25 Jahre Hubble-Teleskop Das Auge der Menschheit

Vor 25 Jahren startete "Hubble" seine Reise ins All. Nach anfänglichen Problemen lieferte das orbitale Teleskop Bilder des Universums, wie sie die Menschheit nie gesehen hatte. Hier sind die schönsten Aufnahmen.

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Sternzeit 51268.4. Vielleicht ist diese Route eine Abkürzung? Ein schnellerer Weg nach Hause? Fähnrich Harry Kim, Leutnant Tuvok, Seven-of-Nine und Schiffskoch Neelix studieren die Sternenkarte im astrometrischen Labor. Das Raumschiff "Voyager" ist 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Delta-Quadranten der Milchstraße gestrandet. Auf dem Computer erscheint das Bild eines Konstrukts von außerirdischer Schönheit. Sterne blitzen durch die Säulen aus interstellarer Materie. Eine gigantische Hand, die das Universum selbst an sich reißen will.

Die "Säulen der Schöpfung", aufgenommen vom Hubble-Teleskop 1995
AFP/NASA/ESA/Hubble

Die "Säulen der Schöpfung", aufgenommen vom Hubble-Teleskop 1995

Doch der faszinierende Anblick ist keine Aufnahme der Crew der "Voyager". Das Bild der "Säulen der Schöpfung" hatte ein Teleskop namens "Hubble" im Jahr 1995 geschossen.

"Als ich als Teenager in Deutschland 'Raumschiff Enterprise' schaute, machten mich die lila- und orangefarbenen Planeten neugierig, die jede Woche von der Crew umkreist wurden", erinnert sich Dr. Inge Heyer. Nach dem Studium der Astronomie an der Universität von Hawaii hatte sie 1995 ihre Arbeit als Analystin am Space Telescope Science Institute in Baltimore, Maryland begonnen. Ihre Aufgabe dort: die Bilder auszuwerten, die das fünf Jahre zuvor in der Erdumlaufbahn ausgesetzte Weltraumteleskop "Hubble" vom Universum machte. Als im selben Jahr "Star Trek: Voyager" anlief, fasste die Wissenschaftlerin einen Entschluss.

"Ich hatte Kontakt mit den Leuten, die die Spezialeffekte machten. Meistens schickte ich ihnen gerade veröffentlichte 'Hubble'-Aufnahmen", schreibt Heyer in ihrem Blog auf der offiziellen "Star Trek"-Seite. "Nebel und andere unbekanntere Objekte aus dem Alpha- und Beta-Quadranten wurden dann einfach stellvertretend für Phänomene des Delta-Quadranten in der Serie verwendet." Das Science-Fiction-Universum ihrer Jugend wurde für Heyer die Gelegenheit, ihre Entdeckungen mit der nächsten Generation von Weltraumfans zu teilen. Dabei hatte die Mission ihres Wunderfotografen mit einem kolossalen Fehlstart begonnen.

Vom Grauen Star zum Weltall-Künstler

Am 24. April 1990 war das 11.110 Kilogramm schwere "Hubble"-Teleskop an Bord des Spaceshuttles "Discovery" in die Erdumlaufbahn gebracht worden, knapp 560 Kilometer über der Erdoberfläche. Zehn Jahre Planung waren nötig gewesen, über 1,5 Milliarden Dollar investierten die Raumfahrtbehörden Nasa und Esa in das Unternehmen. Doch nachdem alle Systeme aktiviert waren, kam der Schock für die Planer: Das Prestigeprojekt lieferte nur verschwommene Aufnahmen, ähnlich denen eines Amateurteleskops auf der Erde - weil "Hubbles" Hauptspiegel einen Defekt hatte.

Im Kontrollzentrum herrschte Entsetzen. Die US-Senatorin Barbara Mikulski, die sich persönlich für das Projekt bei der US-Regierung starkgemacht hatte, war außer sich. All die Mühe habe ein Teleskop produziert, das an einem grauen Star leide. "Das ist eine Katastrophe, die nicht sein darf", schrie sie und pochte mit dem Finger auf die Brust von Charlie Pellerin, dem Leiter der Astrophysischen Abteilung der Nasa. "Wir werden einfach vergessen, dass dieser Albtraum jemals passiert ist."

Aber der gerade 38-jährige Pellerin und sein Team gaben sich nicht geschlagen. Drei Jahre tüftelten die Wissenschaftler, begleitet von Schuldvorwürfen und Häme, an einer Lösung. Im Dezember 1993 startete diesmal die Raumfähre "Endeavour" in den Orbit, um "Hubble" einzufangen und den Linsenfehler zu korrigieren. Fast 30 Stunden waren die Astronauten mit den Arbeiten beschäftigt, dann sah "Hubble" zum ersten Mal scharf.

Das Hubble-Teleskop, aufgenommen vom Space-Shuttle Atlantis aus
DPA/NASA

Das Hubble-Teleskop, aufgenommen vom Space-Shuttle Atlantis aus

Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst

Ungestört von der Atmosphäre der Erde spähte das - nach dem Astronom Edwin Hubble benannte - Teleskop ins All. Von unserem Sonnensystem aus bis in die Milchstraße und in die angrenzenden Galaxien, in Entfernungen von Millionen von Lichtjahren. Die Aufnahmen, die dabei entstanden, hatten dabei erst mal noch nichts mit den opulenten Bildwelten gemein, die heute mit dem Teleskop assoziiert werden. Da "Hubble" auch im infraroten und ultravioletten Spektrum aufnahm, waren die meisten Daten für das menschliche Auge nicht sichtbar.

Mittels spezieller Software wurden den Werten Farben zugewiesen - und beeindruckende Bilder entstanden. Innerhalb des "Hubble"-Projekts arbeitet ein ganzer Stab von Mitarbeitern daran, aus den Rohdaten des Teleskops "Weltraumkunst" zu machen. Dass Wissenschaftler die ungeschönten Aufnahmen zur Forschung nutzten, tat der öffentlichen Wahrnehmung der bunten Bilder des Universums keinen Abbruch. "Hubble" machte wissenschaftliche Beobachtungen für jedermann erfahrbar.

"Pferdekopfnebel", "Schneeengel" und die "Säulen der Schöpfung", die über Inge Heyers Schreibtisch auf den Computerschirmen des Raumschiffs "Voyager" landeten, haben sich seit den Neunzigern in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Die Bilder, die das Teleskop zur Erde schickte, leuchteten nicht nur im Science-Fiction-Universum von "Star Trek" auf. T-Shirts, Poster, Computerspiele, Kinofilme, opulente Bildbände, Kunstausstellungen und die obligatorischen Wallpaper auf unzähligen Computern rund um den Globus zelebrierten "Hubbles" Weltraumkunst und zeugten von einer neuen Lust an der Erforschung des Alls, wie es sie seit der Mondlandung 1969 nicht mehr gegeben hatte. "Hubble" war Pop.

Absturz einer Ikone

Doch die Tage des Teleskops sind gezählt. Nach dem Ende des Shuttle-Programms der Nasa und fünf erfolgreichen Wartungsmissionen können keine weiteren Reparaturen an dem schwebenden Observatorium durchgeführt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass "Hubble" spätestens 2024 seine Umlaufbahn verlassen und in der Erdatmosphäre verglühen wird.

Ein Nachfolger steht schon bereit. Das James-Webb-Weltraumteleskop soll 2018 außerhalb unserer Atmosphäre geparkt werden - 1,5 Millionen Kilometer über der Erdoberfläche. Mit einem Spiegel, der mehr als fünfmal so groß ist wie der seines legendären Vorgängers, soll der Blick des James-Webb-Teleskop wieder in die unendlichen Weiten vordringen - und für die Menschheit nach den Sternen greifen.



insgesamt 14 Beiträge
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Armin Lötz, 24.04.2015
1. Unglaublich schöne Bilder
Letzten habe ich im Taschen Verlag einen Bildband mit den Hubble Bildern gesehen. Wir sind die erste Generation die das sehen durften...
Anton Kolesnikov, 24.04.2015
2. Bibelbuch Jesaja 40:26:
?Hebt eure Augen in die Höhe und seht. Wer hat diese Dinge erschaffen? Er ist es, der ihr Heer selbst der Zahl nach herausführt, der sie alle sogar mit Namen ruft. Wegen der Fülle dynamischer Kraft, da er an Macht auch kraftvoll ist, fehlt nicht eines [davon]. Sagt alles aus nach meiner Meinung.
Heiner Schröer, 24.04.2015
3. Ran an die Bilder, Ihr Agnostiker
Tolle Bilder machen es fast unmöglich dabei an Physik zu denken. Er ist es wohl.
Jochen Schwanekamp, 24.04.2015
4. Ran an die Bilder, Ihr Gläubigen
Jetzt erklär mir doch bitte nochmal einer warum sich der liebe Gott die Mühe gemacht hat vor 4 Milliarden Jahren irgendwo im Universum einen Meteoriten auf die Erde knallen zu lassen damit Mond und Gezeiten und Erdachsenneigung genau so entstanden sind dass vor erst 2000 Jahren die einzigen Wesen auf diesem Planeten die genug Intelligenz hatten um glauben zu können anfingen an den lieben Gott zu glauben. Die Erde ist ein wunderschöner kosmischer Zufall.
Heinz Weber, 24.04.2015
5. 1,5 Million Kilometer entfernt also
Schön. Das heißt das neue Teleskop kann nicht gewartet werden. Wenn es einen anfänglichen Fehler hat wie das Alte, dann war es das vermutlich. Außerdem wenn keine Wartung möglich ist, dann ist die Nutzungsdauer wesentlich verkürzt. Schade um die Investition.
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