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Mental Health Wenn alles zu viel wird – Familien unter Hochdruck

Wenn die Bewältigung des Alltags für Familien zu einer Dauerbelastung wird, leiden nicht nur die Eltern darunter. Häufig fehlen betroffenen Kindern dann stabile familiäre Strukturen und sie leben mit einem erhöhten Risiko, körperlich oder psychisch zu erkranken.
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SOS-Kinderdorf
SOS-Kinderdorf
Foto: © SOS-Kinderdorf e.V.

Den stressigen Alltag zu meistern und den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, führt in vielen Familien zu Streit, Tränen, Frustration und Erschöpfung. Nicht selten fühlen sich Eltern dann überfordert und reagieren schon bei Kleinigkeiten gereizt und wütend.

Die 13-jährige Vanessa* erlebte tagtäglich Beschimpfungen durch ihre Mutter, die sie so nicht kannte. Die ungewohnte Härte ihr gegenüber fühlte sich für Vanessa demütigend und vorwurfsvoll an. Hinzu kamen die lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Vater, die sich immer häufiger auch vor ihren Augen abspielten. Vanessa zog sich zurück, glitt in eine Depression ab und begann sich selbst zu verletzen. Der Gesundheitsreport der DAK dokumentiert eindrücklich die Entwicklung depressiver Episoden bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich zu 2020 stieg allein im Jahr 2021 der Anteil der jungen Frauen dieses Alterssegments, die wegen einer Depression stationär behandelt wurden, um 34 Prozent.

Offenheit bringt Vertrauen

Wenn alles zu viel ist, wirkt das Verhalten überforderter Eltern auf ihre Kinder oftmals ambivalent und verunsichernd. Gerade in solchen Situationen ist es notwendig, dass Erziehungsberechtigte offen und entwicklungsgerecht mit ihrem Kind über die eigene Anspannung und Verunsicherung sprechen. Natürlich braucht es Mut, die vermeintlichen Schwächen offen zu zeigen, fällt man als Mutter bzw. Vater bewusst aus der Rolle des Alleskönners und Alleswissers. Aber gerade dieses authentische Verhalten schafft Vertrauen. Die Kinder fühlen intuitiv, dass der Ärger oder die Anspannung nichts mit ihnen zu tun hat.

Wenn der Boden unter den Füßen fehlt: Viele Kinder entwickeln ein Gefühl von Haltlosigkeit und Unsicherheit.

Wenn der Boden unter den Füßen fehlt: Viele Kinder entwickeln ein Gefühl von Haltlosigkeit und Unsicherheit.

Foto: © SOS-Kinderdorf e.V.

Entwicklungsstörungen bei chronischer Belastung

Die Eltern von Vanessa waren nicht mehr dazu in der Lage, sich der Not ihrer Tochter anzunehmen. Sie konnten nicht offen über sich und ihre Gefühle sprechen. Andrea Soujon ist systemische Familienberaterin im Treffpunkt Blomberg des SOS-Kinderdorfs Lippe und hilft Familien, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. »Kinder, die mit psychisch belasteten Eltern aufwachsen, haben ein sehr hohes Entwicklungsrisiko. Kinder reagieren auf die psychische Erkrankung eines Elternteils selbst mit Auffälligkeiten wie Konzentrationsstörungen, geringerem Schulerfolg, depressiven Verstimmungen oder aggressivem Verhalten, weil ihre Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden.«

Vorsorge schützt

Für eine Minimierung des Entwicklungsrisikos bei Kindern, kann präventiv unterschiedlich angesetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist das vom SOS-Kinderdorf im Jahr 2020 ins Leben gerufene Projekt BESThealthCare. An den vier SOS-Kinderdorfstandorten Kaiserslautern, Pfalz, Saar und Saarbrücken sollen Kinder zu Expertinnen und Experten für ihre eigene Gesundheit werden. Der Name BESThealthCare steht für die während des Projekts vermittelten Inhalte: Bildungschancen – Entstigmatisierung – Selbstwirksamkeit – Teilhabe – Chancengleichheit – Armutsprävention – Resilienz – Erhalt von Gesundheit. Frei nach dem Motto »Gesundheit lässt sich lernen«, entwickeln die Kinder und Jugendlichen ein umfassendes Verständnis von Gesundheit als Kompetenz und erlangen Kenntnis gesundheitsbeeinflussender Faktoren. Darüber sollen die Jugendlichen in die Lage versetzt werden, in Krisensituationen Bewältigungsressourcen zu entwickeln.

Das Ziel: Kindern helfen, indem sie ihre Resilienz aufbauen und darüber ihre Selbstwirksamkeit erfahren können.

Das Ziel: Kindern helfen, indem sie ihre Resilienz aufbauen und darüber ihre Selbstwirksamkeit erfahren können.

Foto: © SOS-Kinderdorf e.V.

Individuelle Wege aus der Krise

Vanessa ist mittlerweile auf einem guten Weg. Ihr Vater suchte mit ihr gemeinsam die Familien- und Erziehungsberatung des SOS-Kinderdorfs auf. Durch regelmäßige Gespräche mit einem Pädagogen erkennt Vanessa, dass sie nicht der Grund für die familiären Probleme ist. In den 38 Einrichtungen von SOS-Kinderdorf in Deutschland, werden Familien und ihre Kinder individuell unterstützt, damit sie einen Weg aus der Krise finden und ihre Probleme überwinden können. Die Angebotsbereiche des durch Spenden finanzierten Vereins reichen von dem bekannten betreuten Wohnen für Kinder und Jugendliche in einem der SOS-Kinderdörfer, über ambulante Unterstützung in Form von Tagesbetreuung, flexibler Hilfen zur Erziehung durch Familienhelfer vor Ort in den Familien, bis hin zu schulbezogenen Hilfen und berufsorientierten Angeboten.

* Name, biografische Details und Abbildungen wurden zum Schutz der Personen verändert

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