Jugend mit "MacGyver" Basteln gegen das Böse

Mit Taschenmesser, Kaugummi und Klebeband triumphierte MacGyver im Fernsehen über unzählige Schurken. Florian Heiser trainierte im Kinderzimmer seine Legomännchen nach dem gleichen Prinzip. Wegen seiner Liebe zum Serienhelden interessierte sich der Teenie schließlich sogar für Politik.

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MacGyver war ein Held meiner Kindheit. Es ist mehr als 20 Jahre her, dass die US-Serie "MacGyver" mit Richard Dean Anderson in der Hauptrolle zum ersten Mal über die deutschen Fernsehschirme flimmerte. Seitdem hat sich vieles verändert: Der Eiserne Vorhang wurde aufgezogen, Vokuhila-Frisuren sind nur noch im Fußballstadion zu sehen - aber MacGyver hat die Zeit überdauert. Zwar wurde die Serie 1992 eingestellt, aber die Fanbasis blieb erhalten. Und aktuell erlebt die Serie einen neuen Hype: Neben Gerüchten über einen möglichen Kinofilm gibt es zum Beispiel ein Buch, dessen Titel fragt "What would MacGyver do?" und auf Improvisationen im Alltagsleben abzielt. Denn die Rolle des Angus MacGyver wurde so konzipiert, dass er mit einfallsreichen Basteleien ohne Schusswaffengebrauch die heikelsten Fälle lösen und die misslichsten Lagen überstehen konnte.

Serienheld MacGyver hatte als Kind ein traumatisches Erlebnis mit Waffen. Beinahe pazifistisch kämpft deshalb der ehemalige Agent mit dem Know-how eines Wissenschaftlers gegen allerlei Schurken. Er analysiert seine Umwelt und bastelt mit seinem Taschenmesser, Kaugummi und Klebeband etwas zusammen, das ihm aus der Patsche hilft. "MacGyverismen" werden diese Basteleien heutzutage genannt.

Ich habe die Serie als Kind (bei meiner ersten "MacGyver"-Folge dürfte ich etwa neun oder zehn Jahre alt gewesen sein) und Jugendlicher gesehen. Die dort vermittelten Werte wie Freundschaft und die analytische Auseinandersetzung mit Problemen anstelle impulsiver Gewalt haben mich geprägt. Manche Folgen schaute ich zusammen mit dem Jungen von nebenan. Das Gesehene verarbeiteten wir im Spiel mit Playmobil oder Lego. Wir stellten nicht die Szenen nach, sondern übernahmen das Grundprinzip. Bei uns hatte nicht einer die guten und der andere die bösen Figuren, sondern jeder hatte beides. Unsere Helden verbündeten sich regelmäßig gegen die Fieslinge. Da sich unsere Szenerie oft auf den Wilden Westen bezog, hatten unsere Figuren natürlich Waffen - aber in unserer Fantasie waren sie nur mit Betäubungsmunition geladen.

Fernsehen bildet!

Die Serie weckte auch mein politisches Interesse. Ich stellte meinen Eltern Fragen, die ein Kind sonst wohl erst später beschäftigt hätten. Denn MacGyver durchlebte noch die letzten Jahre des Kalten Kriegs und reiste vor diesem Hintergrund durch die Welt. Auch Berlin war eines seiner Ziele. Da mir die Weltgeschehnisse nicht oder nur kaum bekannt waren, wollte ich von meinen Eltern wissen, warum die Berliner Mauer gebaut wurde und was Kommunisten sind. Als ich alt genug war, radelte ich zur Bücherhalle und lieh mir zwischen vielen Comics auch mal ein Sachbuch aus.

Sogar McGyvers Frisur war vorübergehend ein Thema für mich. Dass ich sie nicht übernommen habe, lag nur an meiner Frisörin, die mir partout die Haare nicht vorne kurz und hinten lang schneiden wollte. Heute bin ich ihr zu Dank verpflichtet, dass es keine MacGyver-lookalike-Fotos von mir gibt. Aber der Mann mit der Vokuhila-Frisur, hat es geschafft, mich zum Nachdenken zu bringen, hat mich durch die Pubertät begleitet, meine Neugier unterstützt und mir sogar etwas politisches Grundwissen vermittelt. "MacGyver" ist mehr als nur eine Serie für mich - es ist ein Teil meiner Kindheit.



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