TV-Anwälte Die Geschichte des Perry Mason

Er ist der Großvater aller TV-Anwälte: Perry Mason löste ab 1957 in über 270 Folgen der gleichnamigen Serie die vetracktesten Fälle - meist rettete er eine unschuldig angeklagte Schönheit vor dem Knast. Erstaunlich, dass der Klassiker erst in den neunziger Jahren im deutschen Fernsehen Fuß fasste.


Es ist die Anwaltsserie, die am längsten im US-amerikanischen Fernsehen läuft und sogar Studenten inspiriert haben soll, selbst Anwalt zu werden: "Perry Mason". Andere Anwaltsserien wie "L.A. Law" oder "Ein Fall für Zwei" dürften durch den Klassiker inspiriert worden sein. Erschaffen wurde der Charakter Perry Mason von Erle Stanley Gardner, in dessen Novelle "The Case of the Velvet Claws" von 1933 Mason seinen ersten Kurzauftritt hatte.

Darauf folgten sechs Kinofilme mit Mason und eine Hörspielreihe im Radio, die man als Detektiv-Seifenoper titulieren kann, und die von 1944 bis 1955 werktäglich im Radiosender CBS lief. Als Perry Mason dann 1957 zur Hauptfigur der gleichnamigen TV-Serie wurde, benannte man die Radio-Soap in "The Edge of the Night" um. Auch die Charaktere bekamen andere Namen, damit sich Radio und TV keine Konkurrenz machen konnten.

Den TV-Seriencharakter spielte Raymond Burr, auch bekannt aus der Fernsehserie "Der Chef". Der Anwalt Perry Mason tritt in der Regel für unschuldige Angeklagte ein, die eines Mordes bezichtigt werden. Dabei bekommt Mason tatkräftige Unterstützung durch seine Assistentin Della Street, gespielt von Barbara Hale, sowie durch den Detektiv Paul Drake (William Hopper). Gemeinsam versuchen sie, die Unschuld der Verdächtigen zu beweisen und die wahren Täter zu schnappen, wobei das Finale der einzelnen Folgen meist vor Gericht stattfindet, wo Staatsanwalt Hamilton Burger (William Talman) auf sie wartet.

Puzzlestücke, immer wieder neu arrangiert

Die Abfolge der Folgen ist somit oft sehr ähnlich, zumal die unschuldig verfolgten, für die Perry Mason kämpft, meist weiblich sind und am Ende natürlich freigesprochen werden. Dass dieses Schema zwar simpel, aber auch zielführend ist, bewies der Erfolg der Serie: 271 Folgen wurden zwischen bis 1966 gedreht, Perry Mason gewann drei Emmys. In einer Folge alleridings gerät Staatsanwalt Burger selbst in Verdacht und wird von Mason vor Gericht verteidigt; in einer weiteren Folge ist es umgekehrt.

Wichtig für den Erfolg war wohl auch, dass es sich nicht einfach um eine Anwaltsserie handelt, sondern vielmehr um eine Mischung aus Anwalts- und Detektivfilmen, bei der die Puzzlestücke der verschiedenen Fälle immer wieder aufs Neue zusammengesetzt werden müssen. Natürlich kommen dabei dramatische Elemente nicht zu kurz.

Das Ende der Serie 1966 war nicht das endgültige Aus. 1973 wurde die Serie wiederbelebt, doch nicht mit Raymond Burr in der Hauptrolle, sondern mit Monte Markham als Perry Mason. Dass der Erfolg der Original-TV-Serie nicht zuletzt auch Burr zu verdanken war, zeigte sich schnell: Die Neuauflage floppte und wurde nach nur einer Staffel wieder eingestellt.

Spätstart in Deutschland

30 Jahre nach der ersten Folge trat dann Raymond Burr noch einmal als Fernsehanwalt in Aktion. Ab 1985 kam "Perry Mason" als Fernsehfilm daher, wobei das Erfolgsschema beibehalten und durch falsche Fährten sowie Verfolgungsjagden erweitert wurde. Insgesamt wurden dreißig Filme gedreht. Auch Barbara Hale war wieder mit dabei, nur der 1970 verstorbene William Hopper wurde für neun Episoden durch William Katt (Sohn von Barbara Hale) als Paul Drake Jr. und später durch William R. Moses alias Ken Malansky ersetzt. Nach dem Tod von Raymond Burr 1993 gab es zwei weitere Filme der "Perry Mason"-Reihe, in denen Street und Malansky anderen Anwälten assistierten. Perry Mason galt als abwesend, doch der Charakter selbst lebte weiter.

Bedenkt man, dass 271 Folgen der Originalserie und 30 Filme der Neuauflage gedreht wurden, dann scheint es verwunderlich, dass "Perry Mason" im deutschen Fernsehen kaum und dann erst spät stattfand. Die ARD sendete in loser Reihenfolge gerade einmal 22 Folgen der Serie, vier der TV-Filme zeigte das ZDF. Erst in den neunziger Jahren zeigten ProSieben und Kabel 1 die restlichen knapp 250 Folgen der Originalserie als deutsche Erstausstrahlung wie auch den Rest der Neuauflage.

Die Zurückhaltung der deutschen Sender ist nur schwer nachvollziehen, hat doch "Ein Fall für Zwei" ein sehr ähnliches Erfolgsrezept und läuft als Dauerbrenner seit Anfang der Achtziger. Hätte es schon früher eine gewisse Sendervielfalt in Deutschland gegeben, wäre "Perry Mason" wohl mehr Beachtung geschenkt worden - zur Kultserie wurde die Reihe trotzdem.



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