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06. Juni 2013, 09:40 Uhr

Tierarten mit prominenten Namen

Ein Käfer namens Hitler

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Was hat Schauspieler Harrison Ford mit einer achtäugigen Spinne gemein? Forschung mag oft trocken sein, doch bei der Taufe neuer Arten flippt mancher Wissenschaftler aus - im Tierreich wimmelt es von Prominenz. Eine Übersicht.

Schenkt man Hollywood Glauben, ist das Forscherleben aufregend. Schauspielveteran Harrison Ford etwa kämpft sich als Archäologe seit 1981 in den "Indiana Jones"-Filmen durch dicht bewachsene Urwälder und düstere Katakomben. Nicht unwahrscheinlich, dass diese Leinwandphantasie manch jüngeren Zuschauer dazu inspiriert hat, eine Karriere in der Wissenschaft einzuschlagen.

Die Realität des Forscheralltags sieht jedoch oftmals ganz anders aus: Monate werden mit dem Warten auf winzige Resultate verbracht - mal unter der surrenden Neonbeleuchtung im Labor, mal in freier Natur. Es geht um Routine, Beharrlichkeit und Akribie.

Norman I. Platnick vom American Museum of Natural History kann davon ein Lied singen. Der Zoologe hat sein Leben den Spinnen gewidmet. Viele seiner Krabbeltiere sind derart klein, dass man sie mit bloßen Augen leicht übersehen kann. Andere wiederum sind bereits bekannten Arten so ähnlich, dass erst eine genaue Analyse unter dem Mikroskop offenbart, ob es sich um eine bisher unentdeckte Spezies handelt.

Langweilig findet Platnick seine Arbeit dennoch nicht. "Jeden Tag sehe ich Dinge, die noch kein Mensch vor mir gesehen hat", sagt er. "Das ist ziemlich cool". Als ihm 1993 das Exemplar einer besonders seltenen Spinnenart in das Sammelglas fiel, taufte er sie auf den Namen Calponia harrisonfordi. Warum? Weder war Platnick von den "Indiana Jones"-Filmen besessen, noch wies das Tier mit seinen acht Beinen und eben so vielen Augen Ähnlichkeiten mit Harrison Ford auf.

Freiheit bei der Namenswahl

Wohl aber hatte sich der Schauspieler bereits mehrfach um den Artenschutz und die Arbeit des Naturkundemuseums verdient gemacht. So hatte er unter anderem den Text eines Dokumentarfilms eingesprochen, der im Museum of Natural History zu sehen ist. Und das, so fand Platnick, war eine nach Ford benannte Spinnenart allemal wert.

Obwohl die Namensgebung neu entdeckter Arten nach strengen Regeln erfolgt, handelt es sich um einen der wenigen Bereiche, in denen auch in der Wissenschaft ein gewisses Maß künstlerischer Freiheit herrscht. Wer beispielsweise eine neue Insektenart entdeckt hat - und sei sie noch so klein - darf sie nach einer Person seiner Wahl benennen.

Viele taufen ihre Entdeckung auf den Namen eines Forscherkollegens. Andere widmen sie einer bedeutenden Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben. Nicht selten scheint dabei der Musikgeschmack oder die politische Gesinnung des Finders durch. Meeresschnecken werden zu Profisportlern. Und Spinnen zu Popstars. einestages zeigt die bemerkenswertesten Tierarten und ihre menschlichen Namensverwandten.

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