Feldzug gegen den Irak Auge in Auge mit dem Krieg

Claus Christian Malzahn

12. Teil: Mittwoch, 20. August 2003


Bagdad, Flowerland-Hotel

Gestern, gegen 16.30, zitterte meine Fensterscheibe. Ein grauer Rauchpilz zieht in den blauen Himmel. Die Detonation ist in der ganzen Stadt zu hören.

Kabul scheint mir im Vergleich zu Bagdad ein Ort der Ruhe und Entspannung zu sein. Täglich höre ich zwei bis drei Explosionen, abends kann man kaum auf die Straße, weil irgendwer immer gerade auf irgendwen schießt. Auch Journalisten schweben als Chronisten der Kreuzritter in Gefahr. Ich habe es satt, eine Zielscheibe zu sein.

Als der Selbstmordattentäter seinen LKW vor die UNO fuhr, fand gerade eine Pressekonferenz statt. Dutzende Journalisten wurden verletzt. Ich habe diese Veranstaltung zum Thema Minen geschwänzt und hatte deshalb sogar ein schlechtes Gewissen. Stattdessen habe ich die Kunstgalerien in der Nähe des Palestine-Hotels besucht und mir ein Bild von einem jungen, irakischen Maler gekauft. Es zeigt drei Figuren, die an die dünnen Bronzefiguren Giacomettis erinnern. Der Maler sei früher Bildhauer gewesen, erklärt mir der Galerist, der froh ist, nach Monaten mal wieder einen Kunden im Laden zu haben. Das Bild heißt Frog of Furok. Mit etwas Fantasie zeigt es die geknechtete irakische Kreatur. Ich würde mich jetzt gerne mit dem Maler unterhalten, aber ich muß mich um die Explosion kümmern.

Ich springe in ein Taxi. Der Fahrer kann kein Englisch. Ich sage: "Bumm", eine Ortsbeschreibung, die man im Irak inzwischen versteht.

Nach 20 Minuten sind wir am Tatort. Schwarzer Qualm verdunkelt den blauen Himmel, drei Apache-Hubschrauber kreisen wie wütende Hornissen in der Luft. Das Uno-Hauptquartier, etwa 300 Meter entfernt, ist ein Trümmerfeld. Von Dutzenden Toten ist die Rede. Ein paar verzweifelte Frauen versuchen, durch eine Absperrung zu kommen. Ihre Männer arbeiten offenbar für die UN-Verwaltung.

Abends fahre ich mit ein paar Kollegen zu einem Restaurant am Tigris. Wir bestellen Karpfen. Beim Essen unter dem Sternenhimmel fliegen uns plötzlich die Kugeln um die Ohren. Wir stecken im Kreuzfeuer zweier Gangs. Wir gehen in Deckung. Nach 30 Sekunden ist es wieder ruhig. Es hat keinen Zweck, mitten im Wahnsinn Normalität simulieren zu wollen. Morgen fliege ich über Amman zurück nach Berlin.



insgesamt 4 Beiträge
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dirk brauns, 24.03.2008
1.
der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben.
Indira Geisel, 29.03.2008
2.
Malzahn bei der US Armee in der irakischen Wüste erinnert nicht wenig an Isherwood in dem Berlin Weimars. Ein Beobachter ringt mit seiner Sympathie sowie mit seiner Skepsis gegenüber einen tollkühnen Gastgeber. Eine Vorahnung der Katastrophe, ehe sie anfängt: "Der Krieg liegt wie ein dunkler, endloser Tunnel vor mir." Aber eigentlich darf er nur über abgeschlossene Operationen schreiben.
johann legner, 30.03.2008
3.
ich bin malzahn dankbar für seinen beitrag und die risiken, die er dafür eingegangen ist. dazu gehört auch, sich mit dem verdacht auseinanderzusetzen, instrumentalisiert zu werden. beim lesen habe ich mich an diese tage der ungewissheit erinnert, die den beginn des irak-krieges prägten, an den der kampf mit den gasmasken, der damals für die angreifer alles beherrschte. im nachhinein scheint er das fanal des weiteren verlauf dieses krieges. der erwartete schrecken bleibt aus, aber die angst vor ihm wirft einen langen schatten und gebiert seinerseits schreckliches. vom ersten tag an ist alles ganz, ganz anders als erwartet. dies in erinnerung zurück zu rufen, zeichnet einen zeitzeugen aus.
Norbert Polster, 30.03.2009
4.
>der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. >abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben. gott sei dank geschmackssache. ich werde mir das buch kaufen.
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