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Familienalbum Frei, 2018

Aufgezeichnet von Dialika Neufeld
aus DER SPIEGEL 3/2020
Foto: PATRICK VAN KATWIJK / GETTY IMAGES

Urmila Chaudhary, 28:

Als ich zurück in mein Dorf im Südwesten Nepals kam und meinen Eltern das Foto auf meinem Handy zeigte, konnten sie nicht glauben, dass ich eine echte Königsfamilie getroffen hatte: Meine Familie ist sehr arm, wir gehören zur Volksgruppe der Tharu, eine der untersten Kasten. Als ich sechs Jahre alt war, hat mich mein älterer Bruder als Haussklavin an einen Mann verkauft, als sogenannte Kamalari, eine Praxis der Leibeigenschaft, die inzwischen verboten ist, aber lange sehr verbreitet war. 4000 Rupien bekam meine Familie für mich, heute etwa 30 Euro. Ich wurde in die Hauptstadt verschleppt und musste mehr als elf Jahre lang für fremde Familien schuften: waschen, kochen, putzen, die Kinder versorgen – obwohl ich selbst noch ein Kind war. Ich durfte nie zur Schule gehen. Meinen Abschluss habe ich erst als Erwachsene geschafft. Bis zu diesem Tag im niederländischen Middelburg im Mai 2018 war es also ein sehr, sehr weiter Weg: Dort wurde mir der Freedom from Fear Award verliehen – mit dem unter anderem schon Aung San Suu Kyi und Malala ausgezeichnet worden sind –, weil ich seit meiner Befreiung zusammen mit vielen anderen ehemaligen Kamalari für unsere Rechte kämpfe, vor allem auch für unsere Bildung.

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Die Gastgeber behandelten mich wie eine Berühmtheit, es gab einen roten Teppich, eine Eskorte und einen gut aussehenden Mann, der mir alle Türen aufgehalten hat. Prinzessin Beatrix und König Willem-Alexander waren sehr nett zu mir. Ich habe den beiden eine kleine Buddhastatue aus meiner Heimat übergeben. Sie haben sogar meinem Vortrag zugehört, der König hatte Tränen in den Augen. Vor ein paar Monaten habe ich mein Jurastudium in Kathmandu angefangen; es ist schwer für mich mitzuhalten, aber es war immer mein Traum, eines Tages Anwältin zu sein.

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