Jahren in einer Science-Fiction-Geschichte vor. Heute ist "Aluhut-Träger" ein nicht so netter Begriff für Leute, die an Verschwörungstheorien glauben. Das Wort Verschwörungstheorie ist übrigens umstritten: Eine Theorie hat eine wissenschaftliche Grundlage. Manche Menschen meinen, man sollte lieber etwas wie Verschwörungs-Idee oder Verschwörungs-Erzählung sagen. Aber Verschwörungstheorie ist der übliche Begriff.

Ein Hut aus Alufolie kam vor vielen Jahren in einer Science-Fiction-Geschichte vor. Heute ist "Aluhut-Träger" ein nicht so netter Begriff für Leute, die an Verschwörungstheorien glauben. Das Wort Verschwörungstheorie ist übrigens umstritten: Eine Theorie hat eine wissenschaftliche Grundlage. Manche Menschen meinen, man sollte lieber etwas wie Verschwörungs-Idee oder Verschwörungs-Erzählung sagen. Aber Verschwörungstheorie ist der übliche Begriff.

Foto: SHUTTERSTOCK/SUZANNE TUCKER

Jeder darf doch sagen, was er denkt. Warum können Verschwörungstheorien so gefährlich sein?

Dinge kritisch zu hinterfragen ist gut. Und nicht alle Verschwörungstheorien sind gefährlich. Aber einige führen dazu, dass Menschen so extrem denken und handeln, dass sie andere gefährden. Zum Beispiel, wenn sie Wissenschaftlern nicht glauben, wie gefährlich das Coronavirus ist, sich deshalb nicht an Sicherheitsmaßnahmen halten und so die Übertragung des Virus beschleunigen. Oder, noch viel schlimmer, wenn sie Gewalt anwenden oder sogar andere Menschen töten, um die vermeintliche Verschwörung zu stoppen.

Wie kann man unterscheiden, was stimmt und was nicht?

Leider steht im Internet nicht der Warnhinweis "Verschwörungstheorie" neben irreführenden Ideen. Viele Verschwörungstheorien kombinieren Tatsachen mit komplett ausgedachten Behauptungen – das macht es so schwierig, sie zu widerlegen. Wenn die eine Sache stimmt, dann ist doch vielleicht auch an der anderen Behauptung etwas dran?

Deshalb ist der erste Weg zu gucken: Auf welcher Website informiere ich mich gerade? Es gibt tolle Wissensvideos bei YouTube, aber auch viel Quatsch. Jeder kann Videos mit falschen Informationen hochladen, du auch. Du kannst in einem Video erzählen, dass Menschen außerirdische Echsen in Menschenverkleidung sind. Das würde keiner glauben? Oh doch, diese Verschwörungstheorie gibt es wirklich.

Deshalb: immer kritisch sein. Nicht alle ungewöhnlichen Ideen sind falsch. Aber man darf nicht alles glauben, was man irgendwo liest – auch nicht, wenn es von einem Rapper, Sänger oder Influencer kommt, den man toll findet. Besser dort suchen, schauen oder nachlesen, wo anerkannte Wissenschaftler oder ausgebildete Journalisten Fakten prüfen. Zum Beispiel bei den Kindernachrichten logo!  oder auf YouTube bei MrWissen2go . Oder bei uns im Heft und auf SPIEGEL.de.

Zu Falschmeldungen rund um das Coronavirus hat auch das Recherchezentrum Correctiv ein gutes Angebot. Unter correctiv.org/faktencheck/coronavirus/  überprüfen die Fakten-Profis einige Behauptungen, die auch in Corona-Verschwörungstheorien vorkommen.

Dieser Artikel erschien in "Dein SPIEGEL" 08/2020.

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