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Wie erkläre ich meinen Kindern, was das Coronavirus ist?

Ein Leitfaden für Eltern und alle anderen, die den Kindern die Angst nehmen und sie aufklären wollen.
Von Detlef Hacke

Es ist für Erwachsene schon schwierig genug, den Überblick darüber zu behalten, was die rasante Ausbreitung des Coronavirus für unser Leben bedeutet. Für Kinder ist es unmöglich. Sie spüren, dass viele Menschen sich plötzlich vor einer neuen Krankheit fürchten. Sie sehen vielleicht Bilder von Leuten mit Schutzmasken, hören davon, dass Kitas und Schulen geschlossen werden, und bekommen mit, wie andere Kinder erzählen, dass viele an dieser Krankheit sterben. Bei Kindern löst das diffuse Ängste aus. Es ist Zeit, mit ihnen darüber zu reden. Aber wie?

Sprechen Sie von sich aus das Thema an

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind schon irgendetwas vom Coronavirus gehört hat: Fragen Sie es, was es denn darüber weiß. Das hat einige Vorteile: Einmal fühlt sich das Kind ernst genommen in seiner Sorge. Zweitens erfahren Sie so, wo Sie einhaken und aufklären können. Außerdem kann es ja passieren, dass Ihr Kind zum Beispiel Bauchschmerzen spürt, fälschlicherweise aber glaubt, es habe jetzt das Coronavirus und müsse sterben. Denn das ist echte Angst. Helfen Sie, dass es erst gar nicht in solch eine verzweifelte Lage kommt.

Bleiben Sie ruhig

Wenn Sie beim ersten Anzeichen einer Erkältung hektisch zum Arzt oder zur Notfallambulanz rennen, machen Sie etwas falsch. Wie soll man Kindern vermitteln, dass kaum Grund zur Sorge besteht, wenn man selbst reagiert, als ginge es um Leben und Tod? Selbst wenn Sie unsicher sind, wie gefährlich das Coronavirus noch werden kann: Zeigen Sie es nicht.

Erklären Sie, warum Kinder gut vor einer Erkrankung geschützt sind

Bevor Sie über das Virus und die Reaktionen der Menschen sprechen, beruhigen Sie Ihr Kind, falls es aufgeregt ist. Kinder scheinen den aktuellen Zahlen zufolge tatsächlich deutlich weniger gefährdet - anders als ältere Leute und solche, die bereits durch eine andere Krankheit geschwächt sind. Vielleicht muss vielleicht auch der nächste Besuch bei Oma und Opa verschoben werden, damit sie nicht gefährdet werden.

Was ist das überhaupt: ein Virus?

Viren kann man mit dem bloßen Auge nicht sehen, trotzdem sind sie überall. Die meisten sind eher harmlos, jeder Schnupfen wird von einem Virus ausgelöst. Fast immer ist unser Körper stark genug, um damit fertigzuwerden. Jedes Kind hat schon mal eine Erkältung oder eine Grippe gehabt und damit eine Viruserkrankung überwunden. Wenn Sie das sagen, wird Ihr Kind an seine eigene Erfahrung denken: Stimmt, die Erkältung war doof, aber danach war ich ja wieder gesund. Erklären Sie, dass sich das Coronavirus ähnlich anfühlt. Manche Menschen spüren gar nichts, andere kaum etwas, einige leiden unter Fieber und Husten. Ganz selten passiert es, dass jemand davon eine Lungenentzündung bekommt.

Was ist so anders am Coronavirus?

Sagen Sie Ihren Kindern: Das Virus ist neu, wir alle wissen noch wenig darüber. Es gibt bislang keine Medikamente dagegen, auch keine Impfstoffe, anders als bei Masern zum Beispiel. Das Coronavirus überträgt sich leicht von einem Menschen zum anderen, es kann reichen, wenn man sich die Hand gibt. Weil manche Menschen das Virus haben, aber nicht daran erkranken, verbreiten sie es, ohne es zu merken. Und weil außerdem viele Leute von Land zu Land reisen, verbreitet es sich schnell über die Welt.

Kann man etwas dagegen tun?

Quarantäne ist ein sperriges Wort, und die Vorstellung, dass Menschen eingesperrt werden, kann Angst machen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass die Quarantäne dazu dient, die Ausbreitung einzudämmen: Man isoliert Kranke für eine Weile, um gesunde Menschen zu schützen. Das ist auch der Grund, warum man in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet diese bedrohlich wirkenden Bilder von Menschen mit Atemmasken und in Schutzanzügen sieht. So soll verhindert werden, dass ein Virus in ihren Körper gerät. Sieht heftig aus, ist aber bloß eine Vorsichtsmaßnahme. Aus diesem Grund wird auch so manche Großveranstaltung abgesagt. Nicht weil alle krank sind, sondern weil dort Tausende Menschen in Kontakt kommen und ein Einzelner viele davon schnell anstecken könnte.

Jeder von uns kann sich mit wenig Aufwand gut schützen: Oft und gründlich die Hände waschen, also mindestens 20 Sekunden lang, auch zwischen den Fingern. Kinder können ein Spiel daraus machen: Wer hält am längsten durch? Oder: Man muss so lange Hände waschen, wie es dauert, zweimal "Alle meine Entchen" zu singen. Auch Erwachsene können mitmachen. Und stellen Sie Desinfektionsmittel zum Einreiben ans Waschbecken.

Wie bereite ich Kinder darauf vor, was alles noch passieren kann?

Niemand kann vorhersagen, wie sich die Lage entwickelt. Also hat es wenig Sinn, den Kindern irgendwelche Szenarien auszumalen. Aber bleiben Sie Ihren Kindern gegenüber aufmerksam, damit Sie reagieren können, sobald sie das Thema wieder beschäftigt und sie neue Fragen haben. 

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