Forum: Auto
60 deutsche Autos: Der VW Käfer

Kaum ein anderes Produkt hat die deutsche Nachkriegzeit so geprägt wie das Auto. SPIEGEL ONLINE stellt zum Jubiläum der Bundesrepublik 60 Fahrzeuge vor, die das Straßenbild prägten und Geschichte schrieben. Den Anfang macht - natürlich - der VW Käfer.

Wolfgang Jung 20.05.2009, 19:20
1. Käfer-Geruch

Zitat von sysop
Kaum ein anderes Produkt hat die deutsche Nachkriegzeit so geprägt wie das Auto. SPIEGEL ONLINE stellt zum Jubiläum der Bundesrepublik 60 Fahrzeuge vor, die das Straßenbild prägten und Geschichte schrieben. Den Anfang macht - natürlich - der VW Käfer.
Ich finde, noch mehr als das Motorengeräusch bleibt der Geruch eines Käfers in Erinnerung, wenn man eingestiegen ist und die Türen geschlossen hat. Und er veränderte sich nie, egal, wie alt ein Käfer war.

Beitrag melden
pibaer 20.05.2009, 20:02
2. Schlecht recherchiert

Der Käfer war alles andere als revolutionär. Woher kommt denn diese schräge, für das Auto völlig unpassende Bezeichnung? Er basierte auf einer Konstruktion von Béla Barényi aus dem Jahre 1925. Die war 1934 eigentlich schon hoffnungslos veraltet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sein Konkurrent, der Opel Kadett I von 1936, schon eine selbsttragende Karosserie mit Frontmotor und hydraulischer Bremsanlage hatte und zudem als 2- und als 4-Türer erhältlich war. Dagegen war der Käfer mit Rahmen, Seilzugbremse und Heckmotor ein Oldtimer von Anfang an.

Beitrag melden
W. Robert 20.05.2009, 21:21
3. Von Mythen und Realitäten

Irgendwie erinnert die Geschichte des VW “Käfer” an einen Groschenroman. Dem Volke vom bösen Zauberer Adolfo jahrelang vorenthalten bahnt er sich seinen Weg in die Freiheit und wird nach einem Intermezzo als klassenloses Wirtschafts-Mobilitätswunder der Liebling der amerikanischen Intellektuellen und derart geadelt gar der Trendwagen der bewegten Jugend.

Herbie wird zum Filmstar und erst die Ölkrise bricht dem inzwischen locker 12 Liter saufenden 1500er das Genick. Doch welch ein Wunder, wie Phönix aus der Asche wird im fernen Mexico ein neuer Beetle gebaut, aber er kann sich nicht mehr wirklich gegen den Trend anti-emotionaler Golfcaddies behaupten. Musste dem alten Käfer noch eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 120 kmh genügen erreichen seine Nachfolger schnell mal das doppelte Tempo. Schon irgendwie irre.

Der Rost, Hauptfeind aller Wirtschaftswunder-Karossen, hat inzwischen Millonen der Käfer gefressen, er ist zu einem seltenen Anblick auf der Straße geworden. Ehrlich gesagt konnte ich nie eine emotionale Bindung zu den oft kaputten Billig-VW meiner automobilen Frühzeit entwickeln. Autofahren machte zu dieser Zeit längst keinen Spass mehr, vor allem im ringsum von Mauern umgebenen Berlin. Wahrscheinlich bin ich auch eher ein Snob als ein Volkstümler. Ich werde bespielsweise nie verstehen, wie man heutzutage 50000€ für ein Auto ausgeben kann und doch nur in der “Vertreterklasse” landet:-)

Beitrag melden
Josef Ritter 20.05.2009, 21:37
4. Richtig

Zitat von pibaer
Der Käfer war alles andere als revolutionär. Woher kommt denn diese schräge, für das Auto völlig unpassende Bezeichnung? Er basierte auf einer Konstruktion von Béla Barényi aus dem Jahre 1925. Die war 1934 eigentlich schon hoffnungslos veraltet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sein Konkurrent, der Opel Kadett I von 1936, schon eine selbsttragende Karosserie mit Frontmotor und hydraulischer Bremsanlage hatte und zudem als 2- und als 4-Türer erhältlich war. Dagegen war der Käfer mit Rahmen, Seilzugbremse und Heckmotor ein Oldtimer von Anfang an.
Ich glaube es waren auch nur 34 PS.

Beitrag melden
wudi 20.05.2009, 21:45
5. 24ps

Zitat von Josef Ritter
Ich glaube es waren auch nur 34 PS.
Das mit 34PS hat bei dem Kaefer bis in die 60er gedauert.
Der "Ur-Kaefer" hatte nur 24, dann 28 und 30PS.

Beitrag melden
Hajojunge 21.05.2009, 21:47
6. Der Wagen meiner ersten Autoträume

Nachdem ich meine verrostete Kasten-Ente bei einem spektakulären Auffahrunfall völlig zerlegt hatte, war der rostfreie graugrüne Standard-Käfer von 1961 aus Rentnerhand geradezu ein Aufstiegsmodell und ein Ausbund an Solidität.
Mit 4 Seilzügen war er das erste Modell mit serienmäßiger 4-Kreisbremse und voneinander unabhängigen Bremssystemen für jedes Rad. Sogar die Handbremse wirkte auf alle 4 Räder, was beim Radwechsel sehr nützlich war.
Das diffizile Einstellen der Bremsseile hatte ich schnell heraus. Der Bremsweg war allerdings der eines Öltankers, genügend Gegenwind war oft sehr hilfreich. Das Getriebe war bar aller leistungszehrenden Synchronisationshilfen, man schob die Zahnräder mehr oder weniger geräuschvoll direkt ineinander, und so hing ich so manchen Export mit 4 PS mehr locker ab. Das Zwischengas war schnell erlernt und auch später immer noch nicht vergessen.
Dann ergab es sich, daß das Exportmodell einer Freundin Totalschaden hatte, bis auf den Rahmen, denn der LKW hatte recht hohe Stoßfänger. So entschloß ich mich, mit ein paar Freunden die Standardkarosse auf den Exportrahmen zu transplantieren (Fotodokumentation liegt vor). Mit dem Exportchassis mitsamt Standard-Karosse und zwei Fahrzeugbriefen ging es dann zum TÜV in Berlin-Tempelhof. Dort gab es eine heillose Verwirrung. Unter welcher Flagge sollte der Hybridkäfer fortan segeln? Schließlich wurde das Exportchassis auf die Nr. des alten Standard umgestempelt (mit Schlagbuchstaben), und dann fuhr ich selig davon, mit 34 PS statt vorher 30. Den alten Vergaser mit Choke hatte ich mit einer größeren Venturidüse und neuer Hauptdüse auf den 34er abgestimmt, was dem Verbrauch sehr zugute kam, weil die elende Startautomatik entfiel. Die Hinterachse stimmte ich mithilfe der Mausezähnchen an den Drehstäben etwas tiefer ab. Unseren ersten Sohn mitsamt Mutter holte ich dann während der Ölkrise im Dez. 1973 am autofreien Sonntag mit Bescheinigung des Klinikums Steglitz bei -10°C ab. Wir wurden aber nicht kontrolliert. Das Auto war sogar warm, denn die Heizbirnen hatte ich rechtzeitig erneuert und sorgfältig eingestellt.
Den Käfer habe ich später verkauft, und der neue Besitzer grüßte nach Jahren immer noch immer sehr freundlich.
Der Käfer hat unsere Familiengründungsphase zuverlässig begleitet und bleibt für immer unvergessen.
Es folgten dann Sohn 2 und der K70 (problemlos!) und der Passat. Nachdem beide flügge waren, verkleinerten wir uns auf den Golf. Den unverwechselbaren Charakter des Käfers blieb aber bis heute erreicht.

Beitrag melden
reflexxion 25.05.2009, 08:19
7. das erste Auto in meiner Jugend

OK, meine Eltern hatten vorher schon einen Lloyd, davor gab es nur Motorrad mit Seitenwagen, aber damals war ich einfach noch zu klein. Ich kann mich ein ganz klein wenig an den lloyd erinnern, aber das ist alles sehr verschwommen. Ich erinnere mich hauptsächlich daran, das der Lloyd irgendwie privat verkauft worden ist. Dann kam der neue VW, der damals 1959 noch nicht offiziell Käfer heißen durfte. Er war in einer Art rauchsilber metallic lackiert und hatte schon das erste rechteckige Heckfenster, vorher gabs nur Brezel und die ovale Variante ohne den Mittelsteg. Ich glaube auch er hatte schon 34 PS. Was ich aber was am besten fand war der hintere Kofferraum, in dem ich normalerweise mitfahren durfte. Er wurde dazu unten mit einer Decke ausgepolstert und zusätzlich bekam ich ein Sofakissen in den Rücken. Vorn fuhr der Rest der Familie also meine Eltern und oft auch die Großeltern oder eben meine Oma und meine Tante mit. Mein Opa war nämlich kein Freund vom autofahren, als ehemaliger Husar hatte er es eher mit Pferden - aber er hatte natürlich keins mehr. Den Käfer hatten wir während meiner ganzen Grundschulzeit, pünktlich zum Übergang ins Gymnasium bekamen wir dann einen Opel Rekord - auch nur mit 1,2l den wir nur ein paar Wochen hatten, denn da kam plötzlich der Rekord A heraus und mein Vater war sauer auf den Händler, weil er extra gefragt hatte ob eben kein neuer Rekord demnächst kommt. Wir gaben den älteren Rekord umgehend zurück und erhielten kurze Zeit später den 1,5l Rekord mit 55 PS. Meine zeiten im hinteren Kofferraum waren vorbei, im Opel Stufenheck gabs innen keinen Kofferraum. Mein neuer Platz war vorn in der Mitte der Sitzbank, denn der Opel hatte lenkradschaltung . Ansonsten hatte er noch einen schönen Walzentacho, den ich von meinem neuen Platz gut sehen konnte. Bis 50 zeigte er in grün an, bis 100 in gelb und darüber bis ca. 134 km/h in rot (weil das gefährlich schnell war). Ich habe nie einen eigenen Käfer gehabt, dafür aber mehrere Audi 80 der ersten Serie und danach Scirocco I, 3 x Gof II und auch noch einen Passat Variant. Seit dem fahre ich nun Mercedes, das wird auch so bleiben. Trotzdem hat mich der kleine Käfer irgendwie geprägt, denn ich fahre egal wie teuer der Sprit leidenschaftlich gern selbst Auto.

Beitrag melden
eisenbär 11.07.2009, 17:15
8. VauWeh Käfer

Bei uns in der Familie fuhr man VW Käfer. In Exportausführung und möglichst mit Rolldach oder als Cabrio. Zuerst mit 30 PS und dann mit 34 PS. Egal wo man hin kam zu welchem Onkel oder zu welcher Tante, unterschiedlich waren nur die Farben. Rot, schwarz oder himmelblau.

So etwas prägt. Auch solche Sprüche wie: "Ein VW muss getreten werden. Wer zurückhaltend fährt tut dem Motor keinen Gefallen." Oder: "Mit einem Käfer kann man weitaus stärkere Wagen nass machen."

Vielleicht war es ja auch mein Fehler und ich hätte besser vorher keinen BMW 2002 Automatik fahren sollen, bevor ich auf einen VW 1303 S umstieg. Nun ja, solange man in der Stadt oder auf der Landstraße blieb, da ging es ja noch so. Aber auf der Autobahn war der Wagen eine Zumutung. Beschleunigung war nur bis Tempo 80 messbar, danach ging es nur noch sehr dezent weiter. Waren die Fahrleistungen schon ernüchternd, wurden diese vom Verbrauch noch getoppt: Der Verbrauch war mit dem des BMW 2002 durchaus vergleichbar: zwischen 8 und 14 Litern auf 100 km. Spitze keine 140 km/h aber dabei 14 Liter saufend!!!!

Ich habe daher das einzig Sinnvolle gemacht, was man mit solch einem Wagen tun konnte: Ich bin zum freundlichen Tuner in der Nachbarstadt gefahren und habe mir einen Wolf im Schafspelz bauen lassen. Dadurch wurde der Wagen zwar schneller aber auch lauter. Er war halt schon ein Anachronismus. Auf der Landstraße war ich jetzt der King, aber auf der Autobahn war immer noch nicht viel los. Ein Liebhaberfahrzeug eben. Und an genau einen solchen habe ich ihn nach knapp zwei Jahren weitergeben können.

Und dann habe ich mir einen BMW 520 gegönnt. Aber der war im Vergleich zum Käfer so agil wie ein Riesentanker. Auf der Autobahn topp, aber in der Stadt und auf der Landstraße eher zu behäbig. Wenigstens waren Fahrleistungen und Benzinverbrauch auf ähnlichem Niveau wie beim (getunten) Käfer: zwischen 8,5 und 17 Liter auf 100 km.

Ich bin dann auf die Golf-Klasse umgestiegen: Gleicher Innenraum wie im BMW, ähnliche Fahrleistungen und das bei mehr als halbierten monatlichen Unterhaltskosten.

Der Käfer passte gut zu den 50´er Jahren und spätestens 1966 hätte er eine Ablösung verdient gehabt. Und VW wäre gut beraten gewesen, das auch zu tun. Zwar hielten viele Leute dem VW-Konzern die Treue, aber viele von denen die ich kannte taten dies trotz der überholten Modellpolitik und meist mehr aus Anhänglichkeit. Oder auch weil sie keinen Opel oder Ford fahren wollten und weil es zu einem BMW oder Mercedes-Benz dann doch nicht reichte.

Als die Verkaufszahlen des Golf dann alle Rekorde sprengten zeigte sich, wie sehr sich die Leute ein moderneres Auto von VW gewünscht hatten. Und deren gutes Geld hätte man schon 10 Jahre früher haben können. Der deutsche Bürger war durchaus bereit, VW war es hingegen nicht.

Beitrag melden
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!