Irre Weihnachtsgeschenke Tote Ratte im Paket

Eine Brust-OP für Jürgen Drews' Freundin, ein graviertes Fliegengitter für Victoria Beckham: Jedes Jahr überraschen Stars ihre Umwelt mit irrsinnigen Geschenken. einestages stellt einige der merkwürdigsten vor - und verrät die Formel fürs perfekte Präsent.

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Ein Mafia-Pate hätte sich kein besseres Weihnachtsgeschenk ausdenken können. Nachdem eine eifersüchtige Ehefrau 1951 in London ihre Nebenbuhlerin anhand eines Fotos in der Brieftasche ihres Mannes enttarnt hatte, schickte sie der Rivalin ein ziemlich unappetitliches Geschenk. Pünktlich zu den Festtagen erreichte die Verführerin, ordnungsgemäß frankiert und festlich verpackt - eine tote Ratte.

Was schenk ich nur? Eine Frage, die Jahr für Jahr Scharen von Menschen erst in den Wahnsinn und schließlich am 24. Dezember zur nächsten Tankstelle treibt, wo sie dann Pralinen und einen Strauß welker Blumen erwerben. Kein Wunder - Schenken ist keine Kunst, sondern Roulette. Egal ob arm oder reich, berühmt oder unbekannt: Selten findet sich ein so passendes Präsent wie bei der kämpferischen Gattin aus London. Die schlug nämlich mit der erlegten Ratte nicht nur die Rivalin aus dem Feld, sondern gewann auch gleich noch das Herz ihres Mannes zurück.

Doch solche rundum richtigen Präsente sind selten. Erstaunliche Geschenk-Geschichten gibt es dagegen viel öfter.

So ließ beispielsweise Justin Timberlake am 8. Dezember 2003 nach einem Auftritt in London nachts das Nobel-Kaufhaus Harrod's öffnen, um seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Für über zwei Millionen Dollar kaufte der Popstar Weihnachtsgeschenke. Der Löwenanteil war für seine damalige Freundin Cameron Diaz. Genützt hat's wenig: 2006 trennte sich das Paar.

Ein etwas anderes Blutbild

Auch bei den Beckhams sieht es irgendwie nicht so richtig nach Spaß aus, wenn Victoria und David sich Jahr für Jahr mit lahmer Geste die teuersten Geschenke zuschieben. Da hagelt es nur so Luxuskarossen und millionenschwere Diamantencolliers. 2005 erreichte der Weihnachts-Wahnsinn im Hause Beckham dann einen vorläufigen Höhepunkt: Becks schenkte seiner Angetrauten Fliegengitter für die Fenster, in die ihr Name eingraviert war. Dann vielleicht doch lieber eine Ratte?

Tatsächlich gehen die räudigen Nager auch heute noch als adäquates Präsent zum besinnlichen Feste durch. Allerdings haben sie einen gehörigen gesellschaftlichen Aufstieg hinter sich. Nicht nur dass sie heute lebend überreicht werden, sie scheinen mittlerweile der letzte Schrei für jene zu sein, die schon alles haben: Vor einigen Jahren erhielt Hotelerbin und Society-Luder Paris Hilton von ihrer einstigen besten Freundin Nicole Richie eine Ratte zu Weihnachten. Das ist nicht nur einfallsreicher als ein Buchgutschein, sondern auch vielsagender.

Mehr als tausend Worte sagte wohl auch der Satz, den Angelina Jolie 2001 ihrem damaligen Mann, dem Schauspieler Billy Bob Thornton, zum Fest schenkte: "Till the end of time" - "Bis ans Ende der Zeit" - stand auf einem gerahmten Blatt Papier - handgeschrieben mit ihrem eigenen Blut. Geholfen hat auch das nichts. Das Schauspielerpärchen trennte sich zwei Jahre später. Nur nebenbei: Jolie besaß zu dieser Zeit eine Ratte namens Harry.

Neue Brüste für die Pferdepflegerin

Doch nicht nur Stars haben spannende Geschenkideen, auch Hinz und Kunz kommen mitunter auf Erstaunliches - und verhelfen mit ihrem Präsent manchmal sogar den Beschenkten zu bescheidener Berühmtheit. So geschehen bei der Freundin des damals 25-jährigen Berliners Sebastian. Der sorgte 2005 für Aufsehen, als er seiner Angebeteten, "der schönen Pferdepflegerin Jasmin" ("Bild"-Zeitung), eine Brust-OP für 5000 Euro schenkte. Von 75B auf 75C gepusht, sattelte diese direkt zur Nacktsängerin um und nannte sich fortan "Toy". Und der Weihnachtstraum geht noch weiter: In einem Kölner Nachtclub lernte sie Jürgen Drews kennen. Der lobte direkt ihren "tollen Resonanzkörper" und nahm Jasmin als Nackttänzerin mit nach Malle. Die männlichen Inselurlauber waren sich in diesem Sommer einig: Toy war ihre "Königin von Mallorca" ("Bild"-Zeitung).

Auch im Sport sorgen Weihnachtsgeschenke immer wieder für Aufsehen. Es war in der Formel-1-Saison 1964, als Graham Hill im entscheidenden Rennen von dem Ferrari-Piloten Lorenzo Bandini gerammt wurde. Das Missgeschick beendete für den Spitzenreiter nicht nur das Rennen, sondern zerschlug auch alle Medaillenhoffnungen. Hill nahm es trotzdem mit Humor: Er schenkte Bandini zu Weihnachten ein Buch mit dem Titel "Wie lerne ich Autofahren?"

Jan Ullrich hatte weit mehr Pech als Hill. Er büßte 2006 schon vor dem Start der Tour De France alle Chancen auf einen Sieg ein. Wegen Dopingverdachts wurde er vom Rennen ausgeschlossen. Die "Bild"-Zeitung nutzte diesen Umstand für ein spitzbübischen Geschenk: Zu Weihnachten überreichte sie dem angeschlagenen Radsportler eine weiße Weste. Ullrich nahm es kämpferisch, ließ sich mit dem Kleidungsstück neben dem Tannenbaum fotografieren. Doch seine Mutter trauerte der Karriere ihres Jungen schon damals hinterher: "Deutschland will ihn nicht mehr", sagte sie "Bild" damals. 2007 zog sich Ullrich endgültig aus dem Radrennsport zurück.

Speckseite mit Schusswaffe

Ein anderer hätte sich gerne per Weihnachtsgeschenk aus dem Gefängnis zurückgezogen. Das Ganovenstück lief ab wie in einem Krimi. Helmut B. saß 1960 wegen nahezu hundert Einbruchsdelikten für zwölf Jahre im Zuchthaus in Celle ein. Da schickte ihm seine Frau Ursula ein Paket mit ganz besonderen Leckereien. Es waren eine geräucherte Speckseite, in der sie eine Pistole und 24 Schuss Munition verborgen hatte, und einige Dauerwürste, die mit Sägeblättern gefüllt waren. Ein Ausbruch wurde vereitelt. Ursulas Fresspaket wurde bei einer vorweihnachtlichen Razzia noch einmal genauer unter die Lupe genommen und schließlich sichergestellt.

Während aus dieser Waffe kein einziger Schuss abgegeben wurde, sorgte eine andere zehn Jahre zuvor dafür, dass sich die Gäste von Frau Schnelle in Frankfurt am Main regelmäßig unter dem Tisch in Sicherheit brachten. Täglich drangen die Salutschüsse einer Kanone von der amerikanischen Garnison herüber und ruinierten Frau Schnelles Nerven. Zumindest bis zum 25. Dezember 1949. Denn nachdem die Hausfrau sich in einem Brief über diesen Umstand beschwert hatte, ließ der damalige Oberst verlauten, dass die Kanone ab diesem Tag nur noch zu besonderen Anlässen abgefeuert würde. In einem Brief an Frau Schnelle schrieb er: "Ich bin überzeugt, dass sie diese Maßnahme als inoffizielles Weihnachtsgeschenk ansehen werden."

Die Formel für das perfekte Geschenk

Manchmal scheint es doch leichter zu sein, als man denkt, seine Mitmenschen mit Weihnachtsgeschenken zu beglücken. Für alle, die sich trotzdem nicht sicher sind, ob sie das Richtige für ihre Liebsten gefunden haben, entwickelten Britische Psychologen eine Formel, mit der der potentielle Erfolg eines Geschenkes schon vorher errechnet werden kann.

Der sogenannte PPI (Present Popularity Index) errechnet sich folgendermaßen:

PPI = T + G + S + V + B. Verschiedene Faktoren werden dabei unterschiedlich stark gewichtet. Die Zeit beim Aussuchen (T, 0 bis 5 Punkte), das Interesse des Beschenkten am Gebenden (G, 0 bis 4 Punkte), der Nutzen des Geschenkes (S, 0 bis 3 Punkte), der Wert (V, 1 Punkt) und die Umtauschmöglichkeit (B, 1 Punkt). Ist die Summe der Faktoren mehr als zwölf, hat man das perfekte Geschenk, bei unter vier Punkten bleibt die Geschenkidee besser im Laden.

Es gibt natürlich auch Geschenke, deren Schönheit keine Formel gerecht werden kann: Weihnachten 2005 schenkte der Brite Guy Lush seinem todkranken Bruder Scott eine seiner Nieren. Die Operation im südenglischen Portsmouth rettete Scott, der mit nur einer Niere auf die Welt gekommen war, das Leben. Die neue Niere war für ihn eine echte Weihnachtsüberraschung. Denn er erfuhr erst nach der Operation, dass die Niere von seinem Bruder war. "Ich wusste", erklärte Guy später der englischen Presse, "dass Scott das sonst nicht zugelassen hätte."



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