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David Klammer

YouTube-Star Rezo im Kinder-Interview "Wichtig ist, was die Wissenschaftler sagen!"

Rezo hat mit einem YouTube-Video für viel Aufsehen gesorgt. Er kritisierte darin die Partei CDU heftig. Mit den Kinderreportern Charlotte, 12, und Levy, 13, sprach er über Ruhm und seine Pläne für die Zukunft.
Redaktionelle Begleitung: Alexander Kühn

Dein SPIEGEL: Dein Video "Die Zerstörung der CDU" hat dich fast über Nacht zu einem der berühmtesten Deutschen gemacht. Wie hat das dein Leben verändert?

Rezo*: Es hat mich in der Zeit sehr gestresst. Alle redeten über mich. Ich kannte es zwar schon, dass Leute mich beurteilen – ich hatte ja schon vor diesem Video viele Abonnenten bei YouTube. Aber jetzt kamen jeden Tag ­Tausende Nachrichten, als Mail, über YouTube und Instagram. Ich bin damals nur mit Mütze und Kapuze auf die Straße ge­gangen. Wegen meiner blauen Haare wäre ich sonst ständig ­erkannt und angesprochen worden. Nach ein paar Wochen hatte sich aber alles eingependelt.

Wie gehst du mit Hass um?

Wenn Leute nur wütend und gars­tig sind, gehe ich darauf nicht ein. Es gibt aber eine Form von Hass, die zu weit geht. Etwa, wenn es sich um Mord­drohungen handelt.

Hast du schon mal welche ­bekommen?

Ja. Aber ich habe einen guten Draht zur Polizei, deshalb fühle ich mich recht sicher. Es kommt manchmal vor, dass mir Situa­tionen unheimlich sind. So wie letztens: Es klingelte bei mir. Ich ging an die Sprechanlage, ­bekam aber keine Antwort. Aus dem Fenster sah ich, wie ein Typ wieder zu seinem Auto ging. Ich befürchtete, dass der Mann mich womöglich aus­spionieren wollte. Also habe ich die Polizei gebeten zu checken, wer das ist. Meine Sorge war un­begründet. Er war aus der Nachbarschaft, vielleicht wollte er ein Paket abholen, das bei uns im Haus für ihn abgegeben worden war.

Du hast in deinem CDU-Video die Klimapolitik der Bundes­regierung kritisiert. Kürzlich hat der Bundestag ein neues Klimaschutzgesetz beschlossen. Geht es dir weit genug?

Es ist egal, ob es mir weit genug geht. Ich bin ja kein Experte. Wichtig ist, was die Wissenschaftler sagen. Und die sagen: Das Gesetz geht nicht weit genug.

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Fändest du es richtig, wenn 16-Jährige schon wählen dürften?

Auf jeden Fall. Es wird immer gesagt, manche 16-Jährige könnten noch nicht so gut politische Entscheidungen treffen. Aber, sorry: Manche 90-Jährige oder 30-Jährige können das auch nicht. Und die dürfen doch auch wählen!

Warum gehst du nicht selbst in die Politik?

Ich wüsste gar nicht, welcher Partei ich mich anschließen sollte. Die Grünen zum Beispiel machen zwar eine bessere Klimapolitik als andere, aber ich finde nicht alles an denen gut. Außerdem ist Politik ein Vollzeitjob, das macht man nicht nebenbei. Ich habe genug zu tun: Ich mache YouTube-­Videos und habe angefangen, Songs zu schreiben, die ich bald veröffentlichen will.

Glaubst du, dein Leben sieht in 15 Jahren anders aus als ­heute?

Ich hoffe, dass ich dann ein guter Papa sein werde. Und dass ich ein ruhigeres Leben führe als jetzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 40 noch YouTuber bin. Und wahrscheinlich habe ich auch keine blauen Haare mehr.

Die Kinderreporter

Levy geht in die 8. Klasse der Gesamtschule Hürth. Er interessiert sich für Politik und kann sich gut vorstellen, das später mal ­beruflich zu machen. Er geht zu Treffen der ­Jusos, der jungen Organisation der Partei SPD, und macht bei Demos mit – gegen die rechte Partei AfD und für das Klima.

Charlotte geht in die 7. Klasse des Liebfrauengymnasiums Büren. Sie spielt gern Volleyball und Fußball. Rezos Video "Die Zerstörung der CDU" wurde an ihrer Schule viel geteilt und verbreitet. Charlotte findet es wichtig, dass man seine Meinung nicht nur von YouTube-Videos beeinflussen lässt.

Wir haben gelesen, dass du stotterst. Ist das ein Problem für dich?

Es gibt Augenblicke, da ist es ziemlich doof. Bei einer Podiumsunterhaltung zum Beispiel. Heute stottere ich kaum, aber ich hänge manchmal.

Was machst du dann?

Wenn ich merke, dass ich bei ­einem Wort stottern würde, ­benutze ich ein anderes. Deshalb habe ich gerade nicht ­"Podiumsdiskussion" gesagt, sondern "Podiumsunterhaltung". So mache ich das oft.

Das klingt anstrengend.

Ist es auch. Als das Stottern bei mir anfing, war ich so alt wie ihr. Ich habe anfangs versucht, es zu verstecken, aber das geht nicht. Erst mit Anfang 20 bin ich zu einem Logopäden gegangen. Das ist ein Spezialist, der bei Sprachstörungen hilft. Da habe ich gelernt, selbstbewusst mit dem Stottern umzugehen.

* Im Internet wird darüber gerätselt, wie Rezo mit richtigem Namen heißt und wie alt er ist. ­Beides möchte er lieber für sich behalten.

Dieses Interview erschien in "Dein SPIEGEL" 02/2020.

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