Diktatorengattin Imelda Marcos Die Kleptokratin von Manila

"Ich wurde als Angeberin geboren" - wer so über sich redet, kennt keine Selbstzweifel. Als First Lady plünderte Imelda Marcos mit ihrem Ehemann schamlos die Philippinen und häufte unfassbare Reichtümer an.

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Sie wusste, was sie wollte. Schon früh. "Rose von Tacloban" werden zum Beispiel. Den Titel holte sich Imelda Romualdez mit 18 Jahren bei einem Schönheitswettbewerb, war bei der Wahl zur "Miss Manila" indes nur die Zweitschönste. Also nervte sie den Bürgermeister so lange, bis er den Spross einer einflussreichen Familie immerhin zur "Muse" der philippinischen Hauptstadt ernannte.

Wenige Jahre später war die verwöhnte Imelda am Ziel ihrer Träume, als sie 1954 den aufstrebenden Politiker Ferdinand Marcos kennenlernte. Die Romanze dauerte erst elf Tage, da standen sie bereits vor dem Traualtar. Fortan war ihr ein Leben in Prunk sicher. Bald beherrschte der skrupellose Marcos-Clan über 20 Jahre lang das weit verzweigte Inselreich der Philippinen. Bis zum Sturz 1986 häufte das Ehepaar ein Milliardenvermögen aus Aktien, Schmuck und Goldbarren an.

Als "außerordentliche Botschafterin" reiste die First Lady der Philippinnen oftmals ohne ihren Ferdinand durch die Welt. Das Luxusleben im Scheinwerferlicht stieg ihr rasch zu Kopf. "Nicht einmal die britische Queen wird nur Elisabeth genannt, sondern Elisabeth die Zweite. Imelda gibt es aber nur einmal", prahlte sie. Dass ihr ewiger Nachruhm sicher sei, zog sie keinen Moment in Zweifel: "Eines Tages wird mein Name im Wörterbuch zu finden sein. 'Imeldific' wird für demonstrative Extravaganz stehen." Immerhin räumte sie ein: "Ich wurde als Angeberin geboren."

Geld, Gold, Größenwahn

Solche Sätze zeitloser Hybris sind von Imelda Marcos zuhauf überliefert: völlig frei von Selbstironie, denn das war ihre Sache nie. Die Frau mit der damals modernen Bienenkorbfrisur übte reale Macht aus, prahlte und prasste zugleich ohne jede Scham, inszenierte sich dabei als Leitstern der Filipinos und "Mutter der Nation" - eine Art role model für Diktatorengattinnen aus aller Welt. Denn mit ihrem starken Hang zur persönlichen Bereicherung stand Marcos keineswegs allein.


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Michèle Duvalier, an der Seite von "Baby Doc" Duvalier Herrscherin über Haiti, soll 21 Millionen Dollar unterschlagen haben. In der Zentralafrikanischen Republik wird die schöne Catherine, Frau des Präsidenten und selbsternannten Kaisers Jean-Bédel Bokassa, beschuldigt, ihren Mann vor seinem Sturz 1979 betrogen und sich einen Großteil seines Vermögens unter den Nagel gerissen zu haben. Und Leila Ben Ali, Gattin des im Arabischen Frühling gestürzten tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali, wurde in Abwesenheit zu 35 Jahren Haft verurteilt. Vor ihrer Flucht soll sie 1,5 Tonnen Gold im Wert von 45 Millionen Euro per Flugzeug außer Landes geschafft haben.

Bei Imelda Marcos paaren sich verschwenderischer Lebensstil und große Ambitionen. Ihr Mann wurde 1965 Präsident und 1972 zum uneingeschränkten Herrscher über die Philippinen, als er das Kriegsrecht verhängte und zahlreiche Gegner inhaftieren, foltern oder ermorden ließ. Mit Wahlmanipulationen und massiver Unterdrückung jeder Opposition hielt er sich an der Macht.

Unterdessen blieb der "stählerne Schmetterling", wie Imelda oft genannt wurde, in vielen Hauptstädten ein gern gesehener Gast. Von Kubas Machthaber Fidel Castro ließ sie sich durch Havanna chauffieren, von Saddam Hussein nach Babylon fliegen. "Das ist der Garten Eden", soll der irakische Diktator ihr begeistert zugerufen haben. Auch zu Mao Zedong, Muammar al-Gaddafi oder dem US-Präsidentenpaar Ronald und Nancy Reagan unterhielt sie nach eigener Darstellung beste Drähte.

"Fast nur Leinenschuhe getragen"

In ihrem Land betrieb die Diktatorengattin einen zügellosen Schönheitskult, angeblich zum Wohle der gesamten Nation: "Die Filipinos wollen Schönheit", erklärte sie. "Ich muss mich schön anziehen, damit die Armen in den Slums einen Star betrachten können." Zugleich sicherte sie dem Volk zu, mit ihrem Vermögen Wohnhäuser, Straßen, Krankenhäuser und Theater bauen zu lassen. Tatsächlich versanken weite Teile der Bevölkerung in Armut, Unterernährung, Krankheit, während die Marcos-Sippschaft und ihre Freunde Monopole bildeten und das Land auspressten.

1986 endete die Diktatur mit dem Antritt der ersten Präsidentin der Philippinen, Corazon Aquino. Die Witwe des ermordeten Oppositionellen Benigno Aquino sagte, sie habe im Malacañang-Palast rund 3000 Paar Schuhe entdeckt. Welch lächerliche Unterstellung, so Imelda: "Ich hatte doch nur 1060 Paar." Woher all die Lederpumps und Slipper kamen, konnte sie ebenfalls mühelos erklären: "Als First Lady habe ich gearbeitet und fast nur Leinenschuhe getragen. Da ich aber die Schuhindustrie unterstützte, bekam ich als Zeichen der Dankbarkeit bei jeder Messe ein Paar geschenkt."

In ihren Residenzen lebten die Marcos' inmitten von kitschigem Talmi und echten Kunstwerken, etwa von Botticelli, Canaletto, Picasso. Ihr Mann habe eben ein gutes Händchen bei Goldgeschäften gehabt, behauptete Imelda: "Als Bill Gates das College schmiss, besaß Ferdinand bereits Milliarden Dollar und tonnenweise Gold. Nichts davon war gestohlen."

Auf Platz zwei der Korruption-Weltrangliste

Welche Reichtümer das Ehepaar auftürmte, ist bis heute nicht restlos geklärt. Die Schätzungen variieren: Waren es 10 Milliarden Dollar, 30, gar noch mehr? Ein Großteil davon wird wahrscheinlich nie mehr auftauchen. Laut Weltbank und Transparency International war nur Indonesiens Diktator Suharto noch korrupter als die Marcos', die ein verwirrendes weltweites Geflecht an Konten und Firmen unterhielten.

Am Ende der Tyrannei musste das Ehepaar viele Wertgegenstände zurücklassen und kam mit vergleichsweise bescheidenen neun Millionen Dollar in bar sowie Schmuck und Aktien in den USA an. Ein Teil der dicken Klunker, die der Zoll zunächst sogar für Fälschungen hielt, wurde unterwegs beschlagnahmt. Ein Jahr nach ihrer Flucht nach Hawaii gab die Aquino-Regierung an, im Präsidentenpalast unter anderem noch 15 Nerzmäntel, 508 bodenlange Kleider und 888 Handtaschen sichergestellt zu haben. Nach Ferdinands Tod 1989 behauptete Imelda, von 90 Dollar Witwenrente für Kriegsveteranen zu leben.

Anfang der Neunzigerjahre kehrte sie auf die Philippinen zurück und wurde sogar in den Senat gewählt. Ihre geretteten Schuhe stellt die schrille Diktatorenwitwe in einem Museum aus. Wegen Korruption, Geldwäsche und Betrug wurden gegen sie gut 900 Gerichtsverfahren eröffnet, blieben aber zumeist folgenlos. Zweimal bewarb Imelda Marcos sich vergebens ums Präsidentenamt; inzwischen hat sie einen Sitz im Repräsentantenhaus, wie zuvor schon ihre Tochter Imee und ihr Sohn Ferdinand 'Bongbong' Jr.

Mit inzwischen 86 Jahren ist ihr Geltungsdrang ungebrochen. Bedauerlich findet die Kleptokratin allein, dass ihr so wenige Original-Kunstwerke alter Meister blieben. Reue indes oder auch nur zarte Anflüge von Unrechtsbewusstsein sind Imelda Marcos wesensfremd. "Warum sollte ich mich entschuldigen?", sagte sie einer Zeitung in Manila. "Was sie den Marcos' abgenommen haben, ist mehr als unser Budget für 20 Jahre. Wer hat Geld gestohlen? Nicht die Marcos'."

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Lars Mach, 23.12.2015
1. Der Norden Luzons...
...wird noch heute von jenem Familien-Clan beherrscht: Subtil. Wer dort ein Infrastrukturprojekt auf den Weg bringt, wird dies rasch wahrnehmen.
Volker franz, 23.12.2015
2. Die FIFA hat mehr Schuhe
im Keller wie Frau Marcos! Drei Streifen und es wird ein Schuh draus!
Emanuel Gold, 23.12.2015
3.
Marcos? War das nicht einer der Freunde von Franz-Josef, seines Zeichens König aller Bayern?
Georg Schmidt, 23.12.2015
4. FRanz josef Strauss
beschuldien dann bitte auch den vorletzten Papst, bei seinem Besuch in Manila zeigte sich die Dame sehr freizügig, die USA zahlten 10.000.0000.000 & Endwicklungshilfe derade soviel Privatvermögwn hatte Marcos, zudem hat FRaport den dritten TErminal vor c 3-5 Jahren gebaut Manila hat FRaport enteignet gerüchte nach hat FRaport nicht genug geschmiert, es gibt Länder, wo sich nix ändert! Schmidt Georg lollar
Hans-Jürgen Lippka, 23.12.2015
5. Es würde nur helfen solche Kleptokraten auf einen
internationalen Haftbefehl zu setzen und vor einem ein internationales Gericht zu stellen. Kompletten Besitz als Sicherheit beschlagnahmen und alle Konten einfrieren. Das sollte ein abschreckendes Beispiel sein für andere "Landausbeuter".
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