Feldzug gegen den Irak Auge in Auge mit dem Krieg

Claus Christian Malzahn

5. Teil: Sonntag, 30. März 2003


Irakische Grenze

Gegen neun Uhr morgens fahre ich mit einem Konvoi von etwa 20 Fahrzeugen los. Das Kommando hat Lieutenant Rose Guerrero, eine 24-jährige Texanerin. Es ist ihr erster größerer Einsatz, sie ist nervöser als ich. Ständig läuft sie hin und her. Vor der Abfahrt hält sie mit gepreßter Stimme eine kurze Rede an die Truppe.

"Da draußen ist alles voller Terroristen. Wenn ein Kind auf die Straße läuft - nicht stoppen. Es könnte ein Trick sein. Wir halten nicht an, wenn wir im Irak sind. Auch unter Beschuss fahren wir weiter."

Kein Mensch redet hier mehr von Befreiung. Seit es Selbstmordattacken auf amerikanische Truppen gab, ist den Amerikanern jeder Iraker verdächtig, sogar Kinder.

Bevor der Konvoi sich in Gang setzt, kommt auch noch der Militärpfarrer der 130. vorbei. Die Soldaten nehmen die Helme ab. Der Pfarrer segnet die Truppe und behauptet: "Gott ist auf eurer Seite." Den jungen Soldaten scheint dieser Segen sehr wichtig zu sein. Sie beten mit geschlossenen Augen.

Bisher habe ich vor allem mit den Offizieren vom taktischen Operationszentrum zu tun gehabt. Jetzt werde ich ein paar Tage unter ganz normalen Soldaten leben. Die meisten von ihnen sind nicht mal 20 Jahre alt.

Mit Hip-Hop in den Krieg

Unteroffizier Marstaller hat sich vor der Abfahrt eine Glatze rasieren lassen. Er raucht billige Virginia-Zigarren, spuckt ständig auf den Boden - und ansonsten große Töne.

"Schreibst du für uns oder gegen uns?", fragt er mich forsch vor der Abfahrt. "Das hängt von Dir ab. Ich schreibe auf, was ich sehe!", antworte ich. Die Antwort scheint ihm nicht zu passen. Mürrisch zieht er wieder ab.

Marstaller scheint wie die meisten Rekruten, die jetzt in Richtung Irak aufbrechen, die High-School noch nicht lange verlassen zu haben. Sie tragen Piratenkopftücher, Sonnenbrillen und hören Hip-Hop auf ihren LKW. Fast sieht es so aus, als wollten sie zur Love Parade und nicht in den Krieg.

An der Grenze zum Irak stoppt uns die Militärpolizei. Der befehlshabende Offizier will Guerreros Kinderkreuzzug nicht durchlassen. Schon in der ersten Stadt hinter der Grenze sei mit Heckenschützen zu rechnen. Der Konvoi hat nicht genügend Feuerkraft, nur ein schwenkbares MG auf einem LKW.

Wir sollen bis morgen warten, dann wird der Konvoi von einigen Schützenpanzern der MP begleitet und gesichert. In der Dämmerung filmen ein paar Kollegen von BBC an der Grenze. Sie sind mit einem riesigen Wohnmobil und zwei Jeeps unterwegs. Sie tragen Zivil. Ich trage dagegen seit heute morgen einen ABC-Schutzanzug, selbst aus der Nähe wirke ich in dem Camouflage-Dress wie ein Soldat. Das will ich nicht. Aber ich kann im Moment nichts dagegen tun, der Anzug ist Vorschrift, ohne ihn, Helm und Splitterweste, komme ich nicht in den Irak.

Die BBC-Kollegen schenken mir Kartoffelchips und Kekse, weil sie gehört haben, das Essen bei der US-Armee sei schlecht. Dann sagen sie: "Wir beneiden Dich. Du kannst morgen da rein. Wir müssen draußen bleiben." Für nicht eingebettete Journalisten bleibt die Grenze dicht. Ein kleiner

Pressekonvoi durfte zwar am Morgen in Sawan, einer irakischen Grenzstadt, filmen. Aber dann wurden die Kollegen von Heckenschützen ins Visier genommen und beschossen. Der Konvoi raste wieder zurück nach Kuwait.



insgesamt 4 Beiträge
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dirk brauns, 24.03.2008
1.
der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben.
Indira Geisel, 29.03.2008
2.
Malzahn bei der US Armee in der irakischen Wüste erinnert nicht wenig an Isherwood in dem Berlin Weimars. Ein Beobachter ringt mit seiner Sympathie sowie mit seiner Skepsis gegenüber einen tollkühnen Gastgeber. Eine Vorahnung der Katastrophe, ehe sie anfängt: "Der Krieg liegt wie ein dunkler, endloser Tunnel vor mir." Aber eigentlich darf er nur über abgeschlossene Operationen schreiben.
johann legner, 30.03.2008
3.
ich bin malzahn dankbar für seinen beitrag und die risiken, die er dafür eingegangen ist. dazu gehört auch, sich mit dem verdacht auseinanderzusetzen, instrumentalisiert zu werden. beim lesen habe ich mich an diese tage der ungewissheit erinnert, die den beginn des irak-krieges prägten, an den der kampf mit den gasmasken, der damals für die angreifer alles beherrschte. im nachhinein scheint er das fanal des weiteren verlauf dieses krieges. der erwartete schrecken bleibt aus, aber die angst vor ihm wirft einen langen schatten und gebiert seinerseits schreckliches. vom ersten tag an ist alles ganz, ganz anders als erwartet. dies in erinnerung zurück zu rufen, zeichnet einen zeitzeugen aus.
Norbert Polster, 30.03.2009
4.
>der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. >abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben. gott sei dank geschmackssache. ich werde mir das buch kaufen.
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