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Auto-Blog "Fahrtenbuch": Warum blinken wir nicht mehr?
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mazzmazz 12.11.2017, 07:20
210.

Das passt doch bestens ins Bild. Der Michel in seinem SUV fährt wie er will. Mitdenken, Höflichkeit, Blinken, Rechtsfahrgebot, Abstandsregeln? Damit sollen sich doch die anderen Deppen aufhalten. Ich bin wichtig, ich hab es besonders eilig.
Es ist immer wieder interessant, aus Ländern wie Italien oder Deutschland zurück in den deutschsprachigen Bereich zu kommen. Besonders schlecht wird in der Schweiz gefahren. Dann folgen sehr dicht Deutschland und Österreich. Dabei fallen den meisten ihre kleinen Rücksichtslosigkeiten und Dummheiten vermutlich gar nicht auf. Das wird sicherlich nciht alles in vollem bewusstsein, andere zu ärgern, gemacht, sondern einfach aus Ignoranz, Überforderung und häufig Blödheit.
Komme gerade aus Paris. Selbst an den großen Kreisverkehren in der Innenstadt funktioniert der Verkehr, weil geblinkt und zügig gefahren wird. Man beharrt zwar auf seinem Recht, aber nicht ganz so weitgehend wie in Deutschland.
Sie fahren in I oder F auf einer breiten Landstraße hinter einem langsamen Fahrzeug her? Kein Problem, sie blinken links, der Fahrer hält sich rechts, ebenso wie der Gegenverkehr, und Sie können trotz Gegenverkehr überholen. In D völlig undenkbar. Natürlich auch weil die meisten Landstraßen hier viel zu schmal sind. Sind sie mal breit genug, fährt der Michel in der Mitte, um ja keinen vorbei zu lassen.
Auf der Autobahn wird zwar unsäglich geschlichen, das aber wenigstens rechts.
Blinken bei der Parkplatzsuche? Seit 20 Jahren out. Fahren Sie zügig vorbei, werden Sie auch noch angehupt. Reißverschluß? Klappt viel zu oft nur, wenn man ihn knallhart erzwingt.
Rechtsfahrgebot? Gilt nicht für den schleichenden Michel. Auf der LKW-Spur hoppelt´s ja so. Wenn ab und zu ein Auto rechts kommt, darf ich ja links bleiben. Steht irgendwo im Gesetz, habe ich gehört...
Rechtzeitig angekündigter, gefährdungsfreier Spurwechsel? Mir wurscht, soll der blöde Rader halt bremsen. ich will genau jetzt überholen.
Wenn mal geblinkt wird, heisst das "ich fahre jetzt" anstatt das korrekte "ich möchte gleich".
Nun bin ich kein frustrierter Pensionär, der der Welt alle möglichen Paragraphen zu 100% aufs Auge drücken will. Aber vernünftig zu fahren ist angesichts des steigenden Autoverkehrs in Städten und auf Autobahnen nicht nur eine Zier, sondern trägt massiv zum Verkehrsfluß für alle, auch für einen selbst, bei. Auf seinem (sehr oft auch falsch verstandenen) Recht zu beharren, bringt da nichts.

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Visitor 12.11.2017, 07:21
211.

Diese Ignoranz lässt sich problemlos in den sonstigen Alltag übertragen. Parken wo keine Parkplätze sind(und dadurch die Sicht anderer versperren), zuknallen von schwerer Feuerschutztür anstatt die Klinke in die Hand zu nehmen, Rolläden runter krachen lassen anstatt sie normal zu schließen, Mülltonne überladen obwohl daneben 3 halbleere stehen(da müsste man aber 2 Meter mehr laufen), Sperrmüll in Restmülltonne, und und und...

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dasistnurrechtens 12.11.2017, 09:14
212.

Ja - ja, nicht nur die Nichtblinker deren Ignoranz ja durchaus auch kontraproduktiv sein kann, sorgen regelmäßig für Stirnrunzeln. Es gibt noch mehr stereotypische Dinge die einem immer wieder nach der Sinnhaftigkeit ob des Verhaltens anderer rätseln lässt. Immer wieder erlebt: Da fährt einer (ja i.d.R. männlich) kilometerlang bei regem Verkehr hinterher -überholen nicht möglich-, und dann kommt endlich der ersehnte Linksabzweig. Obwohl bereits von Weitem klar zu erkennen ist, dass die Linksabbiegerampel grell rot leuchtet, beschleunigt dieser Herrscher über ein Gerät nun derart zielstrebig und düst wie von allen guten Geistern befreit auf der Abbiegespur an allen vorausfahrenden Autos vorbei -selbstverständlich nicht blinkend-, wobei einem direkt durch den Kopf fährt, ob der nicht tatsächlich kurz vor der Ampel wieder reindrücken möchte. Aber nein; unmittelbar vor der Ampel steigt Superfahrer wieder heftig in die Eisen, man will ja tatsächlich abbiegen. Die soeben überholten Fahrzeuge fahren jetzt alle wieder einer nach dem anderen müde lächelnd am nun Stehenden vorbei und man fragt sich schon unwillkürlich, was diesem Zeitgenossen eigentlich gerade im Kopf vor sich ging - falls da tatsächlich etwas ist das Hände und Füße hätte steuern können.
Kurz ausgedrückt: Intoleranz, Ignoranz und Selbstgefälligkeit gepaart mit einem ordentlichen Paket Überheblichkeit, sowie nicht nachvollziehbare Irrationalität im persönlichen Verhalten! Damit ist das alles hier Beschriebene wohl noch am ehesten auf den Punkt zu bringen.

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Spiegelleser 04/59 12.11.2017, 09:19
213. zu wertvoll

Der Blinker ist ein sooooo teures Ersatzteil, das darf man nicht überstrapazieren, und deswegen sollte man es auch tunlichst nicht benutzen. Was hilft die ganze Aufregung? Darauf vorbereitet sein, dass der Andere etwas Unvorhergesehenes macht, hilft immer.
Aber wenn selbst die vor mir herfahrende Polizei das Blinken vergisst
(links, rechts, nochmals rechts, dann nach links) und die Herrschaften dann pampig werden, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dann lässt man es beim nächsten Mal bleiben.

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Hamberliner 12.11.2017, 09:36
214.

Zitat von marsche
Tatsächlich blinke ich eher spärlich. Beim Spurwechseln und wenn ich anhalte. Vorrausgesetzt, es ist jemand da, der es auch sehen kann. Da die meisten Fahrer ja aufmerksam sind, kann daraus kein Problem entstehen.
Dann empfehle ich, nochmal drüber nachzudenken. Über die Logik, dass kein Fahrzeug da ist, wo man kein Auto sieht, und dass demzufolge das Motorrad, das man nicht gesehen hat, gar nicht existiert. Es ist nämlich nicht so angenehm, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben, Kindern ihren Vater zu nehmen. Und der ganze Ärger und Papierkrieg, wenn es nur beim Sachschaden und ein bisschen Aua geblieben ist, muss auch nicht sein, auch wenn die Versicherung zahlt.
Das Blinken sollte außerdem so frühzeitig erfolgen, dass der scheinbar nichtexistente Motorradfahrer Zeit hat, sich in Sicherheit zu bringen und/oder mit Hupen auf sich aufmerksam zu machen.
Das gilt auch für die Rückfahr-Leuchten. Erst Rückwärtsgang einlegen, dann bis 5 zählen, und erst dann einkuppeln. Ich erlebe es manchmal, dass ich mit dem Motorrad an einer roten Ampel stehe, und der Autofahrer vor mir beschließt spontan, doch lieber nach links abzubiegen und versucht, auf die linke Nachbarspur zu rangieren. Also Rückwärtsgang 'rein, und mit Schmackes mich über den Haufen fahren. Das letztemal ging so gerade eben noch gut, weil ich hupte. Das war voriges Jahr am Heiligabend. Als der Fahrer ausstieg, wie ein begossener Pudel guckend, um sich zu entschuldigen, sagte ich nur: Fröhliche Weihnachten!

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herrwurst 12.11.2017, 10:19
215.

Viele Leute fahren als wären sie alleine auf der Straße. Das seltene Blinken nervt und kann auch mal gefährlich sein.
Mindestens genau so ärgerlich sind jedoch Leute, die aus irgendwelchen Gründen bei normalen Wetterverhältnissen auf guten Straßen nicht mit angemessener Geschwindigkeit fahren. Bei erlaubten 100 km/h mit höchstens 70 unterwegs, vor jeder Kurve bremsen. Im ländlichen Raum leider oft bei durchgezogener Linie, also keiner legalen Überholmöglichkeit. Da sollte öfters der Blinker genutzt werden um kurz rechts zu blinken, an die Seite zu fahren und die Normalfahrenden überholen zu lassen.
Das sind leider oft die Leute, die sich über die ganzen irren Raser beschweren. Auch die Polizei sollte diese Leute mal kurz rechts ranfahren lassen und ihnen erklären, dass unnötiges Langsamfahren nicht mit der StVO konform geht.

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bissig 12.11.2017, 10:45
216.

Nichtblinker sind eine Plage geworden. Aber nicht die einzige. Mir fallen da noch spontan Nebelschlussleuchtenignorierer, die bei mehr als 100 Meter Sichtweite mit 80-100 über die Landstrasse brettern oder in Ortschaften rumgurken.

Am schlimmsten sind aber diejenigen, die Blinken, und zwar just in dem Moment, in dem sie die Spur wechseln - und den Hintermann zum Bremsen zwingen.

Helfen würde hier nur eine höhere Kontrolldichte und entsprechende Sanktionen. Aber mehr Polizisten, die den Verkehr kontrollieren, sowie höhere Strafen bei Verstössen gegen die StVO lassen sich offensichtlich nicht durchsetzen oder interessieren niemanden.

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bad_boi 12.11.2017, 11:15
217. Kein Egoismus sondern Überforderung...

...ist die Ursache. Wie oft sehe ich überforderte SUV/Minivan Fahrer/inen welche durch die vielen blinkenden und piependen Assistenzsystemen nicht mehr wissen was zu tun ist und was nicht. Dazu kommt die schlechte Übersicht der Fahrzeuge , die Planlosigkeit der Fahrer (wohin will ich) und die Unfähigkeit mit zunehmendem Verkehr den Überblick zu behalten...
Deshalb wünsche ich mir die sofortige Einführung des verpflichtenden autonomen Fahrens.

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homosapjens 12.11.2017, 11:42
218.

eigentlich geht es hier nicht um Blinken oder nicht-Blinken oder ums Einhalten von Verkehrsregeln. Nein, es geht ums Sozialverhalten. es geht darum, den anderen Verkehrsteilnehmer als Mitmenschen wahrzunehmen und nicht als Hindernis, das einem am Fortkommen hindert. Aber genau das ist das, was immer mehr zählt. den anderen kenne ich nicht. Im Strassenverkehr mehr als anderswo stehe ich nicht im Angesicht zu Angesicht. Deshalb fällt es mir leicht, ihn als Mensch zu ignorieren. Er ist nur ein ES . ES - das Hinderniss, die Spassbremse, etwas das mich behindert, lediglich eine Slalomstange, die ich umkurven, ausbremsen, schneiden, nötigen kann, weil es mir im weg ist und dem ich keine Rechenschaft schuldig bin und deshalb unwichtig ist , auch ob ich ihn in Gefahr bringe oder vielleicht doch sogar Schaden zufüge... weil ES kenne ich nicht. ES hat mir noch kein Bier bezahlt. ES hat keinen Nutzen für mich. ES sehe ich nie wieder und deshalb ist mir ES egal. Und weil ich am Ende die Menschheit nur in zwei Gruppen unterteile: Die eine Gruppe: Menschen, die mir was bringen: Spass, Unterhaltung, Fortkommen im Job.. Die andere Gruppe: der Rest. Und letztendlich schulde ich nur der Gruppe eins all meine Beachtung, gutes Benehmen und das, was ich für Respekt halte. Alle anderen sind nutzlos oder sogar hinderlich und deshalb schulde ich ihnen nichts.

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tocmadsoft 12.11.2017, 11:48
219. Eine Art Volkssport

Ist das nicht blinken inzwischen geworden.Manchmal sieht man das hämische grinsen des Nichtskönners noch , wenn man bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr sozusagen ausgebremst wird .Aber dann gibt es auch wieder diese Glücksgefühle , wenn man selbst beim verlassen eines Kreisverkehrs blinkt und derjenige der rein fahren will warm lächelt. Nach dem Motto : Ja , es besteht noch Hoffnung... Danke :)

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