Kaiser Wilhelms Nordlandreise 1914 Urlaub vorm Weltenbrand

Die Welt stand am Abgrund - und der Kaiser rauschte ab in die Sommerfrische! einestages erinnert an das absurde Ferientheater Wilhelms II. im Juli 1914 und zeigt seltene Fotos von Bord seiner Jacht.

IMMH

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Nachdenklich blickt der uniformierte Mann von seiner Jacht hinunter auf den Fjord. Vor ihm auf der geblümten Bank sitzen zwei Dackel. "Balholm, 25. Juli 1914", steht neben der Aufnahme. Abgebildet ist auf dem nur scheinbar gewöhnlichen Urlaubsfoto: Wilhelm II. an Bord der "Hohenzollern" - am letzten Tag seiner Nordlandreise. Der Kaiser salutiert, als wolle er die norwegische Küste zum Abschied grüßen.

Das Bild stammt aus einem kleinen Fotoalbum mit dem handschriftlichen Vermerk "Kaiserreisen 1914". Es gehörte einst Johannes von Karpf, dem Kommandanten der kaiserlichen Staatsjacht "Hohenzollern". Nach dem Tod Karpfs im Jahr 1941 erwarb Ex-Springer-Alleinvorstand Peter Tamm den Nachlass - seither schlummern die Fotos im gewaltigen Archiv von Tamms Internationalem Maritimen Museum Hamburg.

Der Fotofund von Bord der "Hohenzollern" zeigt ein Urlaubsszenario, das krampfhaft Normalität suggerieren sollte. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem auf dem diplomatischen Parkett keinerlei Normalität mehr herrschte: Am 28. Juni 1914 hatte ein serbischer Nationalist den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ermordet.

Die Schüsse von Sarajevo hatten eine politische Kettenreaktion in Gang gesetzt, seither spitzte sich die Situation von Tag zu Tag weiter zu. Mit dem sogenannten "Blankoscheck" hatte Wilhelm II. dem österreichischen Monarchen Franz Joseph noch die deutsche Bündnistreue im Kriegsfall mit Serbien garantiert - wenige Stunden später war er nach Diktat verreist. Am Nachmittag des 6. Juli begab sich Wilhelm II. an Bord der "Hohenzollern", um nach Skandinavien zu fahren - genauso wie immer.

Rastloser Reisekaiser

Seit 1889 brach der deutsche Kaiser jeden Sommer zur Nordlandfahrt auf. "Es zieht mich mit magischen Fängen zu diesem Volke", begründete Wilhelm II. einmal seine Vorliebe für die Norweger - in seinen Augen die idealen, kernigen Germanen. Daher fuhr der deutsche Kaiser besonders gern in den hohen Norden. Doch auch andere Regionen der Erde bereiste der rastlose Monarch regelmäßig, nie hielt er es lange in Berlin aus.

Wilhelm II. entfloh dem Regierungsalltag mit einer solchen Inbrunst, dass die Deutschen das "I.R." in dessen kaiserlicher Signatur (Imperator Rex) heimlich zu "immer reisebereit" verballhornten. Nur diesmal, im Juli 1914, war dem Kaiser angesichts der Julikrise, ganz gegen seine Gewohnheit, die Reiselust vergangen. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg musste Wilhelm II. regelrecht aus Berlin fortscheuchen.

Er argumentierte, dass es enorm wichtig sei, "das große Aufsehen zu vermeiden, das ein Unterbleiben der seit langer Zeit alljährlich in diesem Monat gewohnten Reise hervorgerufen hätte." Zu deutsch: Wilhelm II. sollte seinen geplanten Törn vor Skandinavien antreten, um friedlichen Alltag vorzutäuschen.

Moltke zur Kur, Kanzler in Brandenburg

Nicht nur der Kaiser, sondern auch viele andere Politiker und Militärs verabschiedeten sich mitten in der Julikrise ostentativ in die Sommerfrische. So war Generalstabschef Helmut von Moltke schon am 28. Juni, dem Tag des Attentats auf Erzherzog Franz Ferdinand, zur Kur nach Karlsbad abgereist.

Ebenso im Urlaub: Kriegsminister Erich von Falkenhayn sowie der Staatssekretär der Marine, Alfred von Tirpitz. Selbst der Reichskanzler, Theobald von Bethmann Hollweg, weilte auf seinem Gut Hohenfinow in der Mark Brandenburg - zumindest täuschte er dies vor. Tatsächlich reiste der Kanzler während der Julikrise mehrfach heimlich nach Potsdam und Berlin, um dort die Geschäfte zu erledigen.

Auf österreichischer Seite waren unter anderem der Kaiser, sein Kriegsminister sowie der Generalfeldmarschall demonstrativ in die Ferien abgedampft. Der deutsche Kaiser missbilligte das absurde deutsch-österreichische Ferientheater zwar als "kindisch", spielte das Spielchen aber mit.

" Business as usual"

Ziel der Nordlandreise sowie der anderen Politiker-Urlaube: Der Welt sollte "Business as usual", friedliche Normalität vorgegaukelt werden. Nichts liege Wien und Berlin ferner als eine Eskalation der schwelenden Krise zu forcieren - hierin bestand die symbolische Botschaft des großen Ferien-Täuschungsmanövers.

Einer anderen Lesart zufolge ließ man den Kaiser womöglich reisen, "weil man glaubte, dass sich die Krise nach Sarajevo nicht zum Krieg entwickeln würde" - so die Einschätzung, die der Historiker Gerd Krumeich einestages gab. Und sicherlich war manch einer heilfroh, den in seinen Entscheidungen sprunghaften Kaiser weit weg zu wissen: Als am 25. Juli klar war, dass Serbien das Wiener Ultimatum nicht komplett akzeptieren würde, schlug der Reeder Albert Ballin vor, den Kaiser aus dem Urlaub zurückzuholen.

Auf gar keinen Fall, hieß es dazu aus dem Auswärtigen Amt: "Im Gegenteil", man solle, so Ballins Informant, "alles aufbieten, damit er (der Kaiser, Anm. d. Red.) mit seinen pazifistischen Gedanken nicht störend eingreife."

"Greuliches Bord-Tanzfest"

Trotz aller demonstrativen Urlaubslaune: Entspannte Ferien verbrachte keiner der Militärs und Politiker. Auch der kaiserliche Skandinavien-Törn war in jenem Juli 1914 kein Vergnügen. Anders als in den vergangenen Jahren fuhr die "Hohenzollern" nur bis zum norwegischen Balholm, etwa hundert Kilometer nördlich von Bergen, um ab dem 11. Juli dort zu ankern. Dadurch, so das Kalkül, wäre der Oberste Kriegsherr im Ernstfall in der Lage, binnen 22 Stunden die Häfen von Cuxhaven und Wilhelmshaven zu erreichen - bis Kiel hätte Wilhelm II. zwei Tage gebraucht.

Tag für Tag gingen auf der "Hohenzollern" Telegramme vom Auswärtigen Amt ein, die den Kaiser über die diplomatischen Verwicklungen informierten. Ungeduldig verfolgte Wilhelm II. das Vorgehen der Donaumonarchie gegenüber Serbien. Gleichzeitig bemühte sich der Kaiser, Belgrad gegenüber den Schein zu wahren: Am 11. Juli zerbrach er sich tatsächlich den Kopf darüber, ob es sich zieme, angesichts der Krise das alljährliche Geburtstagstelegramm an den serbischen König Peter I. abzuschicken.

Ausgelassene Ferienstimmung wollte an Bord der "Hohenzollern" nicht recht aufkommen. Moriz Freiherr von Lyncker, Chef des Militärkabinetts und ebenfalls an Bord der "Hohenzollern", schimpfte in einem Brief an seine Frau etwa über das "greuliche Bord-Tanzfest". Es sei wahrlich kein Spaß gewesen: "Bei der Hitze! Auf dem sonnigen Oberdeck von 5-8 Uhr rumstehen. Na! Ich danke."

Davon abgesehen, dass es "beinah täglich ein Gewitter" gebe, klagte Lyncker am 22. Juli, dass der Kaisertörn nun anfange, "gründlich langweilig zu werden." Der ebenfalls anwesende Admiral Georg Alexander von Müller, Chef des Marinekabinetts, wiederum konstatierte, dass die Spannung auf der "Hohenzollern" mit Übergabe des Ultimatums an Serbien "sichtlich" zunahm. Seinen Tagebuchaufzeichnungen zufolge drängte Müller den Kaiser förmlich zur Abreise.

Am Nachmittag des 25. Juli willigte der Monarch ein und ließ den Anker lichten - den genauen Wortlaut des Wiener Ultimatums hatte Wilhelm II. nicht aus Berlin, sondern erst aus der Zeitung erfahren. Lyncker war erleichtert, dem von Spannungen beschwerten Urlaubs-Zinnober endlich zu entrinnen: "Wir sind alle froh, dass es heimwärts geht. Vielleicht ist diese Heimfahrt auch für uns der erste Schritt zum Kriege."

Der Generaloberst sollte recht behalten: Am 28. Juli, einen Tag nach der Rückkehr Wilhelms II., erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Der Weltenbrand war entfacht.

Die Welt im Krieg
Die Fronten in Europa
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August 1914 - Die Besetzung Deutsch-Neuguineas

Auf Betreiben Großbritanniens bemächtigten sich australische und neuseeländische Truppen ab August 1914 der Samoa-Inseln, des Bismarck-Archipels und des Kaiser-Wilhelms-Landes auf Neuguinea. Japan besetzte die Marianen, Karolinen, Palau, Nauru und die Marshall-Inseln. Es war das Ende der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Corbis

August bis November 1914 - Belagerung von Tsingtau

Umkämpfter Handelsstützpunkt: "Die Zukunft liegt auf dem Wasser!", glaubte Kaiser Wilhelm II. schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und unterhielt deshalb unter anderem einen eigenen Hafen an der chinesischen Küste. Das 500 Quadratkilometer großes Pachtgebiet Kiautschou mit seinem Zentrum Tsingtau hatte schon seit längerem auch das Interesse Japans geweckt. Der Beginn des Krieges schien ein geeigneter Anlass, den Hafen unter Kontrolle zu bringen. Am 15. August 1914 stellte das mit Großbritannien verbündete Japan ein Ultimatum: Bis zum 23. August sollten die 180 Offiziere und 4550 Soldaten der deutschen Garnison das Gebiet geräumt übergeben. Das Deutsche Reich weigerte sich und riskierte eine Blockade - bis Briten und Japaner von der Landseite angriffen. Nach erbitterter Verteidigung kapitulierten die Deutschen am 7. November 1914. Rund 5000 Soldaten und Zivilisten gingen in japanische Kriegsgefangenschaft.

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8. Dezember 1914 - Seegefecht bei den Falkland-Inseln

Vernichtende Niederlage für das deutsche Geschwader: Bald nach Kriegsbeginn war für den Chef des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien, Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee, klar, dass der deutsche Stützpunkt in Tsingtau nicht zu halten war. Ohne Hafen wäre der Verband auch von einer Versorgung mit Kohle und Munition abgeschnitten. Der Kommandant entschloss sich daher zur Rückkehr nach Deutschland. Unterwegs versenkte der Kreuzerverband jedes alliierte Schiff, das in seine Nähe kam. Als das Geschwader am 7. Dezember die Falklands erreichte, plante Spee einen Angriff auf die britische Basis, um dessen Kohlevorräte zu übernehmen. Er merkte zu spät, dass die Briten Verstärkung bekommen hatten. Als der Kommandant abdrehte, nahm die Royal Navy die Verfolgung auf und holte die deutschen Kreuzer ein, von denen einzig der SMS "Dresden" die Flucht gelang. Rund 2200 deutsche Seeleute gingen mit den Schiffen unter, 215 wurden gerettet. Spee fiel im Gefecht auf dem Flaggschiff des Geschwaders, der SMS "Scharnhorst", mit ihm auch seine beiden Söhne Otto und Heinrich.

bpk

1916 bis 1918 - Feldzug in Ostafrika

Mit rund 220 weißen Offizieren und 2500 schwarzafrikanischen Soldaten hatte die kaiserliche Schutztruppe die Kolonie Deutsch-Ostafrika bis Ende 1915 erfolgreich verteidigt. Das änderte sich, als das isolierte Territorium im Frühjahr 1916 zeitgleich von britischen, belgischen und portugiesischen Truppen angegriffen wurde. Kommandant Paul von Lettow-Vorbeck sah sich einem gewaltigen militärischen Gegner gegenüber. Dennoch gelang es ihm, auch dank der Loyalität seiner Untergebenen, durch einen geschickten Guerillakrieg zumindest den Südosten der Kolonie bis zum November 1917 zu halten und auch danach einer offenen Niederlage zu entgehen. Die schließlich auf rund 150 Europäer und 1150 Afrikaner dezimierte Truppe - zuletzt ohne Kontakt zum Deutschen Reich - kapitulierte am 25. November 1918 nach Bekanntwerden des zwei Wochen zuvor in Europa geschlossenen Waffenstillstands.

Corbis

6. April 1917 - Kriegseintritt der USA

"Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten" - das war die Botschaft, mit der die Anhänger von US-Präsident Woodrow Wilson 1916 in den Wahlkampf für dessen zweite Amtszeit gingen. Ein Jahr später war diese Aussage nicht mehr zu halten: Das Deutsche Reich hatte im Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ausgerufen, womit potentiell auch jedem amerikanischen Schiff der Abschuss drohte. Am 6. April erklärten die USA, auch sie seien nun im Krieg mit Deutschland.

AP

28. Juni 1914 - Attentat von Sarajevo

Die Beziehungen unter den europäischen Großmächten waren längst angespannt, als sich die Krise auf dem Balkan noch verschärfte: In Bosnien-Herzegowina formierten sich nationalistische Gruppierungen, die die Herrschaft Österreichs über ihre Region beenden und einen Anschluss an Serbien erreichen wollten. Nach dem Attentat bosnischer Nationalisten auf den Thronfolger und Neffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph, Erzherzog Franz Ferdinand, am 28. Juni 1914 in Sarajevo, eskalierte die Situation innerhalb weniger Wochen. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg. Bereits einen Tag später beschossen die Truppen der Habsburger Regierung die serbische Hauptstadt Belgrad. Es war der Beginn des Ersten Weltkriegs, in den bald darauf auch die bereits hochgerüsteten Bündnispartner beider Seiten eingriffen.

bpk

29. Juli 1914 - Mobilmachung in Russland

Auf die Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien reagierte Serbiens Bündnispartner Russland unmittelbar: Bereits am nächsten Tag, dem 29. Juli 1914, erreichte Deutschlands Diplomaten die Nachricht, dass Russland die Mobilmachung seiner Streitkräfte gegen Österreich-Ungarn beschlossen habe. Das Deutsche Reich wiederum verwies auf seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Habsburgern und erklärte am Abend des 1. August seinerseits Russland den Krieg.

4. August 1914 - Kriegseintritt Großbritanniens

Als Lord Herbert Kitchener am 5. August 1914 seinen Dienst als neuer britischer Kriegsminister antrat, hatte Großbritannien keine Wehrpflicht. Tags zuvor aber hatte das britische Empire dem Deutschen Reich gerade offiziell den Krieg erklärt. Zur Unterstützung der französischen Truppen konnte es deshalb nur rund 80.000 Mann entsenden - während das deutsche Heer zu diesem Zeitpunkt etwa vier Millionen zählte. Innerhalb kürzester Zeit musste Kitchener Freiwillige für die Waffen gewinnen. Er tat dies mit einem Plakat, auf dem der Slogan "Britons wants you" und das schnauzbärtige Konterfei des Lord samt ausgestrecktem Finger zu sehen waren, der direkt auf den Betrachter wies. Die Kampagne verfehlte ihre Wirkung nicht, Hunderttausende fühlten sich angesprochen und folgten dem Aufruf.

August 1914 - Eroberung von Lüttich

Es sollte ein Handstreich werden - doch es wurde ein Himmelfahrtskommando: Anfang August 1914 besetzten deutsche Truppen Luxemburg, in der Folge rückten sie in Belgien ein. Die Eroberung der Stadt und Festung Lüttich, damals ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, sollte den kaiserlichen Streitkräften den Weg auf das westliche Ufer der Maas öffnen. Zwei Tage waren für die Einnahme geplant; es wurden fast zwei Wochen. Der deutsche Generalstab hatte die Gegenwehr der durch zwölf Forts geschützten Stadt unterschätzt. Nicht nur die belgische Armee, auch die Bevölkerung Lüttichs leistete heftigen Widerstand. Erst am 16. August fiel das letzte Fort in die Hände der Besatzer.

bpk

26. bis 30. August 1914 - Schlacht bei Tannenberg

153.000 Mann auf der deutschen - 191.000 Mann auf der russischen Seite: Trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit gingen die Truppen des Kaisers am 26. August 1914 nahe Allenstein, dem heutigen Olsztyn in Polen, in die Offensive. Das Deutsche Reich drängte nach Osten. Vier Tage später zählte das Heer 12.000 Mann Verluste, das russische Reich aber hatte rund 50.000 Tote zu beklagen, darüber hinaus 92.000 Gefangene und Verwundete. Mit überlegener operativer Führung hatten die Deutschen diese Schlacht für sich entschieden - ihre Propaganda machte daraus einen historischen Sieg: Sie benannten das Gemetzel bei Allenstein in "Schlacht bei Tannenberg" um - um vergessen zu machen, dass die eigentliche "Schlacht bei Tannenberg" im Jahre 1410 dem Heer des Deutschen Ordens eine schwere Niederlage gegenüber dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen eingebracht hatte.

Corbis

5. bis 12. September 1914 - Schlacht an der Marne

Frankreich-Plan gescheitert: Eine eilig zusammengestellte französisch-englische Gegenoffensive stoppte am 5. September 1914 den deutschen Vormarsch zwischen Paris und Verdun. Der überraschende Angriff riss eine etwa 40 Kilometer breite Lücke in die deutsche Front, in die die Alliierten vorstießen. Deutschen Truppen drohte die Einkesselung. Der Generalstabschef gab deshalb den Befehl zum Abbruch der Schlacht, seine Soldaten zogen sich hinter die Aisne zurück. Die Niederlage war ein erster Wendepunkt des Krieges: Der Plan der Heeresleitung, Frankreich in kurzer Zeit niederzuringen und die Kräfte danach im Osten zu konzentrieren, war nicht aufgegangen. Frankreich und England gewannen Zeit, ihre Truppen zu verstärken und die zahlenmäßige Überlegenheit der Deutschen auszugleichen. Die Front im Westen erstarrte zum Krieg in den Schützengräben.

bpk

Oktober/November 1914 - Erste Flandernschlacht

Schüler und Studenten an die Front: Nachdem der Versuch, Frankreich zügig einzunehmen, an der Marne gescheitert war, versuchten die deutschen Truppen ab Mitte Oktober 1914 immer wieder, die Verteidigungslinie der Gegner zu durchbrechen. Der Stellungskrieg konzentrierte sich im nordfranzösisch-niederbelgischen Grenzraum zwischen Nieuwpoort und Ypern. Bei den Vorstößen kamen schlecht ausgebildete Reservekorps aus jungen Kriegsfreiwilligen zum Einsatz. Die Zahl der Opfer war entsprechend hoch. Traurige Berühmtheit erlangte dabei besonders ein Gefecht nördlich von Ypern nahe der Ortschaft Bixschoote. Bei einem Sturmangriff auf gegnerische Stellungen starben allein am 10. November mehr als 2000 junge Soldaten - für einen nur geringen Geländegewinn. In der deutschen Propaganda aber las sich das verlustreiche Unterfangen so: "Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles' gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie." Weil Langemarck offenbar gewichtiger klang als Bixschoote und außerdem an Bismarck erinnerte, ging das Ereignis als Schlacht von Langemarck in die Geschichte ein. Die Kämpfe um Flandern indes brachten in diesem Herbst keine Endscheidung mehr und endeten mit einem militärischen Patt.

bpk

7. bis 25. Februar 1915 - Winterschlacht in den Masuren

Eisiger Gegner: Nachdem der deutsche Vorstoß nach Osten im Herbst 1914 mit einem militärischen Patt an der deutsch-russischen Front geendet hatte, begann das Deutsche Reich am 7. Februar 1915 eine neue Offensive. Seine Armeen waren verstärkt worden, wie eine Zange sollten sie die russischen Truppen südlich der Memel umschließen. In den zweiwöchigen Kämpfen drängten sie die russischen Verbände aus Ostpreußen - so schnell, dass sich rund 100.000 russische Soldaten nicht mehr rechtzeitig zurückziehen konnten und in Kriegsgefangenschaft gerieten. Doch viel weiter kamen die Deutschen nicht: Regen und Schneestürme behinderten ein schnelles Vorrücken mit schweren Geschützen. Russland blieb derweil Zeit, eine neue Frontlinie aufzubauen.

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März 1915 bis Dezember 1915 - Schlacht um Gallipoli

Kein Durchkommen: Ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich hatte den Mittelmächten einen strategisch bedeutsamen Vorteil beschert - die Kontrolle über die Meerenge der Dardanellen. Sie konnten damit sowohl der russischen Schwarzmeer-Flotte den Zugang zum Mittelmeer abschneiden, als auch verhindern, dass die Alliierten Russland auf diesem Weg zu Hilfe kamen. Die Entente wollte dies ändern: Im März 1915 griff die britisch-französische Flotte an und versuchte, den Durchbruch zu erzwingen. Doch das Unternehmen scheiterte unter hohen Verlusten an deutschen Minensperren und U-Booten. Am 25. April wagten die Alliierten einen neuen Versuch - unterstützt von der Schiffsartillerie landeten sie diesmal mit einem massiven Truppenaufgebot auf der felsigen Halbinsel Gallipoli. Mit dabei: Tausende Freiwillige aus Australien und Neuseeland. Für das Australian and New Zealand Army Corps (Anzac) war es die Feuertaufe in diesem Krieg, die sie mit hohen Verlusten bezahlten. Es begann zermürbende Grabenkämpfe, die über Monate Tausenden Soldaten das Leben kostete. Sie verbluteten oder gingen in der Hitze des Sommers an Ruhr- und Fieberepidemien zugrunde. Im Dezember gab die Entente ihr Vorhaben auf, weitere Kräfte wurden nun an der Westfront benötigt. Zu diesem Zeitpunkt zählte sie rund 140.000 Tote und Verwundete, die Verluste auf osmanischer Seite beliefen sich auf mehr als 200.000. Gallipoli blieb in der Hand ihrer Verteidiger.

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22. April bis 25. Mai 1915 - Zweite Flandernschlacht

Die Westfront war im Stellungskrieg erstarrt. Weder der Entente noch den Deutschen gelang ein Durchbruch. Im April 1915 versuchten es die Deutschen erneut - mit einer neuen Waffe. Der Französische Leutnant Jules-Henri Guntzberger, damals im Frontsektor nahe der Ortschaft Langemarck, erinnerte sich später so:

"Am 22. April gegen 17 Uhr machte mich einer meiner Soldaten auf Dampfwolken aufmerksam, die 70 bis 80 Meter vor der vordersten deutschen Grabenlinie aufstiegen. Ich entdeckte dann eine rund zehn Meter hohe grüne Wolke, die unten dicker war und am Boden haftete. Diese Wolke trieb der Wind auf uns zu. Fast augenblicklich glaubten wir zu ersticken (…). Wir mussten uns zurückziehen, wurden aber von der Wolke verfolgt. In diesem Moment sah ich mehrere Männer fallen. Einige standen wieder auf und liefen weiter, fielen erneut hin und gelangten so mit vielen Unterbrechungen bis zur zweiten Grabenreihe hinter dem Kanal. Dort hielten wir an, und die Männer ließen sich einfach fallen. Bis 3 Uhr morgens hörten sie nicht mehr auf zu husten und sich zu übergeben."

Auf einer Breite von sechs Kilometer hatten die Deutschen rund 180 Tonnen Chlorgas auf die französischen Stellungen abgeblasen - der erste Giftgaseinsatz des Krieges. Während die Franzosen flohen, rückten die Deutschen nach. Doch auch die zweite große Schlacht um Ypern wurde kein Durchbruch. Die Entente hielt mit massivem Aufgebot an Maschinengewehren, Handgranaten und Flammenwerfern dagegen. Als die Offensive am 25. Mai endete, betrugen die Verluste der Deutschen rund 35.000 Mann, auf alliierter Seite lag deren Zahl etwa doppelt so hoch.

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7. Mai 1915 - Versenkung des Luxusliners "Lusitania"

Als Reaktion auf die von den Briten verhängte Seeblockade hatte das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt. Schiffe der Feindstaaten, so hatte die Marineleitung am 22. Februar 1915 ihre Kapitäne angewiesen, seien ohne Vorwarnung zu torpedieren. Walter Schwieger, Kapitänleutnant auf U-20, entdeckte ein solches Schiff am 7. Mai 1915 um 14.20 Uhr vor der Südküste Irlands und nahm die Verfolgung auf. In sein Kriegstagebuch notierte er:

"Es erfolgt eine ungewöhnlich große Detonation mit einer sehr starken Sprengwolke weit über den vorderen Schornstein hinaus. Es muss zu der Explosion des Torpedos noch eine zweite hinzugekommen sein (Kessel oder Kohle oder Pulver?). Die Aufbauten über dem Treffpunkt und der Brücke werden auseinandergerissen. Es entsteht Feuer, der Qualm hüllt die hohe Brücke ein. Das Schiff stoppt sofort und bekommt sehr schnell große Schlagseite nach Steuerbord, gleichzeitig vorn tiefer tauchend. Es hat den Anschein, als wollte es in kurzer Zeit kentern (…). Das Schiff bläst ab; vorn wird der Name 'Lusitania' in goldenen Buchstaben sichtbar."

Als Kapitänleutnant Walter Schwieger gegen 16.15 Uhr erneut durch sein Periskop sah, war der aus New York kommende englische Passagierdampfer "Lusitania" verschwunden. Mit dem Untergang des Luxusliners starben 413 der 702 Besatzungsmitglieder und 785 der 1257 Passagiere, darunter auch viele Amerikaner. Der Vorfall verschlechterte die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA nachhaltig.

DER SPIEGEL

2. bis 4. Mai 1915 - Schlacht von Gorlice-Tarnów

Seltener Durchbruch: Dem vierstündigen Trommelfeuer am Morgen folgte der Sturmangriff der Infanterie auf die russischen Stellungen. Für die große Offensive am 2. Mai 1915 bei Gorlice-Tarnów in Galizien hatten sich die österreich-ungarischen und deutschen Truppen auf eine gigantische Materialschlacht eingestellt. 963 Geschütze und 96 Minenwerfer kamen zum Einsatz, während die gegnerische Seite über gerade einmal 350 Geschütze verfügte - und nach kurzer Zeit den Rückzug antrat, der eher einer Flucht ähnelte. Die Truppen der Mittelmächte drängten die russische Armee bis Mitte Juni rund 480 Kilometer zurück, doch trotz deren erheblicher Verluste - 100.000 Tote und 240.000 Gefangene - konnte von einem Sieg keine Rede sein.

AP

31. Mai/1. Juni 1916 - Seeschlacht am Skagerrak

Einmal und nie wieder: Der Ausgang war ungewiss, dennoch wagte es die deutsche Hochseeflotte Ende Mai 1916, die überlegende britische Grand Fleet herauszufordern - in der Hoffnung, die bedrückende und seit zwei Jahren währende britische Seeblockade zu beenden. Schauplatz dieser größten Seeschlacht des Ersten Weltkriegs war der Skagerrak, jener Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands und der Südküste Norwegens. Der Plan der Deutschen sah vor, die Briten zu provozieren, um sie mit Hilfe von U-Booten zu vernichten. Mit rund hundert Schiffen - vom Torpedoboot bis zum Schlachtschiff - und mehr als 45.000 Mann Besatzung war die Hochseeflotte von der Basis Wilhelmshaven ausgelaufen. Am 31. Mai 1916 um 15.48 Uhr eröffneten die deutschen Schlachtkreuzer das Feuer. Was man auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der erwartete Gegner war dank Luftaufklärung vorbereitet. Die Briten schickten ihrerseits 150 Schiffe mit rund 60.000 Mann Besatzung - und trafen auf einen schlagkräftigen Gegner. Am Ende hatten die Deutschen elf Schiffe und 2500 Mann verloren, die Briten rund 6000 Tote und den Verlust von 14 Schiffen zu beklagen. Von einer Vernichtung des Gegners konnte auf keiner Seite die Rede sein - doch mied man bis zum Ende des Krieges jede weitere Begegnung dieser Art in der Nordsee.

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Februar bis Dezember 1916 - Schlacht bei Verdun

Frankreich ausbluten: Im mittlerweile dritten Kriegsjahr suchte die Oberste Heeresleitung nach einer Entscheidung an der festgefahrenen Westfront. Ihr neuer Plan war der Angriff auf einen Ort, den die Franzosen mutmaßlich unter Ausschöpfung aller Reserven verteidigen würden: die Festungsbastion Verdun. Schon in den ersten Tagen des Angriffs im Februar 1916 befeuerten die deutschen Truppen die mit modernen Kanonen- und Maschinengewehrtürmen ausgebauten Forts mit rund zwei Millionen Granaten.

"Nun sind wir mitten drin in diesem ungeheuerlichsten aller Kriegstage. (…) Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturmes kann sich kein Mensch einen Begriff machen, der das nicht mitgemacht hat. (…) Wir sind heraußen wohl genau wie Ihr fiebrig gespannt auf den Ausgang dieses riesigen Kampfes, den Worte nie werden schildern können. Ich zweifle keine Minute an dem Fall von Verdun und dem darauf folgenden Einbruch in das Herz des Landes." Das schrieb Franz Marc, Mitbegründer der Malergruppe Blauer Reiter, in einem seiner letzten Briefe an seine Frau. Er fiel am 4. März 1916.

Die Verluste auf beiden Seiten während der ersten Monate der Schlacht waren so enorm, dass Kronprinz Wilhelm das Unternehmen eigentlich abbrechen wollte, die Heeresleitung jedoch nicht. Um die Deutschen wenigstens zu einem Teilabzug zu bewegen, starteten Briten und Franzosen im Juni parallel eine Offensive an der Somme. Tatsächlich zogen die Deutschen daraufhin ihre Reserven von Verdun ab, was den Franzosen die Gegenwehr erleichterte. Im Dezember war der anfängliche Frontverlauf beinahe wieder hergestellt und die Festung Verdun zurück in französischer Hand. Rund 143.000 Deutschen und 163.000 Franzosen hatte das sinnlose Unternehmen das Leben gekostet, einschließlich Verwundeter und Gefangener betrugen die Verluste insgesamt rund 700.000 Mann.

DPA

24. Juni bis 26. November 1916 - Schlacht an der Somme

Die größte und verlustreichste Schlacht des Krieges begann am 26. Juni 1916 an der Somme: Sie sollte die Verteidiger Verduns entlasten und die Mittelmächte bei gleichzeitigen Offensive im Osten zwischen den zwei Fronten zermürben. Dem siebentägigen Dauerbeschuss mit rund 1,5 Millionen Granaten seitens der Entente folgte der Angriff der britischen und französischen Truppen. Doch sie kamen nur langsam und mit hohen Verlusten vorwärts: Während der zwei Jahre, in denen die Deutschen an dieser Front ausharrten, hatten sie ihre Stellungen massiv ausgebaut. Die Vorwärtsdrängenden empfing Maschinengewehrfeuer. Selbst der erste britische Panzerangriff brachte keinen Durchbruch, und auch der letzte Großangriff der Franzosen im regnerischen November blieb erfolglos. Die Bilanz der vergangenen fünf Monate, während denen sich 2,5 Millionen Alliierte und 1,5 Millionen Deutsche gegenübergestanden hatten: Mehr als eine Million Soldaten waren tot, verwundet oder wurden vermisst.

bpk

Juni bis September 1916 - Brussilow-Offensive

Mittelmächte in der Mangel: Parallel zu den Kämpfen an der Westfront startete die russische Armee am 4. Juni an der Ostfront einen Großangriff auf rund 300 Kilometer Länge. Während der Hauptvorstoß im Norden erfolgte, sollte die Truppen des Generals Alexei Alexejewitsch Brussilow die österreich-ungarische Armee in Schach halten. Das tat sie aus militärischer Sicht sehr erfolgreich: Es gelang den Russen, die Ostfront der Mittelmächte im Süden um 50 bis 125 Kilometer zurückzudrängen - allerdings zu einem hohen Preis: Mit fast zwei Millionen Soldaten lagen die Verluste auf russischer Seite etwa doppelt so hoch wie auf der des Gegners.

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September bis Dezember 1916 - Feldzug gegen Rumänien

Ermutigt vom Erfolg des russischen Generals Brussilow und dessen Sieg über die österreich-ungarischen Truppen gab Rumänien im August 1916 seine Neutralität auf und schloss sich der Entente an. Für die Mittelmächte eröffnete sich damit eine neue Front: Die Rumänen überquerten die Karpaten und drangen in das von Ungarn verwaltete Siebenbürgen vor. Die deutschen und habsburgischen Verbände nutzten die Zwischenzeit, um eine neue Armee aufzustellen. Sie drängten die rumänischen Truppen schließlich bis weit in deren eigenes Territorium zurück und griffen zugleich von Bulgarien aus an. Ende 1916 war Rumänien zur Hälfte vom Feind besetzt, einschließlich der Hauptstadt Bukarest.

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31. Juli bis 10. November 1917 - Dritte Flandernschlacht

Das Ziel war weit gesteckt: Um Bewegung in das erstarrte Kräftemessen zu bringen, starteten die Briten im Juni 1917 den Versuch, deutsche U-Boot-Stützpunkte an der belgischen Küste zu zerstören. Mit einem Großbombardement eroberten sie die deutschen Stellungen nahe der Ortschaft Messines. Die Einnahme eines dortigen Höhenzuges verschaffte ihnen den nötigen Überblick zur Vorbereitung einer weiteren Offensive. Die Schlacht, die am 31. Juli begann und als Dritte Flandernschlacht in die Geschichte einging, sollte drei Monate später mit nicht viel mehr enden, als der Eroberung des Dörfchens Passchendaele. Für den lächerlichen Bodengewinn opferten die Briten rund 250.000 Mann.

"Es war mit grauenhafter Klarheit zu erkennen, dass Dutzende Schwerverwundete notgedrungen in den frischen Granattrichtern in Deckung gekrochen waren und dass rings um sie das Wasser stieg. Da keine Chance bestand, aus den Löchern herauszukommen, ertranken sie langsam" , notierte der britische Offizier Edward C. Vaughan kurz nach Beginn der Schlacht in sein Kriegstagebuch.

Auf deutscher Seite erlebte der Schriftsteller Ernst Jünger das Ereignis und resümierte später:

"Wir hatten in diesen Tagen wieder erschreckende Verluste an jungen Offizieren gehabt. Diese (…) Flandernschlacht war eintönig; sie vollzog sich in einem zähen, schlammigen Element, aber sie hatte einen starken Verzehr."

Rund 170.000 Soldaten fielen dabei auf deutscher Seite.

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20. November bis 7. Dezember 1917 - Schlacht bei Cambrai

Die Stadt Cambrai, rund 200 Kilometer nördlich von Paris, galt als strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt - seine Anbindung ans Schienennetz erlaubte den Alliierten eine neue Art der Kriegsführung: Mit rund 400 herangeschafften Panzern wollten die Briten die deutschen Stellungen überrollen, um die Gräben des überraschten Gegners anschließend zu stürmen. Tatsächlich gelang es den britischen Sturmtruppen bei ihrem Angriff am 20. November 1917, innerhalb weniger Stunden auf 15 Kilometer Breite rund zwölf Kilometer tief in den deutschen Raum vorzudringen. Doch die Euphorie hielt nicht lange vor: Es fehlte an Personal und Material, die Geländegewinne zu verteidigen. Der Panzernachschub stockte. Bis zum 6. Dezember hatten die Deutschen das Gebiet zurückerobert. Die erste große Panzeroffensive der Geschichte kostete rund 41.000 deutschen und 45.000 britischen Soldaten das Leben.

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Oktober bis Dezember 1917 - Zwölfte Isonzoschlacht

Elf Angriffe hatte Italien seit seinem Kriegseintritt 1915 im Grenzgebiet am Isonzo-Fluss gegen die Südfront der Mittelmächte unternommen - sie alle waren weitgehend erfolglos geblieben. Am 24. Oktober 1917 griffen die Italiener erneut an - dieses Mal mit der Hoffnung auf den entscheidenden Durchbruch, denn die österreich-ungarischen Truppen waren infolge hoher Verluste geschwächt. Doch entgegen den Erwartungen der Italiener bekamen sie Unterstützung von der deutschen Obersten Heeresleitung. Die ursprünglichen Angreifer waren einer solchen Übermacht nicht gewachsen. Dem sechsstündigen Trommelfeuer samt Giftgas-Beschuss folgte ein Sturmangriff der Mittelmächte, der die Verteidiger förmlich überrannte. Die italienischen Soldaten stoben davon. Wer konnte, versuchte dem Tod oder der Gefangennahme durch Flucht zu entgehen. Erst an der Piave gelang es Italien mit Hilfe britischer und französischer Truppen, den Durchmarsch aufzuhalten. Es war die letzte Schlacht am Isonzo - in die Geschichte Italiens ging sie als "Katastrophe von Caporetto" ein. 10.000 Italienern hatte sie das Leben gekostet, 30.000 waren verwundet und 293.000 gefangengenommen worden. Die Zahl der Toten, Verwundeten und Gefangenen auf der Seite des Gegners betrug insgesamt rund 65.000.

bpk / Geheimes Staatsarchiv, SPK

3. März 1918 - Friedensvertrag von Brest-Litowsk

Die Russen hatten genug vom Krieg: Die über Jahre währende Materialschlacht hatte das Agrarland an den Rand seiner Kräfte gebracht. Den kommunistischen Bolschewiki, die 1917 mit der Oktoberrevolution an die Macht gelangt waren, lag daran, Frieden mit den Mittelmächten zu schließen. Sie waren bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk sah die Abtretung riesiger Gebiete vor. Russland würde weit nach Osten gedrängt und fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren. Zuvor, am 9. Februar 1918, hatten die Mittelmächte bereits einen Friedensvertrag mit der Ukraine geschlossen, die sich darin zu Getreidelieferungen an Deutschland und Österreich-Ungarn verpflichtete.

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März/April 1918 - Michael-Offensive

Das letzte Aufgebot: Ermutigt vom Friedensschluss mit Russland und den Reserven aus dem Osten hofften die Mittelmächte, mit einer großen Frühjahrsoffensive den Krieg an der Westfront endgültig für sich zu entscheiden. Die Operation "Michael" sollte einen Keil zwischen die französischen und britischen Truppen an der Alliierten Front treiben. Bereits am Abend des 23. März jubelte Kaiser Wilhelm II: "Die Schlacht ist gewonnen, die Engländer total geschlagen." Doch der Vorstoß zwischen der Gemeinde Arras und dem Fluss Oise stoppte, bevor die deutschen Truppen den Eisenbahnknotenpunkt Amiens einnehmen konnten. Die Verluste auf deutscher Seite: 240.000 Mann, auf alliierter: 255.000.

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8. bis 11. August 1918 - Schlacht bei Amiens

Die deutsche Frühjahrsoffensive hatte ihr Ziel, die Einnahme der Stadt Amiens, verfehlt. Stattdessen konterte die britische Armee am 8. August 1918 ihrerseits mit einem Großangriff. General Ludendorff sollte danach von einem "schwarzen Tag des deutschen Heeres" sprechen. Seine Truppen wurden zurückgedrängt, verloren allein an diesem einen Tag 27.000 Mann. Obwohl die Alliierten ihre Angriffe fünf Tage später einstellten, war die Schlacht bei Amiens für die Mittelmächte der Anfang vom Ende. Für ihre Gegner war es der Auftakt zur sogenannten Hunderttageoffensive, die schließlich mit dem Waffenstillstand am 11. November endete.

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11. November 1918 - Waffenstillstand von Compiègne

Ende September schien die Situation für die deutsche Oberste Heeresleitung aussichtslos. Die Alliierten starteten einen neuen Großangriff, Bündnispartner Bulgarien hatte kapituliert, und der Unmut in der deutschen Zivilbevölkerung wie im Heer war nicht mehr zu ignorieren. Doch statt die Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen, sollte die zivile parlamentarische Regierung die Verhandlungen mit dem Gegner aufnehmen. Sie begannen am Morgen des 8. November in einem Salonwagen der Eisenbahn im Wald bei Compiègne. Doch zu verhandeln gab es nicht viel: Die Vertreter der Entente verlasen die Bedingungen für einen Waffenstillstand. Die deutsche Delegation hatte ihrerseits den Auftrag, den Krieg unter allen Umständen zu beenden. Drei Tage später stimmte sie dem Vertrag zu, der den Friedensschluss von Brest-Litowsk samt Russlands großzügigen Gebietsabtretungen zu nichte machte. Stattdessen sah er den Abzug des deutschen Heeres über den Rhein innerhalb von 31 Tagen vor, regelte den Schadensersatz und gestattete den Alliierten die Besetzung von Mainz, Koblenz und Köln. Die Vereinbarung trat noch am gleichen Tag in Kraft. Am 11. November um 11 Uhr vormittags ruhten die Waffen; die Gefechte waren eingestellt.

Quellen:
Bruno Cabanes/Anne Duménil: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe, Theiss 2013
Markus Pöhlmann/Harald Potempa/Thomas Vogel (Herausgeber): Der Erste Weltkrieg 1914-1918. Der deutsche Aufmarsch in ein kriegerisches Jahrhundert. Bucher Verlag, München 2014.
Deutsches Historisches Museum: Der Erste Weltkrieg
Martin Gilbert: Routledge Atlas of the First World War, Taylor & Francis 2008
Arthur S. Banks, A Military Atlas of the First World War, Pen & Sword 1997
Großer Historischer Weltatlas, Neuzeit, Bayrischer Schulbuch-Verlag, 1981
Der Große Ploetz Atlas zur Weltgeschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, 2009



insgesamt 4 Beiträge
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Karl Bund, 10.07.2014
1. Ach, liebe Katja Iken,
es ist schon nicht einfach mit diesem Kaiser Wilhelm zwo! Was nun? Entweder "rauschte er ab in die Sommerfrische" (und zeigte damit ein vergnügungssüchtiges Fluchtverhalten vor der Realität) oder er "musste regelrecht aus Berlin fortgescheucht" werden (und zeigte damit, dass er den Ernst der Lage erkannt hatte). Aber das ist ja alles egal, Hauptsache man hat einen Hau-den-Lukas zum Draufschlagen. Und dann: Alle führenden Repräsentanten der "Mittelmächte" (einschließlich des Chefs des deutschen Generalstabes) fehlen wochenlang! - Ja, wobei? Bei der Kriegsvorbereitung, müsste man ja wohl ergänzen. Nur passt das leider nicht ins Bild von den kriegslüsternen Deutschen und Österreichern, die ja nur "friedlichen Alltag vortäuschen" wollten, wie Sie schreiben, um möglichst ungestört den Angriffskrieg planen zu können. Ja bitte, wer sollte ihn denn planen? Die Oberbefehlshaber? Die Generalstabschefs? Die Kriegsminister? Wie Sie richtig schreiben: Alle in Urlaub! Aber solche Widersprüche stören nicht mehr, und es breitet sich ein wohliges Gefühl im Hirn und im Magen aus, wenn wir auf der Schaumwolke des Willy-Bashings weiterschweben dürfen... Danke, Frau Iken!
Horst Schott, 10.07.2014
2. Wann begann in Rußland die Mobilmachung ?
In der Grafik wird interaktiv der 29.Juli als Beginn derrussischen Mobilmachung genannt. Neuere Untersuchungen von Historikern weisen auf frühere(Teil)Mobilmachungen in Rußland hin, bereits vor den Terminen der ausgesprochenen ultimativen Forderungen seitens Österreichs bzw. Antwort Serbiens dazu. Das konnte als beginnende Kriegsaktion gegen Österreich interpretiert werden.
cwernecke, 10.07.2014
3. Propaganda von einst
So wird Geschichte geschrieben, ob sie nun wahr ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wenn die deutsche Reichsregierung bemüht war, die Juli-Krise nicht ausarten zu lassen, so ist das für andere der Hinweis auf ein Täuschungsmanöver zur Vorbereitung des Krieges. Dabei ist das Stillhalten vor Ausbruch eines angeblich geplanten Krieges so ungefähr das Dümmste, was man tun kann, denn man verliert sehr viel Zeit, die man für die Vorbereitungen zum Aufmarsch dringend benötigt. Im Gegensazu dazu haben die Briten im gleichen Zeitraum ihr Flottenmanöver einfach weiterlaufen lassen und waren gut vorbereitet, als der Seekrieg begann. Es ist wirklich absurd, den Spieß umzudrehen und den Deutschen zu unterstellen, dass sie den Krieg wollten. Aber da kann man sich dem Mund fusselig reden, gegen die Propaganda von einst scheint keint Kaut gewachsen. Der Autor schreibt nur fleißig ab, was schon damals falsch war.
Manfred Wolff, 11.07.2014
4. Urlaub vorm Weltenbrand?
Diese Reise war keinesfalls "absurdes Ferientheater" wie der Artikel nahe legt. Vielmehr ging es Wilhelm II wohl eher darum, bei all der aufgeregten Kriegsgeilheit zahlreicher Militärs auf allen Seiten selber demonstrativ defensiv zu wirken. Dies wäre vergleichbar mit dem überraschenden und demonstrativen Ranch-Herbsturlaub von Ronald Reagan 08.-10.11.1983 als die Welt ebenso aufgeheizt durch geile Kriegstreiber, vor allem im KGB, kurz vor einem Atomkrieg stand. 1983 wurde so auch mithilfe eines demonstrativen Urlaubs des Top-Staatsmannes Druck aus dem Kessel gelassen. Wilhelm II in 1914 aus der gemütlichen Sessellage unseres Neumilleniums nur Dummheit zu unterstellen halte ich persönlich für vermessen. Die kurze Zeit später folgende Kriegsankündigung im O-Ton: "So soll nun - das Schwert entscheiden..." klingt für mich persönlich, zumindest dort, auch nicht gerade nach spontaner Begeisterung.
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