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05. April 2014, 13:44 Uhr

Hitler-Postkarte von 1916

19 Zähne weniger

In Bayern ist eine bislang unbekannte Karte von Adolf Hitler aus dem Jahre 1916 aufgetaucht. Aus dem gelblichen Stück Papier geht hervor: Der spätere Diktator sehnte sich nach der Front - und hatte unsagbar schlechte Zähne.

Über Jahre hat ein Mann aus Landshut zu Hause eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg aufbewahrt, die einen besonderen Sammlerwert haben dürfte. Ihr Absender: Der Gefreite Adolf Hitler, der Deutschland Jahre später in einen zweiten Weltkrieg führte. Das Dokument, das dem "Münchner Merkur" vorliegt, wurde von Ludwig Eiber, Geschichtsprofessor an der Uni Augsburg, begutachtet. Demnach, so berichtet die Zeitung, gebe es keinen Zweifel an der Echtheit der Postkarte. Eine Zweitmeinung hat die Zeitung nicht eingeholt.

Laut dem Bericht ist das Dokument aus gelblichem, steifem Karton. Auf der Vorderseite zeigt es ein Foto des Berliner Landwehrkanals. Datiert ist die mit "A. Hitler" unterschriebene Karte nach dem Poststempel auf den 21. Dezember 1916. Der spätere Diktator schrieb die Karte an seinen Regimentskameraden Karl Lanzhammer, der zu dieser Zeit mit seiner Einheit im Krieg gegen Frankreich stand. Hitler selbst war damals beim Zweiten Bayerischen Infanterieregiment in München stationiert.

Aus dem Dokument geht hervor, dass Hitler einen schmerzhaften Zahnarztbesuch hinter sich gebracht hatte: Auf der Postkarte gibt er an, dass ihm 19 Zähne gezogen worden seien. Seinem Freund Lanzhammer schrieb er: "Kannst Dir denken, wie nett ich ausgesehen habe. Jetzt geht es mir besser."

Nach Auswertung von Zahnschemata sei allerdings klar, dass Hitler mit seinen Angaben übertrieben haben muss, schreibt der "Münchner Merkur" in einer Vorabmeldung. So hätten ihm maximal 15 Zähne gezogen werden können. Der Eingriff liefert dennoch womöglich eine Erklärung dafür, warum Hitler von Anfang Oktober 1916 bis Anfang März 1917 nicht an der Front war.

Zweiter Hitler-Postkartenfund innerhalb von zwei Jahren

Aus dem nun aufgetauchten Dokument geht außerdem hervor, dass sich Hitler nach dem Kriegsgeschehen sehnte. Er schrieb: "Leider keine Aussicht, dass ich wieder hinaus komme wenigstens jetzt nicht. Möchte ich wäre wieder bei Euch."

Dass die Postkarte der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt war, hat dem Zeitungsbericht zufolge einen einfachen Grund: Sie ist in Privatbesitz. So hatte der Landshuter Hermann S. die Karte von seinem Vater erhalten, der im Zweiten Weltkrieg einen Kriegskameraden namens Lanzhammer hatte - ein Verwandter jenes Karl Lanzhammer, an den Hitler die Karte schrieb. Von ihm soll der Vater des jetzigen Besitzers die Ansichtskarte als Geschenk in den fünfziger Jahren erhalten haben.

Vor zwei Jahren tauchte in München schon einmal eine Postkarte Hitlers an seinen Kriegskameraden Lanzhammer auf, die zwei Tage früher datiert ist als die nun veröffentlichte. Auch in dieser erwähnte Hitler, dass er sich "zurzeit in zahnärztlicher Behandlung" befinde, nannte aber keine weiteren Details. Lanzhammer überlebte den Krieg übrigens nicht: Er starb während seiner Fliegerausbildung im März 1918 in Oberschleißheim bei München.

lab

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