Tea-Party mit Kleinkindern (Symbolbild)
Tea-Party mit Kleinkindern (Symbolbild)
Foto: Westend61 / imago images

Irre Kinderpartys Frieda wird sechs – ihre Mutter plant das Megaevent Monate im Voraus

Für Kindergeburtstage drehen Helikoptereltern richtig auf. Termine werden ein Vierteljahr vorher festgezurrt, Partyspionage bleibt nicht aus. Einige versuchen sogar, gegen die Corona-Regeln vorzugehen.

Laternenumzüge wurden abgesagt, Weihnachtssingen findet nicht statt, Kindergeburtstage können nur klein gefeiert werden. Das ist hart für Kinder, für die die Adventszeit oft besonders schön ist. Noch härter ist es allerdings für Helikoptereltern, die am liebsten aus jeder kleinen Feier ein Gigafest machen.

Doch sie wären keine echten Helis, wenn sie es nicht trotzdem versuchen würden. Das spüren auch Sekretariate an Grundschulen. »Aktuell erreichen uns viele Anrufe in Bezug auf ›vergessene‹ Schulmaterialien, Wasserflaschen, Brotdosen und Turnbeutel«, schrieb die Büroleiterin einer Grundschule und bat Eltern darum, keine Butterbrote und Getränke ins Sekretariat zu bringen – schließlich gelten die Kontaktbeschränkungen auch für sie selbst.

Ein Vater stellte einen Eilantrag gegen Corona-Kontaktbeschränkungen, weil er den Geburtstag seiner Tochter feiern wollte und einen Laternenumzug mit der Kindergartengruppe geplant hatte. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit sei wichtig, um ein »Stück Normalität« zu erlangen. Er erinnerte auch an sein Recht auf Versammlungsfreiheit. Überraschung: Das Verwaltungsgericht Berlin lehnte den Antrag ab.

Spionage auf dem Kindergeburtstag

Man hofft ja, dass es im nächsten Jahr wieder möglich sein wird: das ungehemmte Feiern, auch bei Kindergeburtstagen, zweifelsfrei der Höhepunkt im Heli-Jahr. An diesem Tag darf nichts schiefgehen, nichts fehlen, nichts dem Zufall überlassen werden. Damit alles perfekt wird, muss weit im Voraus geplant werden. Eltern verschicken deshalb »Save the Date«-Mitteilungen, wie es auch bei großen Feiern üblich ist.

Eine Mutter erzählt: »Ich wurde neulich zu einer WhatsApp-Gruppe mit dem Titel ›Frieda wird 6‹ hinzugefügt. Es war Anfang April, die Mutter wollte herausfinden, ob auch alle Gäste Anfang Juli Zeit haben würden. Als ein paar verneinten, schlug sie einen Alternativtermin Ende Juli zur Abstimmung vor. Dreieinhalb Monate im Voraus! Sie wollte ihrer Tochter nicht zumuten, dass sie auf eine ihrer Freundinnen verzichten muss.«

Von Anekdoten wie diesen und Eltern, die es – von der Schwangerschaft bis zum Studium – mit ihrer Fürsorge maßlos übertreiben, handelt das neue Buch »Stellen Sie die Sirenen aus – mein Kind macht Mittagsschlaf!« der SPIEGEL-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg.

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Stellen Sie die Sirenen aus - mein Kind macht Mittagsschlaf!: Neue witzige Geschichten über Helikopter-Eltern | Die neuesten Spleens und Stunts von Helikopter-Eltern

Verlag: Ullstein Taschenbuch
Seitenzahl: 128
Erscheinungstermin: 30. November 2020
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Richtige Helikoptereltern überprüfen natürlich auch, ob es andere Eltern draufhaben mit den Kinderpartys. Einer Mutter aus Köln war nicht geheuer, dass ihr Sohn mit seinen Freunden in ein Lego-Center fahren sollte. »Sie fuhr mit ihrem eigenen Pkw hinter uns her und zahlte selbst den Eintritt, um ihren Sohn während des Kindergeburtstags zu überwachen«, erzählt die Mutter des Geburtstagskindes. Andere Party-Skeptiker holen ihr Kind früher ab, denn zu viel Spaß könnte gefährlich werden.

»Mein Sohn feierte seinen achten Geburtstag in einem Indoor-Park. Er hatte einige Freunde eingeladen, die Feier sollte von zehn Uhr bis 15.30 Uhr gehen. Einen Tag vor der Feier bekam ich von einer Mutter folgende Nachricht: Sie und vier andere Mütter fänden die Geburtstagsfeier zu lang, da könnte sich ja ein Kind vor Müdigkeit verletzen, wir sollten die Feier bitte eine Stunde früher beenden. Die fünf Kinder wurden tatsächlich früher abgeholt. Die anderen Gäste blieben länger – unverletzt.«

Dabei sind die Spleens und Stunts der Mütter und Väter längst nicht nur Privatsache. Alle Menschen, die mit Kindern arbeiten, kennen das Phänomen. So berichten auch im dritten Band der lustigsten Anekdoten über Helikoptereltern wieder Erzieher, Lehrerinnen, Ärztinnen und Supermarktmitarbeiter von kuriosen Begegnungen und Erlebnissen.

So wie die Hebamme, die angerufen wurde, weil ein Baby Schluckauf hatte, und die Erzieherin, die in der Kita die Klobrille vorwärmen sollte. Oder die Lehrerin, die beobachtet, wie Mütter dem Schulbus hinterherfahren oder auf dem Schulhof herumlungern und dass Väter die Hausaufgaben für ihre Kinder machen. Auch vor Fake-WhatsApp-Accounts schrecken Eltern nicht zurück, damit sie – als Jugendliche getarnt – heimlich mit ihren Kindern chatten, um zu sehen, »wie unsere Töchter reagieren«.

Auch bei Adventskalendern überschlagen sich einige Eltern. Eine Mutter trieb es dabei auf die Spitze: Als ihr Dreijähriger kurz nach dem Öffnen des ersten Adventskalendertürchens die Fassung verlor und verlangte, sofort alle vierundzwanzig Geschenke zu öffnen, erklärte sie ihm, dass er nur dann ein Türchen öffnen dürfe, wenn er gerade aufgewacht sei. Nach dem Mittagsschlaf forderte er also genau das laut brüllend ein.

Die Mutter knickte ein, weil sie ihren Sohn so »unglaublich schlau« fand. Als er am selben Tag für wenige Minuten im Autositz einschlief und kurz danach erwachte, ging das Ganze von vorne los. Doch statt ihrem Kind das Warten beizubringen, füllte die Mutter daraufhin einfach ständig den Kalender nach, denn: »Mein Sohn ist einfach zu aufgeweckt.« Alles klar.

cpa/lgr