Philosophieren mit Kind: "Kinder haben dieses ursprüngliche Staunen noch"
Philosophieren mit Kind: "Kinder haben dieses ursprüngliche Staunen noch"
Foto: Westend61/ Getty Images

Philosophieren in der Familie "Kinder sind oft bessere Denker"

Woher kommt der Mensch? Was Erwachsene wissen, bringt Kinder zum Staunen - eine gute Voraussetzung zum Philosophieren. Die Erziehungswissenschaftlerin Kerstin Michalik erklärt, wie die ganze Familie davon profitiert.
Ein Interview von Lea Wolz

Selbst junge Kinder stellen schon tiefgründige Fragen: Was passiert, wenn jemand stirbt? Oder auch: Wenn du das Kind von Oma bist und Oma das Kind von Uroma – woher kam dann das erste Kind? Und wer hat sich um dieses Kind gekümmert?

Auf die Zurechtweisung am Tisch, nicht zu hampeln, entgegnete eine Fünfjährige:

"Das bin nicht ich, das sind meine Beine."

"Und die Beine sind nicht du?"

"Die sind nur ein Teil von mir. Ich bin nur in meinem Kopf."

Auch das ist eine Frage, die Wissenschaftler nach wie vor beschäftigt: Was ist eigentlich das "Ich"?

Philosophieren mit Kindern hat eine lange Tradition. Manche betrachten Kinder gar als geborene Philosophen. Die Deutsche Unesco Kommission bezeichnet die Philosophie in einer Publikation zum Thema als "Schule der Freiheit ".

Kerstin Michalik ist Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg und Herausgeberin von Büchern zum Thema Philosophieren mit Kindern. Im Gespräch erklärt sie, warum die Kleinen vom Philosophieren profitieren, was Eltern dabei falsch (oder richtig) machen und was wir alle von Kindern lernen können.

SPIEGEL: Frau Michalik, Sie haben ein Buch zum Philosophieren mit Kindern geschrieben: "Wie wäre es, einen Frosch zu küssen?". Warum lohnt es sich für Kinder, darüber nachzudenken?

Michalik: Normalerweise küsst man keine Frösche. Daher ist es ein Gedankenexperiment, eine der klassischen Methoden des Philosophierens. Man versucht, sich in mögliche Welten hineinzuversetzen, seine Vorstellungskraft zu entwickeln. Insofern wäre es schon eine interessante Frage zu überlegen: Finde ich es ekelhaft? Falls ja, warum? Was ist Ekel? Über diese Frage lässt sich sehr schön ins Philosophieren kommen.

SPIEGEL: "Philosophieren mit Kindern", das klingt ja erst einmal recht abgehoben, ein wenig nach Mandarinlernen im Kindergarten. Ist das nicht etwas hochgegriffen und überfordernd für die Kleinen? Braucht man nicht Lebenserfahrung für die großen Fragen oder besser noch: einen Doktorhut in Philosophie?

Michalik: Nein, Philosophieren mit Kindern ist ja nicht Philosophie für Kinder. Es geht nicht darum, den Kindern beizubringen, was Kant oder Descartes gedacht haben. Es geht um das eigene philosophische Denken im Austausch mit anderen, wobei jeder Beitrag wertgeschätzt wird und wichtig ist. Das ist nicht überfordernd, sondern etwas, was Kindern viel Spaß macht und was auch wirklich jedes Kind erlernen kann.

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