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Rebecca Lina

Wie Eltern ihre Kinder auf Rassismus vorbereiten "Kinder haben eigentlich ein sehr gutes Gefühl für Ungerechtigkeit"

Rassismus verletzt. Wie können Eltern ihre Kinder davor schützen? Wann sprechen sie an, dass ihre Hautfarbe ein Nachteil sein kann? Hier erzählen fünf nicht weiße Mütter und Väter.
Von Viola Kiel und Heike Klovert

Ein weißer Polizist behandelt einen schwarzen US-Amerikaner so brutal, dass er stirbt - und seither protestieren weltweit Menschen gegen Rassismus. Denn nicht nur in den USA werden Schwarze oft benachteiligt.

Auch bei uns haben es Deutsche mit nicht deutscher Herkunft zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt und bei der Wohnungssuche oft schwerer. Das zeigen Studien und Umfragen seit Jahren immer wieder.

Doch wie können Eltern ihre Kinder auf solche schmerzhaften Erfahrungen vorbereiten? Wie sprechen sie mit ihren Töchtern und Söhnen darüber? Und wann ist dafür der richtige Zeitpunkt?

Wir haben fünf Mütter und Väter gefragt, was sie getan haben, um ihre Kindern gegen Rassismus zu stärken, ohne sie zu verängstigen - und was sie sich von weißen Eltern wünschen.

Rebecca Lina, 40 Jahre, zwei Kinder, Schauspielerin und Bloggerin  aus Brandenburg

"Ich habe nie viel darüber nachgedacht, wie ich mit meinen Kindern über Rassismus sprechen würde. Es war einfach klar für mich, dass ich sie darüber würde aufklären müssen, so wie ich meiner Tochter sagen musste, dass Mädchen irgendwann ihre Periode bekommen. 

Natürlich hätte ich ihnen gern erspart, dass sie Rassismus erleben. Aber er gehört zu meinem Alltag, seit ich denken kann, und ich kenne niemanden mit dunkler Hautfarbe, der ihn nicht erfahren hat. Meine Tochter ist jetzt zwölf Jahre alt. In der ersten oder zweiten Klasse kam sie damit zum ersten Mal in Kontakt.

Ein Junge sagte zu ihr, sie sei eine Negerin und ihr Papa habe eine Hautfarbe wie Kacka. Sie hat nicht geweint, nein. Wir haben sie sehr selbstbewusst erzogen, sie ist viel gereist, sie hat Freunde aus der ganzen Welt. Sie war zwar verletzt, aber auch sehr empört. Sie beschwerte sich bei dem Jungen und bei ihrem Lehrer, bevor sie mir davon erzählte.

Die Schule thematisierte den Vorfall ausführlich. Der Junge malte meiner Tochter aus eigenem Antrieb ein Bild, um sich zu entschuldigen. Und ein Jahr später, als die neuen Erstklässler an die Schule kamen, spielten die Drittklässler die Szene sogar noch einmal in einem Theaterstück nach. Es ging darum, dass die weißen Kinder aufstehen und helfen. Kinder haben nämlich eigentlich ein sehr gutes Gefühl für Ungerechtigkeit. Man muss sie nur mehr darin unterstützen, es auch auszuleben.

Ich fand die breite Reaktion der Schule nicht übertrieben. Nur weil solche Sprüche täglich auf Schulhöfen fallen, darf man nicht darüber hinweggehen. Wir sind alle viel zu sehr im Rassismus sozialisiert. Das fängt beim 'Negerkönig' an, der bei Pippi Langstrumpf auftaucht, und den 'Negerlein' in der 'Kleinen Hexe'. Solche Wörter dürfen im Jahr 2020 nicht mehr in Kinderbüchern stehen. Denn dann setzt sich in den Köpfen der Kinder gleich ein falsches Bild fest.

"Reißt euch zusammen und fasst unsere Haare bitte einfach nicht an!"

Wir brauchen stattdessen positive Geschichten über Menschen mit dunkler Haut. Solche habe ich auch meinen Kindern mitgegeben. Ich habe ihnen beispielsweise von Rosa Parks erzählt, die für die Rechte der Schwarzen eingetreten ist. Und ich versuche, ihnen klarzumachen, dass es nichts mit ihnen als Menschen zu tun hat, wenn sie später nicht in einen Klub reinkommen. Oder wenn ein Deutschlehrer zu ihnen sagt, sie würden schreiben 'wie die letzte Negerin aus dem Busch'. So etwas ist mir in der Schule passiert. 

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in der Nähe von Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.  Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter und mein Stiefvater weiß waren und dass seine Eltern im Ort ein Hotel und ein Restaurant betrieben. Diese Familie kannte jeder. Ich glaube, deswegen haben sich viele nicht getraut, mich zu beleidigen.

Podcast Cover
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Aber ich erinnere mich an ein Schützenfest, auf dem sich am Schießstand ein Mann mit seinem Luftgewehr zu mir umdrehte und sagte: 'Ich schieß jetzt mal auf die kleine Negerin.' Ich weiß nicht mehr, wie die Menschen um mich herum reagierten. Aber ich weiß noch, wie entsetzt ich war. Am liebsten wäre ich direkt auf die Bühne der Musikanten geklettert, um allen Besuchern des Schützenfests zuzurufen, wie gemein ich das fand. Ich habe es leider nicht getan - meine Kinder heute würden es sofort machen.

Wir erleben auch oft unterschwelligen Rassismus, der gar nicht böse gemeint sein muss. Damit er aufhört, müssen wir uns alle besser zuhören und unser Handeln überdenken. Meine Tochter ist beispielsweise sehr genervt davon, dass ständig jemand ihre krausen Haare anfassen will. Ich kann den Drang ja verstehen, doch es ist auch nicht okay, jeder Schwangeren die Hand auf den Bauch zu legen. Das ist übergriffig. Außerdem geht es dabei wieder einmal nur um Äußerlichkeiten. Deshalb: Reißt euch zusammen und fasst unsere Haare bitte einfach nicht an!"

Karamba Diaby, 58 Jahre, drei Kinder, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Halle

"Rassismus war nie ein dominantes Thema bei uns zu Hause, aber vereinzelt erleben wir ihn schon. Neulich war meine inzwischen erwachsene Tochter einkaufen. Sie erzählte danach, dass sie ein Mann in der Schlange vor der Kasse rassistisch beschimpft habe. Ich habe sie gefragt: 'Und, was hast du gesagt?' Sie antwortete: 'Nichts, ich habe ihn nur entsetzt angeschaut.'

Wir wollen uns davon nicht einschüchtern lassen. In diesem Fall war das nicht so schwer. Schwieriger ist das, wenn jemand - wie im Januar - auf mein Wahlkreisbüro schießt oder mir Morddrohungen schickt.

Ich habe meinen Kindern früher ganz bewusst Kassetten und Bücher gekauft, die die Diversität dieser Gesellschaft darstellen und das Thema Diskriminierung aufgreifen. Das gehört für mich zur politischen Bildung dazu und ich würde mir wünschen, dass auch weiße Eltern mehr darauf achten.

Als mein Sohn etwa vier Jahre alt war, fragte ihn ein anderer Junge auf dem Spielplatz: 'Wo kommst du her?' Er sagte, sehr selbstbewusst: 'Aus dem Paulusviertel.' Das ist der Stadtteil in Halle, in dem er aufgewachsen ist. Doch der Junge war mit der Antwort nicht zufrieden und fragte meinen Sohn immer wieder, wo er denn herkomme.

"Wir können Konflikte bewältigen, aber wir müssen uns gut darauf vorbereiten"

Es wäre Aufgabe der Eltern gewesen, ihr Kind darüber aufzuklären, dass es Schwarze gibt, die in diesem Land geboren und zu Hause sind. Ich hätte mich auch sehr gern nett mit der Mutter darüber unterhalten. Doch sie hat sich nur wortlos ihren Sohn geschnappt und ist weggegangen.

Ich glaube, sie war verunsichert und überfordert mit der Situation. Das fand ich sehr schade. Es ist ganz normal, dass Kinder solche Fragen stellen. Doch sie brauchen dann die Unterstützung der Eltern, die sie respektvoll und auf Augenhöhe über unsere Gesellschaft aufklären.    

Vielfalt ist eine Herausforderung. Konflikte entstehen zwischen Jung und Alt, zwischen Schwarzen und Weißen, zwischen Männern und Frauen. Wir können diese Konflikte bewältigen, wenn wir offen dafür sind. Aber es ist wichtig, dass wir uns darauf gut vorbereiten, das kommt nicht von allein."

Frank Joung, 44 Jahre, zwei Kinder, Journalist und Podcaster aus Berlin

"Ich wünsche mir, dass Rassismus nicht allein als Thema der Benachteiligten wahrgenommen wird, nicht nur als eine Angelegenheit der Opfer. Das ist kein Kampf der Hautfarben, kein Kampf der Ethnien. Alle wollen einfach respektvoll behandelt werden und gut leben. Es geht um den Versuch, einander nicht weh zu tun. Es geht um Gefühle, weil Rassismus Menschen tief verletzt.

Meine Eltern sind aus Korea nach Deutschland gekommen. Ich glaube, wie viele Deutsche mit einem nicht deutschen Hintergrund hatte ich lange das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Ich dachte zum Beispiel, dass ich gar nicht Journalist werden kann. No way, dass ich da eine Chance habe.

Ein Migrationshintergrund wird immer noch häufig als Defizit wahrgenommen. Anstatt zu sagen: 'Wow, du kannst Deutsch und Arabisch oder Deutsch und Koreanisch!', heißt es: 'Oh, du bist ja kein richtiger Deutscher oder keine richtige Deutsche.' Oft habe ich den Eindruck, dass People of Color gegen einen Gegenwind ankommen müssen.

Ich habe zwei Kinder, mein Sohn ist fünf, meine Tochter ist elf Jahre alt. In der Schule hat jemand "Chinese" zu meiner Tochter gesagt. Das klingt vielleicht nicht schlimm, aber es fühlte sich für sie nicht gut an. Sie hat gemerkt, dass das nicht positiv gemeint war. Was sagt man seinem Kind dann? Es ist ein schmaler Grat zwischen 'Wehr dich!' und 'Ignoriere es'.

Ich versuche meinen Kindern ein positives Selbstwertgefühl zu vermitteln, ich sage: 'Du bist okay, so wie du bist.' Und ich versuche auch zu erklären, dass es Menschen gibt, die nicht finden, dass alle gleich wertvoll sind. Das ist für Kinder schwer zu verstehen, weil es ja nicht logisch ist.

Viele nicht weiße Eltern haben das Gefühl, ihre Kinder auf Diskriminierung und Rassismus vorbereiten zu müssen. Leider. Sie sagen ihnen: Es kann sein, dass du Nachteile erleben wirst oder dir jemand feindlich gesinnt ist, einfach weil du aussiehst, wie du aussiehst. Weiße Eltern haben das Privileg, das nicht zum Thema machen zu müssen.

"Weiße Menschen sollten sich klarmachen, dass sehr viel Macht bei ihnen liegt"

Ich finde es gut, wenn weiße Eltern ihren Kindern sagen: Du hast das Privileg, dass du nicht wegen deiner Hautfarbe diskriminiert wirst, das ist dein Glück. Übernimm Mitverantwortung und setze dich gegen Ungleichbehandlungen ein.

Es wäre gut, wenn sich weiße Menschen klarmachen, dass sehr viel Macht bei ihnen liegt und sie viel einfacher und schneller Veränderungen durchsetzen können. Und dass ihnen kein Nachteil daraus entsteht, wenn andere dieselben Chancen fordern. Wer das bezweifelt, kann sich die Frage stellen: Will ich tauschen? Wer das mit 'Nein' beantwortet, weiß, dass sie oder er es leichter hat. Diese Erkenntnis anzunehmen, kann bitter sein. Vielleicht fühlt man sich ohnmächtig oder schuldig, ohne etwas Böses getan zu haben.

Ich wünsche mir mehr Repräsentation von nicht weißen Menschen. In Redaktionen, in Fernsehsendungen, in Kinderbüchern wird eine sehr weiße Normalität dargestellt. Aber Kinder sind ja nicht blöd. Sie sehen die Welt wie sie ist, mit diverseren Strukturen, in bunteren Bildern.

In meinem Podcast 'Halbe Katoffl'  spreche ich mit Deutschen, die nicht deutsche Wurzeln haben. Und ich versuche, nicht nur über die drei Dauerbrenner-Themen zu sprechen, bei denen die ethnische Herkunft eine Rolle spielt: Rassismus, sozialer Aufstieg und Kriminalität. Ich will individuelle Erfahrungen sichtbar machen und die alltägliche Lebenswelt zeigen.

Für die Zukunft meiner Kinder träume ich von einer Welt, in der es für ihre Chancen im Leben überhaupt keine Rolle mehr spielt, welcher Ethnie oder Hautfarbe sie sind. Das klingt vielleicht naiv, aber das wünsche ich mir: Dass wir uns alle auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen."

Any, 36 Jahre, vier Kinder, Erzieherin aus Hamburg

"Als meine Tochter in die Kita kam, war sie dort das einzige schwarze Mädchen. Von zu Hause war sie Diversität gewöhnt: Wir haben schwarze Puppen und Bilderbücher mit schwarzen Kindern. In der Kita gab es das nicht. Sie hat sich dort nicht zugehörig gefühlt und lange keinen Anschluss gefunden.

Ich bin mir bewusst, dass Erzieher*innen nicht alles wissen und richtig machen. Aber ich erwarte, dass sie auf alle Kinder offen und respektvoll zugehen. Dass sie sich Wissen aneignen und regelmäßig interkulturelle Trainings absolvieren. Doch in dieser Kita gab es keine 'Schokoküsse', als ein Kind Geburtstag hatte, sondern es fiel das N-Wort. Das geht gar nicht.

Eine Erzieherin hat mich auch gefragt, ob ich etwas 'Afrikanisches' kochen könne. Ich habe dann zurückgefragt: 'Was stellt ihr euch denn darunter vor?' Wir haben Wurzeln in Ghana und selbst dort gibt es so viele unterschiedliche Kulturen. Mich stören diese ständigen Verallgemeinerungen.

Ich bestärke meine Kinder täglich darin, dass sie gut so sind, wie sie sind. Dass sie niemandem etwas zu beweisen brauchen. Und dass es nicht in Ordnung ist, wenn sie sagen, dass sie aus Hamburg kommen und die Lehrkraft noch dreimal nachfragt.

Wir sprechen auch viel über Freundschaften in der Schule. Ich erkläre ihnen, dass sie sich ihre Freunde aussuchen können und niemanden wählen müssen, der Vorbehalte wegen ihres Aussehens hat. Einer meiner häufigsten Sprüche ist: 'Sie wissen es nicht besser. Sie haben es nicht anders gelernt.'

"Einer meiner häufigsten Sprüche ist: 'Sie wissen es nicht besser. Sie haben es nicht anders gelernt.'"

Wir alle haben Vorurteile und denken in Schubladen. Darüber kläre ich meine Kinder auf. Sie sollen wissen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn Menschen nach diesen Vorurteilen handeln.

Im vergangenen Sommer gingen wir mit Freunden in einen Supermarkt, um Eis zu kaufen. Als wir herauskamen, riss vor dem Laden ein weißer Mann an einem weißen Mädchen herum, das laut um Hilfe schrie. Sein Pullover war schon fast ausgezogen.

Wir mischten uns ein, und das Mädchen konnte fliehen. Der Mann schrie dann uns an, er sei Ladendetektiv und das Mädchen habe etwas geklaut. Wir liefen weiter, aber ganz langsam, weil ich hochschwanger war. Er rief die Polizei, es kamen drei Streifenwagen. Die Polizisten brüllten uns an, wir sollten stehenbleiben. Meine achtjährige Tochter bekam Angst und fing an zu weinen. Kein Wunder, bei so einem Aufriss. Die Polizisten hörten uns überhaupt nicht zu.

Wenn Kinder so etwas mitbekommen, merken sie, wie man in eine Täterrolle rutscht, ohne etwas getan zu haben. Es war ja nicht offensichtlich, dass der Mann ein Ladendetektiv war. Meine Tochter hatte auch noch Monate später immer wieder das Bedürfnis, über die Situation zu sprechen."

Mohsen Vedadi, Dolmetscher und interkultureller Trainer, 49, zwei Kinder, Lübeck 

"Ich bin mit 14 Jahren hierhergekommen und habe mich schon sehr bald gut integriert gefühlt. Ich habe - so sagt man mir oft - akzentfrei Deutsch gelernt, ich habe Abi gemacht und studiert. Trotzdem passiert es mir, dass ich an der Ostsee spazieren gehe und am Strand einen Kioskbesitzer frage, ob er auch Döner verkaufe - und dass er mich anblafft: 'Sind wir in der Türkei, oder was?' Er hätte auch freundlich sagen können, dass es bei ihm nur Brötchen und Wurst gibt. Stattdessen lässt er mich spüren: Du gehörst nicht hierher.

Meine Söhne haben eine weiße Mutter, aber sie tragen meinen Nachnamen. Früher waren sie blond, aber dann wurde ihr Haar langsam immer dunkler. Ich habe ihnen eingeschärft: 'Wenn euch jemand provoziert, egal wie stark ihr euch fühlt, ignoriert ihn oder lauft weg.'

Für diesen Artikel habe ich sie angerufen, um sie zu fragen, wann sie zum ersten Mal Rassismus erlebt haben. Der Ältere erzählte mir, dass er mit neun oder zehn Jahren einen Mann an der Bushaltestelle nach der Uhrzeit fragte. Der habe ihn daraufhin angeschrien: 'Was willst du, du Scheiß-Türke?'

Ich wusste davon bis vorgestern nichts und mir blieb am Telefon die Luft weg. Doch mein Sohn hat es damals offenbar gar nicht als so schlimm wahrgenommen, sonst hätte er mir wohl schon längst davon erzählt.

"Ich möchte mich nicht verstecken, nur weil das einigen rassistischen Idioten gefallen könnte"

Vielleicht lag es daran, dass er nicht wusste, was Rassismus ist? Wir hatten das bis dahin vor den Kindern nicht thematisiert. Ich wollte warten, bis sie älter sind. Wenn Eltern das früh ansprechen, kann das den Vorteil haben, dass Kinder auf bestimmte Erfahrungen besser vorbereitet sind. Es kann aber auch Nachteile haben: Ihr Denken ist dann sensibilisiert – und womöglich interpretieren sie etwas in Situationen hinein, die gar nicht so gemeint waren.

Ich bin mir zum Beispiel sicher, dass es für meinen älteren Sohn gerade schwierig ist, einen Praktikumsplatz im Auswärtigen Dienst zu bekommen, weil er neben dem deutschen auch einen iranischen Pass hat. Er selbst sieht das aber gar nicht so, er glaubt, das liege an anderen Faktoren. Wir werden wohl nie erfahren, wer von uns beiden recht hat.

Natürlich hätten meine Kinder auch den Nachnamen meiner Frau bekommen können. Doch ich bin stolz auf meinen Namen. Ich bin, wer ich bin und ich möchte mich nicht tarnen und verstecken, nur weil das einigen rassistischen Idioten gefallen könnte.

Den iranischen Pass habe ich für meine Söhne beantragt, weil ich wollte, dass sie jederzeit problemlos in meine Heimat reisen können. Wer hätte gedacht, dass ich das 25 Jahre später mitten in Europa bedauern würde? Es macht mich traurig, dass das so ist. Doch nun ist es zu spät: Wer die iranische Staatsbürgerschaft hat, kann sie nicht mehr abgeben."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

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