Auf der Leipziger Messe Unverhofftes Treffen mit Mister "Kennzeichen D"

DDR-Bürger hatten kaum eine Chance Westdeutsche zu treffen, schon gar nicht "Prominenz" aus Funk und Fernsehen. Manchmal bot sich dennoch die Chance, beispielsweise auf der Leipziger Messe - so für André Melzer bei einem Messebesuch 1982


Es muss so Anfang der achtziger Jahre gewesen sein, Helmut Kohl war gerade durch das konstruktive Misstrauensvotum als Kanzler an die Macht gekommen, da fuhr ich als gerade volljährig gewordener DDR-Bürger auf die Leipziger Messe. Dort waren immer ein paar tolle Kataloge von "Westfirmen" zu bekommen, die uns neben ARD und ZDF einen kleinen Blick gen Bundesrepublik eröffneten.

Nicht schlecht staunte ich, als vor den Toren der Messe ein ZDF-Team seine Kameras aufbaute. Neugierig trat ich näher und erkannte Joachim Holtz, der mir als DDR-Korrespondent für das "Heute-Journal" und "Kennzeichen D" wohlbekannt war.

Ich stellte mich genau gegenüber der Kamera auf, und schon wurde der erste DDR-Bürger gefragt, was er denn von der neuen Bundesregierung halte. "Die sollen die Grenzen aufmachen ..." war seine Antwort. Mannomann, das hätte ich mich nicht getraut zu sagen, die Stasi war ja überall. Oder war das eine gezielte Provokation?

Als nach ein paar Minuten der Dreh beendet war, fragte noch ein Mann im typischen DDR-Bürgerdeutsch : "Für welches Publikationsorgan arbeiten Sie denn?" - "ZDF, Kennzeichen D" war die trockene Antwort von Herrn Holtz. Erst jetzt traute ich mich den Mund aufzumachen und fragte denn Westkorrespondenten, wann das Ganze denn gesendet wird und erhielt als Antwort "Übermorgen".

Natürlich saß ich zwei Tage später zur besten Sendezeit vor dem eingeschalteten Fernseher und sah mich selbst im ZDF auf dem Bildschirm. Leider lief im ARD gerade "Die aktuelle Schaubude", sodass viele meiner Freunde mich nicht sahen. Auch ist der Beitrag leider bei einem Brand vor einigen Jahren im ZDF-Archiv unwiederbringlich zerstört worden.



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