Legendäres Finale in Paris 1999 Steffi Grafs später Triumph

22 Grand-Slam-Titel, 377 Wochen Nummer eins: Steffi Graf kann kurz vor ihrem 50. Geburtstag auf eine einzigartige Karriere zurückblicken. Ihr wohl größter Erfolg kam völlig überraschend.

Thomas Coex/ AFP

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Erst machte Clint Eastwood sich als Schauspieler einen Namen, dann als großer Regisseur auch im Sportgenre: mit der Boxerintragödie "Million Dollar Baby" und dem Rugbyfilm "Invictus". Zweimal erhielt er den Regieoscar. Doch auch Eastwood hätte sich das, was sich vor 20 Jahren in Paris abspielte, kaum ausdenken können. Es enthielt alle Elemente eines Tennisdramas: Forsche Aufsteigerin gegen alternden Star, Momente des Haderns und der Verzweiflung, jähe Wendungen und ein verblüffendes Ende - vielleicht eine Spur zu kitschig für ein Drehbuch.

Damals, im Sommer 1999, befand sich mit Steffi Graf eine deutsche Tennislegende auf der Zielgeraden ihrer ruhmreichen Karriere. Ihre Nachfolgerin schien bereits ausgemacht: Martina Hingis, das Wunderkind aus der Schweiz und die bis heute jüngste Wimbledonsiegerin der Geschichte. Wie es der Zufall so wollte, trafen die beiden im Finale der French Open aufeinander, des wichtigsten Sandplatzturniers der Welt.

Mit unbändigem Ehrgeiz war Hingis geradezu durchs Turnier gestürmt. Ihre Gegnerinnen waren dem intelligenten und gefühlvollen Spiel der Schweizerin nicht gewachsen. Die erst 18-Jährige ging ausgeruhter ins Finale als Graf, deren geschundener Körper ihr zunehmend Probleme bereitete.

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Steffi Graf: "Fraulein Forehand", das Jahrhunderttalent

"Ehrlich gesagt habe ich nie damit gerechnet, hier zu stehen", hatte Graf noch vor dem entscheidenden Match am 5. Juni gesagt, während Hingis großspurig den endgültigen Generationswechsel angekündigt hatte. Die Deutsche ging als klare Außenseiterin in die Partie, da waren sich auch die Experten einig. Anfangs sprach alles dafür, dass sie recht behalten würden.

"Wundervollste Erinnerung meiner Karriere"

6:4 gewann Hingis den ersten Satz, auch im zweiten Durchgang punktete sie zunächst mit ihrer Taktik, Grafs gefährliche Vorhand möglichst zu umgehen. Doch bei strahlendem Sonnenschein verlor Hingis in der Folge nicht nur zwei Sätze und damit das Spiel, sondern auch die Nerven (hier Auszüge auf YouTube).

Minutenlang diskutierte sie mit der Schiedsrichterin und sah sich Pfiffen des gnadenlosen französischen Publikums ausgesetzt. Plötzlich begann die Schweizerin sogar, von unten aufzuschlagen, um ihre Gegnerin zu verunsichern. Doch Graf blieb stets bei sich und ging als Siegerin aus einem der denkwürdigsten Endspiele der Tennisgeschichte hervor. 4:6, 7:5, 6:2 - im Nachhinein sprach sie von der "wundervollsten Erinnerung meiner Karriere". Der bitterlich weinenden Hingis blieb am Ende nur der Trost ihrer Mutter.

"Steffi macht sich wieder jung. Der Sieg schreibt eines der sensationellsten Kapitel im Buch ihrer fabelhaften Karriere", titelte die französische Tageszeitung "L'Équipe" tags darauf.

Nun liegt Grafs letzter von insgesamt 22 Grand-Slam-Titeln zwanzig Jahre zurück. Ihren ersten hatte sie 1987 geholt, ebenfalls in Paris gegen Martina Navratilova - 17 Jahr', blondes Haar. Kurz darauf gewann sie mit ihrer Rivalin Claudia Kohde-Kilsch auch den Fed-Cup, die Mannschafts-WM im Damentennis. Und 1988 triumphierte die "Gräfin" erneut gegen Navratilova als unermüdliche Kämpferin beim Turnier in Wimbledon. Es war die Zeit ihrer größten Erfolge und des "Golden Slam", des Gewinns aller Grand-Slam-Turniere sowie der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul innerhalb eines Kalenderjahres.

Ihr härtester Gegner: der eigene Körper

Fortan eilte sie von Sieg zu Sieg. 17 Jahre lang war Steffi Graf Tennisprofi und führte die Weltrangliste 377 Wochen an - so lange wie keine andere. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag am 14. Juni sehen viele sie immer noch als größte Tennisspielerin der Geschichte.

Graf, die wegen ihrer gefürchteten Vorhand "Fraulein Forehand" genannt wurde, gewann zwischen 1982 und 1999 im Einzel 900 Spiele. Und damit mehr als Serena Williams, obwohl diese mit mittlerweile 37 Jahren immer noch den Schläger schwingt.

Niemand bewegte sich an der Grundlinie so elegant wie Steffi Graf, von ihrer Beinarbeit schwärmen Trainer bis heute. Auf der Rückhand, die sie fast ausschließlich als Slice spielte, unterliefen ihr praktisch nie Fehler. Ihre Rivalitäten mit Monica Seles, Martina Navratilova und Arantxa Sánchez Vicario waren legendär. Doch Grafs größter Gegner blieb der eigene Körper.

Immer wieder plagten sie Verletzungen, besonders das Knie machte ihr zu schaffen. Nach einer Operation musste Graf in den Jahren 1997 und 1998 insgesamt zwölf Monate pausieren und verlor auch die Führung in der Weltrangliste an Martina Hingis. Noch heute, fast 20 Jahre nach dem Ende des Tenniszirkus, klagt die Deutsche über Hüft- und Knieprobleme. Schon das Sitzen bereite ihr Schmerzen, sagte sie der US-Zeitschrift "Stellar Magazine" in einem ihrer seltenen Interviews.

Umso erstaunlicher war ihr Comeback im Sommer 1999. Im Juli - rund einen Monat nach dem Sieg gegen Hingis - erreichte Graf überraschend auch noch das Endspiel in Wimbledon, unterlag allerdings glatt in zwei Sätzen der US-Amerikanerin Lindsey Davenport. Dank des Tennismärchens in Paris redet über diese Niederlage kaum noch jemand.


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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Johanna Walter, 03.06.2019
1. Vorbildlich
... auf und neben dem Platz. So ist sie bis heute in Erinnerung. Schaut man sich dagegen an, wieviele Fettnäpfchen beispielsweise ein gewisses männliches Ex-Idol bisher mitgenommen hat ...
benjamin schmidt, 03.06.2019
2. Vorbild
Ja, Steffi Graf ist echt eine sensationelle Sportlerin gewesen, und in der Tat, auch nach der Karriere gab es keine "Niederlagen" wie bei Boris oder so manchem Fußballer. Aber beim Damen Tennis ist für mich Martina Navratilova die allergrößte, an sie kommt niemand, auch im Herren Tennis keiner auch nur ansatzweise heran. Sie hat auch im Doppel und Mix alle Grand-Slam Turniere gewonnen - so etwas kann man sich kaum vorstellen. Neben X Titeln und Rekorden hatte die Frau auch noch eine "Haltung", bemerkenswert.
Helga Wandel, 03.06.2019
3.
An das Finale kann ich mich noch gut erinnern. Martina Hingis war sich zu früh zu sicher, dass sie das Match gewinnt. Als ihr das Match aus den Händen glitt, zeigte sie sich als schlechte Verliererin. Danach gewann sie kein weiteres Grand-Slam-Turnier im Einzel mehr, was am Aufkommen eines neuen, athleterischen Spielerinnen-Typs. Spielerinnen wie Serena Williams, Lindsay Davenport, Amelie Mauresmo usw. hatte sie, die von klein auf immer die beste war und daher athletisches Training nicht nötig hätte, nicht genug entgegen zu setzen.
dragondeal, 03.06.2019
4. Dennoch
steht für mich Birgit Fischer ganz oben bei den Deutschen Sportlern. Dass sie bei der Wahl hier da nicht steht, ist wohl am ehesten ihrer Sportart geschuldet.
Peter Reich, 03.06.2019
5. Finale
Ich war nie ein grosser Steffi-Fan und bin der Meinung, daß ohne das Attentat die Seles viel besser geworden wäre. Aber den Sieg über die arrogante Hingis haben wir gefeiert. Als Steffi ihre Dankesrede gehalten hat, heulte Hingis wie ein kleines Mädchen und Steffi streute immer weiter Salz in ihre Wunde. Grandios.
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