Falco privat Er nannte mich Katze

Es war ein Abschied auf Raten, und ein tragischer dazu: Als der österreichische Popsänger Falco 1998 mit seinem Wagen in einen Autobus raste und starb, war Katharina Bianca Vitkovic elf; drei Jahre zuvor hatte sie erfahren, dass sie gar nicht seine Tochter war. Noch heute erinnert sich die junge Frau an Falco als einen fürsorglichen Vater - den gelegentlich extremer Ehrgeiz packte.

Katharina Vitkovic

Katharina Bianca Vitkovic wurde 1986 in Wien geboren. Den Namen Vitkovic nahm sie erst einige Jahre später an, es ist der Mädchenname ihrer Mutter. Katharina Bianca wollte nicht mehr Hölzel heißen - wie der Mann, mit dem sie unter einem Dach gewohnt hatte. Hans Hölzel hingegen war besser bekannt als "Falco". Durch einen Vaterschaftstest hatte er 1993 erfahren, dass sie nicht seine leibliche Tochter war. Der Musiker starb am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.

Kurz vor Falcos 10. Todestag ist nun ein Buch von Katharina Bianca Vitkovic erschienen: "Falco war mein Vater". Die Tochter erzählt darin, wie ihr Leben an der Seite des internationalen Stars verlief. Aus ihrer frühen Kindheit erinnert sie sich zum Beispiel daran, wie der Vater versuchte, ihr das Schachspielen beizubringen - als sie vier war.

Ich habe mit meinem Vater vielleicht nicht so viel Zeit verbringen können wie das andere Kinder tun, aber die Zeit, die wir hatten, haben wir intensiv genutzt. Dementsprechend sind auch meine Erinnerungen an meine Kindheit. Vieles kenne ich aber auch nur aus Erzählungen, wie zum Beispiel Papas Beruhigungstaktik, wenn ich in der Wiege weinte.

Dann ging er mit mir ins Musikzimmer, drehte seine Musik so laut auf, dass ihn Mama fragte, ob er verrückt sei. Ich aber schlief dabei wieder seelenruhig ein. Das Originelle war, dass er Mama, die trotz der lauten Musik normal sprach, zum Leisesein ermahnte...

Sehr viele Erinnerungen spielen in Loipersdorf. Wann immer es ging, haben wir uns zusammengepackt und sind in ein Hotel gefahren. Dort konnte er in Ruhe arbeiten und wusste uns gut aufgehoben. Kaum in Loipersdorf angekommen, wurde aus seiner Katze - so nannte er mich von klein auf, weil ich einerseits eine Schmuse- und andererseits eine Naschkatze war - eine Wasserratte. Meine Liebe zum Nass war mit ein Grund, warum wir so oft als möglich in einem Thermenhotel wohnten. Oft zwei bis drei Wochen am Stück. Mir gefiel das viel besser als in der Wiener Wohnung, wo der Bewegungsradius eingegrenzt war und wo es natürlich auch kein Schwimmbecken gab.

Jeden Abend, wenn er mit dem Arbeiten fertig war, gingen wir essen. Dabei stand ich im Mittelpunkt. Er war stolz auf seine Prinzessin. Er mochte es gerne, wenn ich wie ein Püppchen oder ganz flippig gekleidet war. Gemeinsam suchten wir vor dem Kasten mein Lieblingsgewand zusammen. Wenn ich dann herausgeputzt war, trug er mich bis zum Auto, damit ich mich nicht schmutzig machen konnte, bis wir im Restaurant angekommen waren. Mama hatte dann fast nichts mehr zu tun. Er kümmerte sich um alles. Er schnitt mir das Schnitzerl in mundgerechte Stücke und schaute immer auf mich, wenn ich nach dem Essen spielen ging. Seit dem Moment, als ich mit eineinhalb Jahren bei Willi Dungl ohne Schwimmflügel in den Pool sprang und mir meine Eltern nachhechteten, weil ich bereits am Untergehen war, kannte sein Drang, mich ständig beaufsichtigen zu müssen, keine Grenzen. So sehr er sich um mich auch sorgte, so viele Freiheiten hatte ich bei ihm. Man könnte auch sagen, dass ich in meinem kindlichen Tun so etwas wie Narrenfreiheit genoss.

Schluss mit lustig war nur dann, wenn ich mit seinem Ehrgeiz konfrontiert wurde. Papa hatte nicht nur für sich selbst hohe Ziele. Wenn das durchkam, wurde aus Spaß meistens Ernst.

Das Schachspielen wollte er mir im Alter von vier Jahren beibringen. Es war an einem Abend in der Schottenfeldgasse. Ich saß mit einem kleinen Schachbrett samt winziger Magnetfiguren, das ich bei einem Flug bekommen hatte, im Wohnzimmer am Boden und spielte. Die Pferde, Türmchen, die Dame und der König waren für mich wie kleine Püppchen. Meine Eltern saßen auf der Couch und sahen fern. Ich merkte, wie mich Papa ständig beobachtete, und schon gesellte er sich zu mir auf den Boden. Ich freute mich, dass er mit mir spielen wollte. Wollte er aber gar nicht. Er sagte: "Komm, ich zeige dir jetzt, wie man das richtig spielt."

Ich weiß noch genau, wie er die Figuren in Position brachte, versuchte, mir die Regeln des Schachspiels näher zu bringen und einen Vortrag über Strategie und Taktik hielt. Wie man den Gegner erobert, wollte er mir erklären. Das hat mich aber überhaupt nicht interessiert und wenig begeistert. Mit einem "Ich mag das nicht spielen" hab' ich mich zu Mama, die uns schon die ganze Zeit schmunzelnd beobachtet hatte, auf die Bank verzogen. Papa aber blieb am Boden sitzen und spielte gegen sich selbst Schach.

Auszug aus "Falco war mein Vater", Aufgezeichnet von Martina Bauer.



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