Feldzug gegen den Irak Auge in Auge mit dem Krieg

Claus Christian Malzahn

8. Teil: Mittwoch, 2. April 2003


Camp Bushmaster, Irak

Unser von Teenagern bewachter Konvoi wird im Morgengrauen angegriffen. Es ist Einzelfeuer zu hören, ganz nah peitschen die Schüsse an den Wagen vorbei. Während die Soldaten links und rechts mit ihren durchgeladenen MP's in Stellung gehen, krieche ich unter den Humvee und verkrieche mich hinter einem Autoreifen. Alle sind bewaffnet, ich habe bloß einen Bleistift. Ich fühle mich ziemlich schutzlos. Angst habe ich komischerweise nicht, aber der Krieg mit seinem "hurry and wait" fängt an, mir auf die Nerven zu gehen.

Eine Stunde vergeht, ohne das etwas geschieht. Wer auch immer auf die Fahrzeuge gefeuert hat, muß gleich wieder abgehauen sein. Man kann so eine Armee auch mit geringem Einsatz auf Trab halten.

Das Lager macht einen brauchbaren Eindruck. Das Zentrum besteht aus einem verlassenen Industriegebäude, in dem das 94. Pionierbataillon seinen Stab eingerichtet hat. Um das Gebäude herum wird auf Wüstensand Zelt neben Zelt errichtet.

Ich bekomme eine Luxussuite im Industriebau; ein 15 Quadratmeter großer Raum, den ich mir mit drei Männern teile. Nachts werde ich nicht mehr so frieren, tagsüber ist es nicht so heiß.

Es gibt natürlich kein fließendes Wasser. Aber an das Waschen mit feuchten Baby-Wipes habe ich mich inzwischen gewöhnt. Wahrscheinlich stinken wir hier längst alle wie Ochsen, aber es fällt niemandem mehr auf. Die Pioniere haben sogar schon Latrinen aufgebaut. Dafür sollten sie Orden bekommen.

Ich treffe Scott Figlioli wieder, mit dem ich an der Grenze war. Er lädt mich sofort in seinen Humvee ein. Seine Bulldozer sind schon wieder unterwegs, sie verbreitern die Straße nach Bagdad. Der Job ist gefährlich, denn die Gegend links und rechts der Piste ist stark vermint. Der Weg nach Norden führt durch einen ausgetrockneten Salzsee. Es ist furchtbar heiß. Drei bis vier Liter Wasser sollen wir täglich trinken.

Doch die im Humvee gelagerten Plastikflaschen werden durch den Fahrtwind erhitzt. Das Thermometer an meinem Taschenmesser zeigt 48 Grad im Schatten. Es kostet echte Überwindung, heißes Wasser zu trinken, wenn man Durst hat.



insgesamt 4 Beiträge
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dirk brauns, 24.03.2008
1.
der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben.
Indira Geisel, 29.03.2008
2.
Malzahn bei der US Armee in der irakischen Wüste erinnert nicht wenig an Isherwood in dem Berlin Weimars. Ein Beobachter ringt mit seiner Sympathie sowie mit seiner Skepsis gegenüber einen tollkühnen Gastgeber. Eine Vorahnung der Katastrophe, ehe sie anfängt: "Der Krieg liegt wie ein dunkler, endloser Tunnel vor mir." Aber eigentlich darf er nur über abgeschlossene Operationen schreiben.
johann legner, 30.03.2008
3.
ich bin malzahn dankbar für seinen beitrag und die risiken, die er dafür eingegangen ist. dazu gehört auch, sich mit dem verdacht auseinanderzusetzen, instrumentalisiert zu werden. beim lesen habe ich mich an diese tage der ungewissheit erinnert, die den beginn des irak-krieges prägten, an den der kampf mit den gasmasken, der damals für die angreifer alles beherrschte. im nachhinein scheint er das fanal des weiteren verlauf dieses krieges. der erwartete schrecken bleibt aus, aber die angst vor ihm wirft einen langen schatten und gebiert seinerseits schreckliches. vom ersten tag an ist alles ganz, ganz anders als erwartet. dies in erinnerung zurück zu rufen, zeichnet einen zeitzeugen aus.
Norbert Polster, 30.03.2009
4.
>der text ist langweilig. um mitzuteilen, was krieg ist, benötigt es etwas mehr als dieses verstockte gemurkse. >abtreten, embedded mahlzahn. nochmal schreiben. gott sei dank geschmackssache. ich werde mir das buch kaufen.
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