Feldzug gegen den Irak Auge in Auge mit dem Krieg

Claus Christian Malzahn

7. Teil: Dienstag, 1. April 2003


Camp Bushmaster bei An Nadschaf, Irak

Der Konvoi ist fast am Ziel. Es dämmert, meine Pritsche habe ich neben dem Humvee aufgebaut. Plötzlich geht das Gehupe wieder los. Also: Gasmaske auf, es sind mal wieder Raketen im Anmarsch. Ich habe es so satt.

Ich klebe mir das Ding genervt ins Gesicht. Ein Sergeant rasiert sich erst zu Ende und trocknet sich ab, bevor er sich seine Maske überzieht. Bisher ist ja nie was passiert.

Und dann kommt plötzlich ein Unteroffizier von der Militärpolizei und brüllt: "Positive Testergebnisse. Saddam setzt Giftgas ein!"

Okay, denke ich mir, auf Wiedersehen. Das war es dann wohl.

Von weitem sehe ich, wie Marstaller, dieser glatzköpfige Angeber, bleich wird. Er kommt mit seiner Maske nicht zurecht, die Gummibänder haben sich verheddert.

Ich prüfe die Ösen meines Chemieanzuges, setze mich in den Humvee und schließe meine Augen. Ich zähle meine Atemzüge, mehr fällt mir nicht ein, um mich abzulenken. Und wieder habe ich das Gefühl, daß das alles gar nicht passiert. So blöde kann doch keiner sein. Trautman hat mich gestern angestarrt wie einen Irren, als ich ihm sagte, ich wäre freiwillig hier.

Nach ein paar Stunden gibt es Entwarnung. Der Alarm basierte auf einer Fehlmessung des ABC-Trupps, die ständig ihre Testampullen in den Wind halten.

Eigentlich könnten wir jetzt in das Camp fahren. Da wäre es etwas sicherer als hier. "Bushmaster" wurde zwar in den vergangenen Tagen mit Mörsern beschossen; getroffen wurde aber niemand. Außerdem ist das Camp mit Stacheldraht, Sandwällen und Gräben vor Überfällen gesichert. Hier draußen in der Wüste bin ich viel ungeschützter.

Aber wir dürfen nicht rein. Wieso wir warten sollen, ist mir ein Rätsel, auch die Offiziere wissen es nicht. Befehl ist Befehl, meine Fragen irritieren hier bloß. Die 565. ist nicht meine Lieblingstruppe. Hoffentlich treffe ich Captain Figlioli wieder, wenn wir morgen endlich aufs Gelände dürfen.



insgesamt 4 Beiträge
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dirk brauns, 24.03.2008
1.
der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben.
Indira Geisel, 29.03.2008
2.
Malzahn bei der US Armee in der irakischen Wüste erinnert nicht wenig an Isherwood in dem Berlin Weimars. Ein Beobachter ringt mit seiner Sympathie sowie mit seiner Skepsis gegenüber einen tollkühnen Gastgeber. Eine Vorahnung der Katastrophe, ehe sie anfängt: "Der Krieg liegt wie ein dunkler, endloser Tunnel vor mir." Aber eigentlich darf er nur über abgeschlossene Operationen schreiben.
johann legner, 30.03.2008
3.
ich bin malzahn dankbar für seinen beitrag und die risiken, die er dafür eingegangen ist. dazu gehört auch, sich mit dem verdacht auseinanderzusetzen, instrumentalisiert zu werden. beim lesen habe ich mich an diese tage der ungewissheit erinnert, die den beginn des irak-krieges prägten, an den der kampf mit den gasmasken, der damals für die angreifer alles beherrschte. im nachhinein scheint er das fanal des weiteren verlauf dieses krieges. der erwartete schrecken bleibt aus, aber die angst vor ihm wirft einen langen schatten und gebiert seinerseits schreckliches. vom ersten tag an ist alles ganz, ganz anders als erwartet. dies in erinnerung zurück zu rufen, zeichnet einen zeitzeugen aus.
Norbert Polster, 30.03.2009
4.
>der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. >abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben. gott sei dank geschmackssache. ich werde mir das buch kaufen.
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