Augenblick mal! Worum prügeln die sich wohl?

Sie sollte mit einem Sprung berühmt werden: Bei einer Demonstration warf sich eine schwarze Teenagerin in Michigan auf einen Neonazi - allerdings nicht um zu kämpfen. Jeden Monat präsentiert einestages ein verblüffendes Bild und erzählt die Geschichte dahinter.


AP

Was war denn da los? Die junge schwarze Frau hat sich auf den weißen Mann geworfen. Auf dem Rücken des Niedergedrückten prangt groß die Flagge der Konföderation, auf seine rechte Schulter ist eine kleine SS-Rune tätowiert. Die Umstehenden scheinen mit den Stöcken ihrer Protestschilder auf ihn einzuschlagen. Klar, was hier passiert: Die Menge verprügelt einen Neonazi. Doch ganz so einfach ist die Geschichte hinter diesem Bild nicht.

Es war der 22. Juni 1996 in Ann Arbor (Michigan). Eine Gruppe von Ku-Klux-Klan-Mitgliedern hielt in den Straßen der Stadt eine Kundgebung ab. Parallel versammelten sich rund 300 Gegendemonstranten. In dem Anti-KKK-Pulk: die 18-jährige Keshia Thomas, die durch das Foto berühmt werden sollte.

Plötzlich tönte es aus einem Megafon: "Da ist ein Ku-Kluxer in der Menge." Der enttarnte Neonazi flüchtete vor dem Mob, der ihn bald einholte und niederschlug. Mit den Holzschäften ihrer Plakate prügelten einige Protestler auf den am Boden liegenden Mann ein, aus der Menge tönte es: "Tötet den Nazi!" Dann löste sich Keshia Thomas aus dem Pulk - und warf sich auf den Rassisten. "Es fühlte sich an, als ob zwei Engel meinen Körper angehoben und auf ihn gelegt hätten", sagte die Teenagerin später. Der Mob ließ von dem Neonazi ab, Dutzende US-Zeitungen druckten das Foto, das "Life"-Magazin kürte es sogar zu einem der Bilder des Jahres 1996. Mit einem Sprung war Thomas eine Nationalheldin, weil sie einem Mann das Leben rettete, der für sie wahrscheinlich nicht dasselbe getan hätte.

Ihren ungewöhnlichen Schützling sah Thomas nie wieder. Ein paar Monate nach ihrer Heldentat kam allerdings ein junger Mann in einem Café zu ihr. "Danke", sagte der Fremde. "Wofür?", fragte Thomas. "Das war mein Vater."

lab



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hans Heckenhauer, 14.11.2013
1.
Dann hat die Aktion etwas gebracht. Auch wenn der Gerettete wahrscheinlich bis heute keine Einsicht zeigt, hat diese Aktion wohl die nachfolgende Generation ein wenig besser gemacht. Zumindest hoffe ich, dass das Kind nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist.
Johannes Bachmann, 15.11.2013
2.
"Dann hat die Aktion etwas gebracht. Auch wenn der Gerettete wahrscheinlich bis heute keine Einsicht zeigt, " Haben wir beide den gleichen Artikel gelesen ? Wer sollte hier wohl was lernen ("Tötet den Nazi !") ?
Hans Heckenhauer, 15.11.2013
3.
>"Dann hat die Aktion etwas gebracht. Auch wenn der Gerettete wahrscheinlich bis heute keine Einsicht zeigt, " > >Haben wir beide den gleichen Artikel gelesen ? >Wer sollte hier wohl was lernen ("Tötet den Nazi !") ? Ihren ungewöhnlichen Schützling sah Thomas nie wieder. Ein paar Monate nach ihrer Heldentat kam allerdings ein junger Mann in einem Café zu ihr. "Danke", sagte der Fremde. "Wofür?", fragte Thomas. "Das war mein Vater." Ich bezog mich auf diesen Teil. Der Sohn des Nazis kam zu ihm und bedankte sich. Ich finde das ist ein guter Anfang nicht so zu werden wie der verblendete Vater. Das meinte ich damit.
Marlene Noturbiz, 03.12.2013
4.
Teenagerin!!! Grauenvoll!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.