Treffen der Giganten MfG - Mit feurigem Gasfuß

"LANGSAMER!" Wenn Smudo Gas gibt, fürchtet Michael Schumacher um sein Leben. Vor neun Jahren führte Stéfan P. Dressel den HipHop-Star und der Formel-1-Weltmeister zu einem Gespräch und ein paar Runden auf der Ferrari-Teststrecke zusammen. Es wurde die Begegnung zweier Welten.

Andreas Beil

Smudos Augen leuchteten. Gerade hatte Michael Schumacher ihn eingeladen, auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano ein paar Runden zu drehen. Nachdem Schumacher mit ihm die Strecke einmal abgefahren war, überließ er Smudo das Steuer, und beide rauschten in einem irrsinnigen Tempo über die Teststrecke.

Später sollte der Rap-Star erzählen, dass dieser Moment für ihn wie Weihnachten war, als er seine erste elektrische Eisenbahn geschenkt bekam. Nur besser. "Gibt es etwas Schöneres, als in Maranello, dem Herzen von Ferrari, im Maserati mit Michael Schumacher, dem besten Fahrer der Welt, neben sich auf dem Beifahrersitz die Teststrecke entlang zu brettern? Und dann mit Vollspeed in die Kurven zu gehen und Schumacher sagen zu hören: "Langsam, langsam, LANGSAM!"

Dabei drückten Smudos erste Worte bei unserem Eintreffen auf dem Ferrari-Testgelände vor allem Bedauern aus. "Schumi ist doch eine arme Sau", sagte er, als wir mit unserem Leihwagen das Ferrari-Testgelände in Fiorano, kurz vor Maranello, passierten. "Bei dem Wetter im feuerfesten Anzug im Cockpit. Da schwitzt man doch wie ein Schwein. Kein Wunder, das der so dürr ist."

Endlich mal kein lästiges Pflicht-Interview

Dass Smudo und ich hier überhaupt herumfuhren, war einer Bierlaune zu verdanken. Was haben sich Michael Schumacher und Rapper Smudo, der bürgerlich Michael Schmidt heißt und bei den Fantastischen Vier den Ton angibt, zu sagen? Die Idee zu einem Treffen zwischen den beiden entstand bei einem Gespräch mit Freunden - und fiel bei beiden Prominenten auf fruchtbaren Boden.

Smudo, der ohnehin ein Freund PS-starker Wagen ist, Motorrad fährt und selbst bei Rennen wie beispielsweise dem Porsche-Pirelli- und VW-New-Beetle-Cup an den Start geht, sagte - unabhängig vom Termin - sofort zu. Die Formel 1 verfolgte der HipHop-Star regelmäßig bei Premiere und war "im Stoff". Auch Michael Schumacher war von der Idee, sich mit einem prominenten Kollegen auszutauschen, begeistert: "Weil das Gespräch einen anderen Ansatz verfolgte", wie er sagte.

Normale Interviews waren für den Kerpener längst zur lästigen Pflicht geworden. "Die Reporter stellen immer dieselben Fragen, auf die ich immer dieselben Antworten habe", sagt er. Kein Wunder, dass sich der Weltmeister medial nur auf das nötigste beschränkte.

Verspätung wegen Horrorcrash

Angedacht war das Gespräch bereits ein Jahr zuvor, direkt im Anschluss an das Rennen in Silverstone am 11. Juli 1999 - doch damals raste Schumi 38 Sekunden nach dem Start mit Tempo 107 ungebremst in einen Reifenstapel. Diagnose: Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins. Damit lag nicht nur Schumacher, sondern auch unser Zusammentreffen erst einmal auf Eis.

Knapp ein Jahr später war es dann endlich so weit. Sabine Kehm, Schumachers Medienberaterin, nahm uns am Eingangstor in Empfang und lotste uns auf die schwerbewachte Teststrecke der Scuderia. Schumacher selbst war noch beim Training, wir hatten also noch Zeit und besichtigten das kleine Ferrari-Museum, das inmitten des Geländes im ehemaligen Wohnhaus von Enzo Ferrari untergebracht war.

Während im Erdgeschoss die ruhmreiche Rennsport-Geschichte Ferraris nachgezeichnet wurde und etliche Pokale zu sehen waren, befanden sich im ersten Stock die Ruheräume der Piloten, die sie gelegentlich zwischen den Testfahrten nutzten. Als Rennsportfan im Allerheiligsten von Ferrari zu stehen, bereitete dem HipHop-Star schon sichtliches Vergnügen - die Zimmer mit ihren einfachen Holzmöbeln und dem Linoleumboden strahlten den zweckmäßigen Charme einer Jugendherberge aus.

Der Rap-Star, ein kleines bisschen aufgeregt

Im Hof kam es kurz darauf zu einem ersten Aufeinandertreffen. Im feuerfesten Overall begrüßte uns Michael Schumacher freundlich und mit festem Händedruck. Seine Haare waren noch schweißnass und vom Helm an den Kopf gedrückt. Smudo, sonst nie verlegen, war tatsächlich ein bisschen aufgeregt.

Wir vereinbarten ein Treffen um die Mittagszeit im Restaurant "Montana" - das lag auf dem Werksgelände und wurde von den Ferrari-Technikern und Monteuren als eine Art Kantine genutzt. Bevor er jedoch zurück zum Training musste, wollte sich Schumacher von den Rennsport-Qualitäten Smudos ein Bild machen. Und lud ihn vorher noch zu jener denkwürdigen Ausfahrt im Maserati des damaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt ein.

Anschließend setzten wir uns auf die kleine, verwitterte Holztribüne neben Enzo Ferraris Haus und schauten Schumacher zu, wie er den Formel-1-Boliden immer wieder beschleunigte und abbremste. Hier saß auch der Ferrari-Patriarch zu Lebzeiten gern und schaute seinen Piloten bei den Testfahrten zu. Noch lieber ließ er aber seine Piloten nachts antreten und ihre Runden auf der Teststrecke zu ziehen. So musste beispielsweise Niki Lauda einmal die ganze Nacht durchfahren - Ferrari wollte beim Liebesspiel nicht auf das Geräusch eines beschleunigenden Boliden verzichten. So sagt es die Legende.

Freundliche Atmosphäre trotz Flucht in Phrasen

Als wir uns mittags wie verabredet im "Montana" trafen, verlief das Gespräch zwar in einer freundlichen Atmosphäre - jedoch waren die Unterschiede zwischen den beiden Stars überdeutlich. Hier der verschlossene, introvertierte Weltmeister, der sich allzu gern in Phrasen rettete, wenn es um die Beantwortung der Fragen ging. Dort der hochmotivierte und nie um einen coolen Spruch verlegene Rapper, der mehrfach am Versuch, Schumacher aus der Reserve zu locken, verzweifelte.

Die Atmosphäre war geprägt von gegenseitigem Respekt (vor allem die Tatsache, das Smudo lediglich über eine Computersimulation und Fachliteratur den Einstieg in den Motorsport fand, beeindruckte Schumacher. Von der Testfahrt in Todts Maserati ganz zu schweigen), aber intensiv war das Gespräch nicht. Dafür war die Zeit von einer Stunde zu knapp bemessen. An Schumacher biss sich selbst ein phantasievoller Wortakrobat wie Smudo die Zähne aus.

Während dieser sich glänzend auf sein Gegenüber eingestellt hatte, war Schumacher uninformiert, was das Werk Smudos und der Fantastischen Vier anging. Zwar hatte ich dem Weltmeister vorab alle Platten und die Songtexte zukommen lassen, doch gehört hatte er die CDs nicht. Nur "Die da", der erste Hit der Fanta Vier, war ihm ein Begriff. Zudem outete sich Schumi als Fan von Phil Collins, Tina Turner und "Kuschelrock"-Compilations - was dem HipHopper ein kaum wahrnehmbares Schmunzeln entlockte. Dieser eine Moment sagte mehr über den Menschen Schumacher aus als das, was er mitunter von sich gab, wie Smudo später sagte.

Als das Gespräch beendet war und wir uns voneinander verabschiedet hatten, lag ein wenig Enttäuschung in der Luft. Es war offensichtlich, dass sich der Mensch Smudo den Menschen Schumi anders vorgestellt hatte. "Der Mann hat ja eine regelrechte Mauer um sich gebaut."

insgesamt 3 Beiträge
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Manfred Thoma, 22.10.2009
1.
Wer veröffentlicht denn bitte so was? Das interessiert keinen, aber auch gar keinen Menschen. Der hochmotivierte wirklich nie um einen "coolen Spruch" verlegene Wortakrobat Smudo, der sich perfekt auf sein Gegenüber eingestellt hatte, redet eine Stunde lang mit dem verschlossenen, introvertierten Weltmeister. WOW!! DAS ist kollektiv gesammelte Zeitgeschichte.
Anton Flimm, 22.10.2009
2.
Was ist das denn? Viel geschrieben, nichts gesagt. Einige der Bilder sind spiegelverkehrt. Sabine Kehm ist nicht "Schumachers Managerin" gewesen und Herr S. ist auch nicht blond, wie man auf den Bildern gut sehen kann. ("Die blonden Haare waren noch schweißnass und vom Helm an den Kopf gedrückt.")
Christian Schüpf, 23.10.2009
3.
"Wer veröffentlicht denn bitte so was? Das interessiert keinen, aber auch gar keinen Menschen" die idee, diese beiden unterschiedlichen charaktere einmal zusammen zu bringen ist doch sehr interessant... der stil des textes erinnert mich ein wenig an den, des "gonzo" journalismus
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