Star Trek Die Welt zu Gast auf der Enterprise

Von wegen Rassentrennung und eiserner Vorhang! Als 1966 erstmals "Star Trek" ausgestrahlt wurde, war die Science-Fiction-Serie ihrer Zeit weit voraus: Es gab einen freundlichen Russen an Bord der "Enterprise" und eine schwarze Frau in einer Führungsposition - die nur mitspielte, weil Martin Luther King sie persönlich darum bat.

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"Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um fremde Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."

Wir schreiben das Jahr 2007 und es ist fast vierzig Jahre her, dass diese Worte das erste Mal in Deutschland zu hören waren. Die Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" - im amerikanischen Original "Star Trek" - entführte ihre Fans Woche für Woche in ferne Galaxien, zeigte ihnen fantastische Technik vom Phaser, der Energiestrahlen verschießen konnte, bis zum Tricorder, einem blinkenden Messgerät.

Die Welt zu Gast auf der Enterprise

Nun waren Science-Fiction-Serien in den Sechziger Jahren nichts ungewöhnliches, aber die von Gene Roddenberry produzierte Serie war in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Neben der guten Unterhaltung war sie in mancher Hinsicht geradezu radikal fortschrittlich. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenz-Produktionen lag der Schwerpunkt nicht auf dem Kampf gegen bösartige Außerirdische, sondern auf einer Zusammenarbeit zwischen Menschen und anderen Zivilisationen, die unterwegs waren, um den Weltraum auf friedlichem Wege zu erkunden.

Die Crew auf der Brücke setzte sich aus einem Amerikaner (Captain James Tiberius Kirk), einem Asiaten (Steuermann Hikaru Sulu), einer Afrikanerin (Kommunikationsoffizierin Uhura), einem Schotten (Ingenieur Montgomery Scott) und einem Russen (Navigator Pavel Chekow) zusammen. Heute würde das niemanden mehr aufregen, mitten im kalten Krieg war es aber außergewöhnlich, dass ein Russe friedlich mit Amerikanern zusammen arbeitete. Mindestens ebenso außergewöhnlich war die Mitarbeit von Uhura - sie war eine Frau und sie war schwarz. Einige Fernsehsender im Süden der USA weigerten sich deshalb sogar, die Serie auszustrahlen. Sie sahen sich in ihrer Ansicht bestätigt, als 1968 zum ersten Mal ein Kuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen (Uhura und Kirk) im Fernsehen zu sehen war.

Welche Bedeutung die Rolle der Uhura in den Siebziger Jahren für die Afro-Amerikaner hatte, kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Schon wenige Monate nach dem Start der Serie wollte Nichelle Nichols allerdings, die Rolle der Uhura niederlegen, weil sie sich unterfordert fühlte. Der berühmte Bürgerrechtler Martin Luther King persönlich überredete sie dazu, "Raumschiff Enterprise" treu zu bleiben. Er war nicht der einzige Fan: Als NBC die Serie nach der ersten Staffel wegen geringer Einschaltquoten absetzen wollte, überschütteten die Fans den Sender mit Protestbriefen, die NBC zu einer Verlängerung veranlassten.

Isaac Asimov war Fan

In den folgenden Jahren entwickelte sich ein wahrer "Star Trek"-Kult. Die "Conventions" genannten Treffen zogen Tausende von Fans an, die oft verkleidet erschienen, um ihre Verbundenheit mit einer bestimmten Figur zu betonen. Zu den weiteren prominenten Fans gehörten unter anderem der NASA-Manager Jesco von Puttkamer, der als technischer Berater am ersten "Star Trek"-Film mitarbeitete und der bekannte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov.

Neben der Rassentrennung wurden auch der Vietnamkrieg in der Folge "Der erste Krieg" und die Drogensucht in der Folge "Falsche Paradiese" thematisiert. Die Autoren wurden seinerzeit dafür kritisiert, dass sie die Themen nicht ernst und tiefschürfend genug behandelt hätten. Aber für eine Fernsehserie, die pro Folge nur 45 Minuten dauert und die sich zudem mit der Zukunft beschäftigt, war es schon bemerkenswert, dass derartige Themen überhaupt behandelt wurden.

Im Übrigen bot Raumschiff Enterprise gute Unterhaltung, war manchmal komisch wie in "Immer Ärger mit den Tribbels" und konnte doch auf die Kriegshandlungen nicht ganz verzichten - die Föderation, zu der Menschen und Vulkanier gehören, befand sich im Krieg mit Klingonen und Romulanern. Captain Kirk und seine Leute mussten Photonentorpedos, Phaser und manches Mal auch List und Tücke einsetzen, um die Feinde zu besiegen. Überflüssig zu erwähnen, dass sie immer gewonnen haben. Zumindest in dieser Hinsicht ist "Raumschiff Enterprise" eben doch eine typische Actionserie.

Im Netz hießen alle "Mr. Spock"

Insbesondere in den frühen Jahren des Internet - damals, als wir noch unsere Telefonhörer umgekehrt auf das Modem legten - erfreute sich der Nickname "Spock" oder "Mr. Spock" auf Grund der Logik und der überragenden Computerkenntnisse des Vulkaniers besonderer Beliebtheit. Legendär sind die Rededuelle, die der stets logische und unerschütterliche erste Offizier mit dem Bordarzt, dem gefühlsbetonten Bordarzt Dr. Leonard "Pille" McCoy führte. Spocks gehobene Augenbraue und der Ausspruch "Faszinierend" sind legendär.

Ebenso unvergesslich für alle Fans ist McCoys Antwort auf Kirks Frage, ob er eine Horta heilen könne, ein Lebewesen, das sich beträchtlich von Menschen oder Vulkaniern unterscheidet: "Ich bin Arzt und kein Klempner!" Spock sollte als Vulkanier eigentlich keine Gefühle zeigen, er ist jedoch zur Hälfte Mensch, weil seine Mutter von der Erde stammt. So lauerte die Besatzung der Enterprise und mit ihr die Zuschauer immer darauf, dass Spock eben doch mal eine Regung zeigt.

Allein mit den Charakteren der originalen Enterprise-Crew wurden sechs Filme gedreht. Weitere Serien und Filme schlossen sich an und noch heute sorgt die große Fangemeinde dafür, dass die Reise der Enterprise weitergeht - dorthin "wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist."



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Paul Ney, 28.06.2008
1.
Da hat mir der Bericht gefallen! Auch ich war/bin Fan und mein Ideal bzw. Identifikationsfigur war Mr. Spok: always the best and second-in-command. Originell war auch der als rätselhaft gehaltene Vulkanier-Gruß, mit den eigenartig gespreizten Fingern einer Hand. Dafür gibt es auch irdische Belege, z.B. auf Grabsteinen. Z.B. das Bild http://www.alemannia-judaica.de/images/Images1/Baisingen_Friedhof_154_small.jpg zeigt genau diesen Gruß. Den Hinweis möchte ich doch hier posten, nicht im einestages-Fundbüro. War eigentlich diese Herkunft des Volkan-Grußes bekannt, weiß jemand mehr darüber? Vielleicht wußte Mr. Spok (der irdische Darsteller) die Herkunft des Grußes? Zum Absatz "Die Crew auf der Brücke setzte sich aus ... zusammen": Fehlt da nicht genau Mr. Spok, als Wissenschaftsoffizier? Zum schönen Geschlecht in Star Trek kann man auch etwas sagen!!! Das Raumschiff erinnert an ein gewisses Paradies, wo die weiblichen Crew-Mitglieder alle bloß ein Hemdchen und enge Strumpfhosen trugen... Das hatte etwas auch mit dem Geist der Zeit -- nicht 2020, sondern 1966! -- zu tun... Spätere Star Trek Reihen zeigten alle -- Frauen und Männer -- in Uniform.
Florian Heiser, 04.05.2009
2.
Sehr guter Text! Als Folge der aktullen Veröffentlichungen - der neue Kinofilm, die Originalserie remastered auf DVD und Blu-ray - hatte ich auch drüber nachgedacht, einen Text zu "Star Trek" zu schreiben. Aber ich glaube, da kann ich nicht mehr viel ergänzen. Wahrscheinlich hätte ich sogar weniger Infos zusammengetragen... Naja, so bleibt mir mehr Zeit mit den Folgen der ersten Staffel auf Blu-ray. :-)
Lutger Wegnam, 27.02.2015
3. Leb wohl!
Ein ganz, ganz Großer, nicht nur wegen Spock... bei weitem nicht. Aber das weitere Schaffen dieses Großartigen Mannes darf und soll jüngeren Leuten zu entdecken bleiben! Leb wohl und Rest in Peace!!!
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