Verschwundene Flugzeuge Lost im Luftraum

Seit Beginn der Luftfahrt verschwinden Flugzeuge immer wieder scheinbar spurlos vom Radar - wie jetzt die Maschine der Air France. Viele bleiben auf ewig verschollen, andere werden erst Jahrzehnte später gefunden. Und manchmal überleben Passagiere wie durch ein Wunder.

Group of Survivors/Corbis

Von und


Die Parallelen zu dem Absturz der Air-France-Maschine in der Nacht zum Montag sind frappierend: Urplötzlich verschwand am 1. Januar 2007 Flug KI-574 der indonesischen Fluggesellschaft Adam Air vom Radar der Flugsicherung. Mit 96 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern befand sich die Boeing 737-400 auf einem Inlandsflug zwischen den indonesischen Inseln Java und Sulawesi. Ebenso wie die nun vermisste Air-France-Maschine durchflog die Maschine eine Schlechtwetterfront, als etwa eine Stunde Flugzeit vom Ziel entfernt der Kontakt mit dem Boden abbrach.

Und wie im Fall des nun verschwundenen Air-France-Jets verbreitete sich nach dem Unglück eine Falschmeldung. Damals meldete die Nachrichtenagentur Reuters am folgenden Tag, das Wrack von KI-574 sei in unwegsamem Gelände entdeckt worden, zwölf Menschen hätten überlebt - was sich, wie diesmal wieder, schnell als Fehlinformation erwies. Angehörige der vermissten Passagiere waren fassungslos "Ich bin schockiert über diese falschen Erklärungen", empörte sich der Verwandte eines Opfers, "ich möchte jetzt Gewissheit über das vermisste Flugzeug."

Es begann eine verzweifelte Suche, bei der internationale Rettungskräfte gemeinsam mit mehr als 2000 Indonesischen Helfern aus Armee und Polizei ein immer größeres Gebiet zu Lande und zu Wasser absuchten. Nach fünf Tagen waren die örtlichen Behörden derart ratlos, dass sie sogar Hellseher zu Rate zogen - auch dies ohne Erfolg. Erst nach elf Tagen gab es traurige Gewissheit: Ein Fischer stieß im Meer auf ein Wrackteil der vermissten Maschine. Sitze des Flugzeugs und die Leiche einer Passagierin wurden an die indonesische Küste gespült.

Die Ursache des tragischen Unglücks konnte erst über zwei Jahre später aufgeklärt werden. Nach der Bergung und Auswertung der Black-Box-Daten kamen die Experten zu dem Schluss, dass technische Mängel und ein Pilotenfehler das Unglück auslösten. Bei dem Versuch eine Fehlfunktion zu beheben, hatten die Piloten schlicht versäumt, andere Anzeigen im Auge zu behalten.

Verschwörungstheorien um verschwundene Stars

Dass Flugzeuge - selbst im Zeitalter von Radar und Satellitennavigation - wie von Zauberhand verschwinden, solche Nachrichten jagen GPS-gewöhnten Zeitgenossen einen wohligen Schauer ungläubiger Faszination über den Rücken. Und nichts schlägt die Öffentlichkeit so in den Bann wie Prominente, die sich in der Luft scheinbar in Luft auflösen. Als der amerikanische Milliardär und Abenteurer Steve Fosset Anfang 2007 mit einem einmotorigen Sportflugzeug über der Sierra Nevada verschwand, verfolgte die ganze Welt über Monate jede neueste Entwicklung bei der Suche nach dem Vermissten. Doch erst 13 Monate später entdeckte ein Wanderer in den Mammoth Mountains zufällig Geldscheine und einen Pullover im Gestrüpp - die nachfolgende Suche führte zu den Trümmern von Fossets Flieger.

Bei manchen Vorfällen dieser Art dauert es noch weitaus länger, bis sich das Rätsel lösen lässt. Der Schriftsteller und Pilot Antoine de Saint-Exupéry, Autor des legendären "Kleinen Prinzen", kehrte im Juli 1944 nicht von einem Aufklärungsflug über Südfrankreich zurück - ein Abschied, der allerlei Mythen befeuerte. Hatte der Dichter seinem Leben selbst ein Ende gesetzt? War er abgeschossen worden? Fiel er einem Unglück zum Opfer?

Vom sprichwörtlichen Erdboden verschluckt worden, war sieben Jahre zuvor schon die amerikanische Flugpionieren Amelia Earhart, die mit ihrer Lockheed Electra als erste Frau die Welt umfliegen wollte. Mehr als 50 Bücher wurden seither über den Fall Earhart geschrieben, Hollywood drehte einen Film über die Pilotin. Als Ursache für ihr Verschwinden wurde alles nur Denkbare angeführt - etwa, dass die Verlegersgattin eine Spionin und Mätresse des japanischen Kaisers Hirohito gewesen oder durch Außerirdische entführt worden sei.

St. Exuperys Flugzeugwrack - nach Jahrzehnten gefunden

Ähnlich rätselhaft war auch das Verschwinden des Swingmusikers und Bandleaders Glenn Miller, dessen Maschine kurz vor Weihnachten 1944 im englischen Bedford Richtung Paris startete und nie wieder gesehen wurde. Gerüchte gingen um, der "King of Swing" sei Opfer eines Spionagekomplotts geworden. Abgebrühtere Zeitgenossen vermuteten, er sei nie abgeflogen und sein Verschwinden ein PR-Trick. Recherchen untermauerten Jahrzehnte später die These, Millers tieffliegende Maschine sei über dem Ärmelkanal versehentlich in einen Bombenteppich britischer Bomber geraten - aber endgültig geklärt ist das Schicksal Millers bis heute nicht.

Auch was aus Amelia Earhart wurde, bleibt ein Rätsel - obwohl drei Jahre nach ihrem Verschwinden auf einer einsamen Insel im Zentralpazifik ein Frauenschuh (Marke "Cat's Paw") und das Skelett einer weiblichen Kaukasierin gefunden wurde. Weil die ebenfalls entdeckten Aluminium- und Plexiglasteile keine Flugzeugseriennummer zur eindeutigen Identifizierung aufwiesen, blieb unklar, ob es sich tatsächlich um Earharts sterbliche Überreste handelt.

Das Ende des fliegenden Literaten St. Exupéry wurde mehr als 50 Jahre nach seinem spurlosen Abgang durch einen unglaublichen Zufall aufgeklärt. Ein Fischer zog 1998 südöstlich vom Marseille ein Armband aus dem Mittelmeer, auf dem der Name Antoine de Saint-Exupérys eingraviert war. Ein Foto, auf dem der Erfinder des "Kleinen Prinzen" exakt dieses Armband abgelichtet war, brachte den Beweis, dass der Dichter bei Marseille ins Meer gestürzt war. 2003 bargen Wracktaucher den Motor einer Lockheed P-38 Lightning mit der Seriennummer 2734 - dem Flugzeug Saint-Exupérys. Was ihm das Ende brachte, ist allerdings weiter ungeklärt, auch wenn der ehemalige deutsche Jagdflieger Horst Rippert geltend macht, er habe Saint-Exupéry im Luftkampf abgeschossen.

Ein Wunder im Regenwald

Nur durch Zufall und nach über einem halben Jahrhundert löste sich auch ein anderes Luftfahrträtsel um ein verschwundenes Flugzeug: Am 23. Januar 2000 stießen Bergsteiger in den Anden auf einen Flugzeugmotor. Im Umfeld der Fundstelle sichteten sie weitere Wrackteile, darunter eines mit der Aufschrift "Star Dust". Die Kletterer hatten nach 53 Jahre das Wrack einer Propellermaschine gefunden, die seit dem 2. August 1947 als vermisst galt und so manchen Verschwörungstheoretiker auf den Plan gerufen hat: an Bord war auch ein Botschafter mit Geheimpapieren gewesen. Mit dem Fund konnten all diese Vermutungen getrost ad acta gelegt werden konnten.

Und es gibt auch Geschichten von verschwundenen Flugzeugen, die mit einem kleinen Wunder enden. Wie im Fall der Lockheed L-188A, die Heiligabend 1971 auf einem Inlandsflug spurlos vom Himmel über Peru verschwand. Elf Tage lang gab es nicht den leisesten Hinweis darauf, was mit dem Jet und seinen 92 Passagieren geschehen sein könnte. Dann trafen Indios mitten im Regenwald auf ein herumirrendes 17-jähriges Mädchen. Als die Suchmannschaften zwei Wochen später das Wrack der Maschine fanden, wurde klar: Das Mädchen aus Deutschland war die einzige Überlebende des vermissten Fluges.



insgesamt 5 Beiträge
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Albrecht Giese, 06.06.2009
1.
Auch hier wieder dieser Schwachsinn: " ... verschwand von den Radarschirmen ...". Wahrscheinlich ist auch Saint-Exupery von den Radarschirmen verschwunden, die es damals noch nicht gab. Wie kann sich dieser Unsinn so hartnäckig halten? Sind die Schreiber wirklich alle so blöd? Der Airbus von Air France war auf keinem Radar und konnte somit auch von keinem solchen verschwinden. Wenn doch, wäre es heute einfach, das Wrack zu finden. Auch die Fairchild, die damals in den Anden verschollen war, war natürlich auf keinem Radar. Sonst hätte man auch nach dem Flugzeug nicht vergeblich suchen müssen. Diese Art Dummheit, bei der es offenbar nur darum geht, wichtig klingende Sprüche zu machen, lässt sich wohl nicht ausrotten.
Florian Geier, 06.06.2009
2.
"Mount Chimborazo"? Ich dachte immer, Ecuador sei ein souveräner Staat und nicht eine angloamerikanische Kolonie.
Lorenz C., 08.06.2009
3.
Nun, mich hat am Artikel am meisten enttäuscht, daß "Flight 19" mit keinem Wort erwähnt wird. Dabei handelt es sich um den wohl bemerkenswertesten Fall dieser Art, bei dem sogar mehrere Flugzeuge spurlos verschwunden sind! Zudem ist das Schicksal der 5 verschollenen Bomber auch deswegen interessant, weil sich im Nachhinein ein regelrechter Mythos entwickelt hat. http://de.wikipedia.org/wiki/Flug_19
CLaas Triebel, 17.06.2009
4.
Eine kleine Korrektur: In Bezug auf das Verschwinden von Antoine de Saint-Exupéry möchte ich anmerken, dass trotz weltweiter Aufmerksamkeit bislang kein stichhaltiger Einwand gegen die von Lino von Gartzen und mir im Buch "Der Prinz, der Pilot und Antoine de Saint-Exupéry" beschriebene Rekonstruktion der Geschehnisse am 31. Juli 1944 erfolgt ist. Im wissenschaftlichen Sinne ist ein Beweis in diesem Fall nicht möglich. Es kann auch anders gewesen sein als wir es annehmen. Darauf deutet jedoch nichts hin. Die Formulierungen "weiter ungeklärt" und Rippert "reklamiere" mache einen Abschuss im Luftkampf geltend erscheinen im Hinblick auf die Fakten und auf die Weise wie Rippert sich geäußert hat, unangemessen
Jo Tesla, 04.02.2010
5.
Vielleicht sollte der Spiegel sein vielgelobtes Archiv in Sachen Juliane Köpcke ein bisschen überarbeiten, das wird regelmässig falsch dargestellt: Sie ist keineswegs herumgeirrt und wurde irgendwo "im Regenwald gefunden", sondern hat, einer Überlebensregel folgend, einen Fluss gesucht und ist diesem flussabwärts gefolgt, bis sie auf Zivilisation (ein Aussenlager eines Holzfällercamps) stiess. (Ich will nicht unsachlich werden, aber würde man das bei einem Mann auch vergessen, zu erwähnen?) Die dort eintreffenden Arbeiter mögen Indios gewesen sein, es wird jedoch der Eindruck des Auffindens durch einen Eingeborenenstamm erweckt, romantisch, aber falsch.
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