einestages-Adventskalender Als Mama den Weihnachtsmann knutschte

Schweinkram oder Ode an die Freude? Der Hit "I saw Mommy Kissing Santa Claus" von 1952 brachte die Kirche in Rage und machte Kinder-Interpret Jimmy Boyd zum Star. Eine der schönsten Cover-Versionen stammt von Amy Winehouse.

Amy Winehouse 2008 auf dem Glastonbury Festival
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Amy Winehouse 2008 auf dem Glastonbury Festival

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Mama küsst den Weihnachtsmann: Skandal, Skandal! Schon eine Woche nach Veröffentlichung Ende November 1952 verurteilte die katholische Kirche den Song als unmoralisch. Die Verbindung von Erotik und Weihnachten, dann auch noch von dem knapp 13-jährigen James Boyd gesungen, gefiel dem Erzbistum Boston gar nicht. Andere kirchliche Gruppen stimmten in den Chor der Empörung ein.

Es hieß, Santa Claus werde durch den Song als küssender Ehebrecher dargestellt, einige Radiosender beteiligten sich an dem Bann. Kurzum: "I Saw Mommy Kissing Santa Claus" war das perfekte Weihnachtslied für Amy Winehouse, die den Hit viele Jahre später mit ihrer wunderbaren Soul-Stimme in einer Fernsehshow sang und dabei gleichermaßen verrufen wie kindlich wirkte. Winehouse soll laut "Rolling Stone" an einem Weihnachtsalbum gearbeitet haben - doch blieb die 2008 auf dem niederländischen "Best of Christmas"-Sampler veröffentlichte Cover-Version ihre einzige Ode ans Heilige Fest.

Zur Entstehung des Liedes sind mehrere Anekdoten überliefert: Eine besagt, dass Songwriter Tommie Connor angeblich durch die Werbung der Kaufhauskette Neiman Marcus inspiriert wurde. Einer anderen Legende zufolge soll Connor das Lied im Auftrag eines US-Warenhauses verfasst haben, mit dem Ziel, deren Weihnachtskarte zu promoten.

Egal, von wem Connor einst inspiriert wurde: Der Song von der knutschenden Mama unterm Mistelzweig stürmte die Billboard-Charts, binnen weniger Wochen waren bereits zweieinhalb Millionen Singles verkauft. Letztlich konnte sogar der Streit mit der Kirche beigelegt werden: Jimmy Boyd, über Nacht zum Teenie-Star avanciert, traf sich mit Kirchenmännern in Boston und klärte das Missverständnis auf. In dem Liedtext gehe es lediglich um den Kuss eines Ehepaares. Das Kind, das an Heiligabend die Treppe heruntertappst und die Szene beobachtet, habe den als Weihnachtsmann verkleideten Vater nicht erkannt.

Der Erzbischof von Boston war beruhigt, der Bann aufgehoben: In der Kirche glaubte man ja sowieso bereits viele andere nicht unbedingt irdische Geschichten.


16 Mal werden wir noch wach... Der einestages-Adventskalender mit klassischen, schrägen, schlimmen Weihnachtssongs. Kommt jetzt täglich.

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Skandal im Sperrbezirk: Fanta 4 auf dem Index
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Der Außenseiter-Song:
Mit schwächlichem Rentier zum Millionär
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Die Harmonie-Killer: Punx not dead
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Ein schräges Duett: Fake oder echt?
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Der Rentier-Unfall: Wohin mit O(sa)ma?
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Der Düstermann: Rohe Weihnachten
7
Blaue Weihnachten, zum Mitschluchzen
8
Die Rapper: "Nö. Das machen wir nicht."
9
Der Aufreger: Mama knutscht mit dem Weihnachtsmann
10
Weltkulturerbe: Für sie soll’s rote Rosen regnen
11
Die Stimme aus dem Jenseits: Peace!
12
Musik mit Maske – schön aggro
13
Benefiz-Bob: Ritterschlag für ein Lied
14
Der ewige Zweite: Hit mit Zuckerguss
15
Unholy Shit: Der Graf macht Klingelmännchen
16
Queer Christmas: Blondine mit Bling-Bling
17
Positives Denken: Diese Zeile sing’ ich nich
18
Spacig: Weihnachtsklänge aus dem All
19
Ein Friedenssignal, total gaga
20
Weihnachten im Weltraum: Ein schepperndes Fest
21
Pinkelpause: Beinahe vertextet
22
Das Spottlied: Liebe deine Feinde
23
Das Inferno: Her mit dem Feuerlöscher
24
Schrille Gala: Engel mit Atombusen



insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
Ladozs kadullu, 09.12.2015
1. Merry Christmas!
Bei diesem Titel fällt einem natürlich auch sofort das Weihnachtsalbum von Phil Spector ein. Ein wunderbarer Zeitvertreib an Heiligabend im Kreise der Familie, und weitaus weniger depressiv als das klassische deutsche Weihnachtslied. Bei uns seit mindestens 30 Jahren der Renner des Abends, neben dem hoffentlich üppig bestücktem Gabentisch.
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