Reumütige Erfinder Sorry für den Labradoodle

Die Atombombe, Großraumbüros, schräge Hunderassen oder eine Schriftart, die alle hassen: Immer wieder schaffen Menschen Dinge, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen - und bereuen ihre Geistesblitze im Rückblick bitter. einestages präsentiert 13 Erfinder und ihre Unglücksinnovationen.

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Wally Conrons monströse Schöpfung hat vier Beine, kam in den achtziger Jahren zur Welt und sieht knuffig aus. Es war vor gut 25 Jahren, als Conron, damals Zuchtleiter der Royal Guide Dog Association of Australia, von seinem Chef einen scheinbar leichten Auftrag erhielt: Für ein Paar aus Hawaii - sie blind, er allergisch auf Hundehaare - sollte Conron einen Blindenhund auftreiben, der möglichst wenig Haare verlor. "Das ist einfach", dachte sich der Hundeexperte. Zu seinem Vorgesetzten sagte er: "Pudel sind Arbeitshunde und haaren so gut wie gar nicht. Sie würden hervorragend passen." Drei Jahre und 33 Pudelversuche später musste schließlich auch Conron einsehen, dass er das Paar falsch beraten hatte - und Pudel ziemlich miserable Blindenhunde sind.

Doch so schnell wollte der Zuchtleiter nicht aufgeben. Was wäre, wenn man den allergikerfreundlichen Pudel mit einem arbeitsamen Blindenhund, zum Beispiel einem Labrador, kreuzen würde? Gesagt, getan. Ein neuer Hund wurde geboren, eine Weltinnovation, wie Conron damals annahm. Doch außer dem Paar auf Hawaii war niemand interessiert an dem Hybrid aus Labrador und Pudel. Erst als Conron den Mischling medienwirksam "Labradoodle" taufte, meldeten sich Leute aus allen möglichen Ländern bei ihm, um den neuen Wunderhund zu beschnuppern. Das war Anfang der Neunziger. Heute sagt Conron: "Ich habe einen Frankenstein auf die Menschheit losgelassen!"

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Labradoodle, Kalaschnikow und Doppelslash: Was Erfinder bereuen

Er könne nicht einmal mehr "die Straße entlanglaufen, ohne irgendeine Pudel-Kreuzung zu sehen". Wild würden raffgierige Geschäftemacher alle möglichen Rassen auf das wuschelige Tier loslassen und so Designerhündchen heranzüchten - alles ohne Rücksicht auf die Gesundheit dieser neuartigen Kreaturen, wie Conron anmahnt: Mittlerweile gebe es Golden-Retriever-Pudel, sogenannte Goldendoodles, Cockapoos (Cocker Spaniel und Pudel) und sogar Shih-poos (Shih Tzu und Pudel). Neulich habe Conron außerdem von einer Rottweiler-Pudel-Kreuzung gehört. "Wer macht denn so was?", fragt sich der Erfinder.

Conron ist bei weitem nicht der erste Schöpfer, der seinen Geistesblitz später bereute. Die Geschichte der Innovationen ist durchsetzt mit Erfindungen, auf die ihre Urheber - einst mit Stolz erfüllt - heute bestenfalls nur noch mit einem müden Lächeln reagieren. Oder schlimmer noch: mit Gewissensbissen.

So soll der Erfinder des Sturmgewehrs AK-47, Michail Kalaschnikow, wie neulich bekannt wurde, sich kurz vor seinem Tod bei der russisch-orthodoxen Kirche um sein Seelenheil gesorgt haben. Entsetzt fragte er den Patriarchen von Moskau, ob er "Michail Kalaschnikow, Bauernsohn, Christ und gläubig von Bekenntnis" Schuld trage "am Tod von Menschen, und sei es auch eines Feindes?"

Das Problem stellt sich als erschreckend grundsätzlich dar: Hatte Alfred Nobel Schuld an den Folgen der Erfindung des Dynamits - auch wenn er den Ersten Weltkrieg selbst gar nicht mehr miterlebte? Kann der Entdecker des Mittelchens Botulinumtoxin etwas dafür, dass heute jeder Schönheitschirurg Botox als Antifaltenmittel verwendet? Ist das Großraumbüro wirklich die Kopfgeburt eines einzelnen Menschen? Die einzig ehrliche Antwort darauf gab vermutlich Kirkland Gable. Er bereut die Erfindung der elektronischen Fußfessel. Vor ein paar Jahren sagte er dem "Guardian": "Ich kann ja schlecht das ganze Universum kontrollieren."



insgesamt 16 Beiträge
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Volker Stieber, 05.03.2014
1.
Der Labradoodle ist die kuscheligste Erfindung seit es Teddybären gibt. Schlau, lieb, familienfreundlich und hypoallergen. Ist doch nichts anderes als die perfekt optimierte Promenadenmischung. Labrador und Pudel ergänzen sich wie Bourbon und süßer Wermut :) Wuff !
Hans Heckenhauer, 05.03.2014
2.
HTML ist keine Programmiersprache. Es ist eine Auszeichnungssprache.
Philipp Börker, 05.03.2014
3.
Was macht denn bitte Albert Einstein zum "Vater der Atomkraft"?
Susanne Bündgen, 05.03.2014
4.
Mal abgesehen davon, dass in der Hundezucht so einiges schief läuft und die Regeln viel zu lasch sind (Stichwort für Unbedarfte: Dortmunder Appell) ist die Kreuzung des Pudels in alle möglichen Rassen wirklich zur Seuche geworden. Und als tiermedizinische Fachangestellte und Hundeschulinhaberin und Trainerin (Wohlstandskoeter) möchte ich eines mal sagen: kein Hund ist per se aufgrund seiner Rasse oder Mischung "lieb und knuddelig", schon gar nicht mit einem Teddybär vergleichbar! Darüber hinaus ist es ein Märchen, dass Pudel oder Mischlinge aus Pudeln "hypoallergen" wären. Grund für eine Allergie sind keine Haare, sondern Proteine (Eiweisse) die nicht nur in Haaren, sondern auch im Speichel, der Haut etc. vorkommen. Auch gegen einen Pudel kann eine Allergie bestehen wie gegen einen Collie, Schäferhund oder Chihuahua. Sogar bei Nackthunden ist eine allergische Reaktion möglich. Allergiker die einen Hund möchten, sollten nicht eine bestimmte Rasse wählen, sondern sich explizit auf die infrage kommenden, einzelnen Hunde testen lassen.
Hans-Theo Steinhaus, 05.03.2014
5.
?- und Pudel ziemlich miserable Blindenhunde sind.? Eine völlig unqualifizierte Behauptung ! Aufgrund solcher Aussagen und Klischeevorstellungen ist der Pudel die wohl am häufigsten verkannte und diffamierte Hunderasse. Pudel, in erster Linie die Großpudel, sind sehr gute Servicehunde und Therapiehunde, und als Blindenführhunde sehr gefragt. Sie sind unbestritten eine der intelligentesten Hunderassen, leichtführig und gut zu motivieren. Ihre Freude am Lernen ist ihnen anzusehen. Als Großpudelzüchter bekomme ich viele Anfragen nach Welpen, die für eine Ausbildung zum Servicehund vorgesehen sind.
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